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Konzert-Bericht
 
Powerpop im Schottenrock

Amy MacDonald
Liam Gerner

Köln, Gebäude 9
06.03.2008

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Amy MacDonald
Amy MacDonald gehört zur neuen Speerspitze der britischen Fräuleinwunders - jenen jungen Damen, die mit ihrem unbekümmert direkten, respektlosen Ansatz und der Fähigkeit, relativ ungeschminkt und frei Schnauze das zu sagen, was ihnen gerade in den Sinn kommt, genau den Nerv der Zeit treffen, und die so eine erfrischende Alternative zu gecasteten Pop-Prinzessinnen bieten. Wie ihre Kolleginnen Kate Nash, Lily Allen und Adele hat auch Amy sich eine spezielle Nische ausgesucht, in der sie sich enorm erfolgreich austobt. In dem Fall ist das Indie-Pop allererster Güteklasse. Das haben neben den Fans auch Kollegen wie Paul Weller schon gemerkt, die relativ früh auf Amy aufmerksam wurden. Kein Wunder also, dass das Gebäude 9 bereits um 20 Uhr gut gefüllt war. Dennoch mussten die Fans noch einige Zeit auf ihr neues Idol warten.
Zunächst unterhielt nämlich der Australier Liam Gerner mit seinen angenehm ungekünstelten Songs um Ponies auf Booten oder Teilzeit-Gärtner, die mit Notlügen zu Millionen gekommen sind, das Publikum. Gerner, der bislang noch nicht mal eine Scheibe veröffentlicht hat, gefiel durch seine lockere Art, das virtuose Gitarrenspiel und Folk-Pop-Songs, die zumindest Klischees erfolgreich umschifften. Was ihm als Songwriter eventuell noch abging, ersetzte er mühelos durch performerische Qualitäten, so dass er das Publikum gar nicht erst lange bitten musste, mitzugehen. Zumindest als Live-Performer ist Gerner eine echte Entdeckung. Und auf seine irgendwann kommende Scheibe wurde man auf diese Weise immerhin neugierig. (Bis dahin muss eine EP und ein Live-Mitschnitt reichen.)
Anschließend gab es Probleme mit der Technik. In dem Fall war es der Laptop des MacDonald-Keyboarders, der einfach nicht hochfahren wollte. Das wurde dann durch allerlei Gitarrenstimmerei überbrückt. Nach 10 ging es dann endlich los. Amy MacDonald hat einen großen Vorteil: Sie klingt nicht wie jemand anderes. Zwar erfindet auch sie das Genre des Indie-Folk-Pop nicht wirklich neu, aber ihre kräftige, durchsetzungsfähige und (besonders im Vergleich zur Sprechstimme) relativ tiefe Gesangsstimme klingt schon ziemlich unverwechselbar - und eben nicht nach typischem Girlie-Pop. Und dann macht sie als Songwriterin oder Performerin auch nicht wirklich etwas falsch. Das kann man schon daran erkennen, dass praktisch jeder der Tracks ihres Debüt-Albums "This Is The Life" sich als Single eignete - und die meisten auch tatsächlich als solche erschienen. Obwohl natürlich momentan das Oeuvre momentan noch recht überschaubar ist und Amy live eigentlich nicht sehr viel anders macht, als auf Scheibe, gab es nicht viel auszusetzen an diesem Konzert. Da war z.B. die Dramaturgie: "Poison Prince", eine der rockigsten Nummern stand gleich am Anfang und damit war das Publikum quasi schon in Amys Tasche, bevor sie überhaupt noch "Hallo" gesagt hatte. Die offiziellen Hits mischten sich dann im Mittelteil mit jenen, die Amy selbst am Herzen liegen. Bevor es dann zum Schluss diverse Rausschmeißer gab.

Es fanden sich durchaus auch balladeske Momente, Solo-Passagen und gelegentlich wurde auch einmal Druck gemacht. Ganz so, wie es eigentlich auch sein muss. Dazu unterhielt Amy die Anwesenden - mit breitestmöglichem schottischem Akzent - mit kleinen Geschichten. "Ich habe mich heute zum ersten Mal im deutschen Fernsehen gesehen - hi hi" und Erklärungen der Songs. So erfuhren die Fans, dass es in "Footballers Wife" um das unsinnige Bestreben geht, berühmt sein zu wollen und dass der "Barrowland Ballroom" ein Club in Glasgow ist, den Amy selbst gerne frequentiert. Überhaupt ist der Albumtitel "This Is The Life" nicht unpassend erwähnt: Amy MacDonald erzählt da eben aus ihrem Leben. Beispielweise in "Let's Start A Band" davon, eine Band zu gründen oder sie singt über die Jugend von heute. Das - durchaus gemischte - Publikum kannte sich mit Amys Textmaterial natürlich bestens aus und sang nicht nur die Hits wie den Titeltrack mit. Dennoch hätte niemand Angst haben müssen, etwa die Texte nicht verstehen zu können, denn - wie gesagt - Amys Stimme ist schon sehr durchdringend. Eher müsste man sich Sorgen um ihre Stimmbänder machen - gesund kann das jedenfalls nicht sein, was sie da macht. Insgesamt kamen die Tracks live etwas entschlackter, weniger poppig, dafür aber rockiger daher als auf der CD - obwohl, wie gesagt, ein Keyboarder mitgereist war, der sich aber - zum Glück - doch eher zurück hielt. Dafür gab es dann mehr Raum für Amys Stimme. Angereichert wurden die ansonsten relativ straighten Arrangements des weiteren durch ein wenig Harmonium (vom Drummer Adam bei folkigeren Passagen wie z.B. beim Intro zu "Let's Start A Band" gespielt) und einer kurzen Trompeten-Einlage des Bassisten Jamie. Im Zugabenteil gab es dann noch ein neues Stück, bevor die Show dann nach ca. einer Stunde zu Ende ging (nun - mehr Songmaterial ist einfach noch nicht da). Auf ihrer ersten Headliner-Tour in Deutschland empfahl sich Amy MacDonald durchaus bereits für Größeres. In solch einem vergleichsweise intimen Rahmen dürfte man sie jedenfalls so schnell nicht wieder zu sehen bekommen.

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Surfempfehlung:
www.amymacdonald.co.uk
www.myspace.com/amymacdonald
www.myspace.com/liamgerner
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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