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Groß. Wortwörtlich.

Hurricane Festival

Scheeßel, Eichenring
20.06.2008/ 21.06.2008/ 22.06.2008

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Hurricane 2008
Sagenhafte 70.000 Zuschauer durfte das diesjährige Hurricane-Festival begrüßen. 70.000 Zuschauer, die das Areal natürlich merklich füllten und für einige enge Momente sorgten, die sich aber trotzdem genügend verliefen, um wirklich zu stören oder das Wochenende zu einem unangenehmen zu machen. Denn nach einigen Veränderungen in der Bühnenauf- und -verteillung in den letzten Jahren, standen die drei Bühnen dieses Jahr exakt an der Stelle, an der sie es auch 2007 schon taten. So gab es im Grunde wieder zwei große Gelände, genügend Rückzugsplätze für die Faulpelze und zusammen mit dem meist sonnigen Wetter und einem erneut vielfältigen Programm mal wieder beste Vorraussetzungen für ein tolles Wochenende. Und genau das wurde es dann auch.
Die Sonne schien, das Gelände war grün und die Getränkestände überschaubar gefüllt, als Turbostaat die Ehre hatten, das diesjährige Hurricane zu eröffnen. Und das machten sie gut, der Sound war okay, die Stimmung besser, Songs wie "Vormann Leiss" oder "Harm Rochel" natürlich eine sichere Bank. Und schnell machte sich diese besondere Stimmung breit. Ein bisschen nach Hause kommen, ein wenig Urlaub haben und dazu eine Party feiern. Hurricane eben. Es ist keine zehn Jahre her, dass nur 20.000 Fans auf den Eichenring kamen. Vor drei Jahren waren es dann 60.000 und wir schrieben an dieser Stelle bereits, dass es zu voll war. Nun waren es noch mal ein Batzen mehr und sicher dachten manche an die gemütlichen Ausgaben von damals. Der erste Tag aber erinnerte noch an damals. Einige bis viele, aber längst nicht alle Leute waren da, nicht wenige bereits von der letzten, der ersten Nacht auf dem Zeltplatz gezeichnet und trotzdem bestens gelaunt und bereit, jede Band mächtig abzufeiern. So war es ein ungemein entspanntes Leichtes, sich Bands wie Enter Shikari, die ihren auf Platte so großartigen Sound leider nicht ganz perfekt auf die Bühne brachten, die Landungsbrücken-Sänger von Kettcar oder auch den anfangs etwas lahmen, bald aber mächtig rockenden Patrice anzuschauen. Spannend wurde es dann bei Monster Magnet, deren Dave Wyndorf ja eigentlich nicht mehr touren wollte, nun aber tatsächlich auf der Bühne stand. Dieses tat er fast schon erschreckend voluminös und trotzdem eindrucksvoll cool. Zwar hat man ihn und seine Band sicher auch schon mal besser erlebt und seine Gitarre hatte er offensichtlich auch häufig nur zum Festhalten, der "Space Lord" aber hat auch nach zehn Jahren nichts an Klasse verloren und es war einfach lecker, sein Bier exakt hier und jetzt zu trinken. Direkt im Anschluss war das auch nicht mehr möglich, denn Deichkind zeigten, wie man eine zünftige Fete feiert und brachten die Massen vor der kleineren Open Air-Bühne zu kompletten Austicken. Die mit Ferris MC angetretenen Elektro-Rapper zogen das volle Programm ab, fuhren mit Schlauchboten über die Zuschauer, wünschten eine "Bon Vojage", holten die Trampolin-Springer auf die Bühne, deckten sich und die ersten Reihen mit Federn ein und sorgten nicht nur für einen "Aufstand im Schlaraffenland", sondern auch für mächtig "Remmidemmi". Das erste richtige Highlight des Tages und am Ende auch einer der aufregendsten Gigs des Wochenendes. Nachdem sich NOFX anschließend einmal durch ihre Karriere spielten und dadurch musikalisch zwar nicht viel anbrennen ließen (Highlights: "Kill All The White Men", das Rancid-Cover "Radio" und "Don't Call Me White"), aber nicht ganz so großartig wie noch 2003 waren, stimmte Jan Delay dann gleich noch mal "Remmidemmi" an, mischte den Track mit Blurs "Song 2", machte aus 2Pacs "California" mal eben die "City Of Scheeßel", holte natürlich auch seine eigenen Hits aus dem Hut und zeigte sich als motivierter, aber doch leider zu oft in die Phrasenkiste greifender Reggae-Missionar. Der aus irgendwelchen Gründen nicht von Revolverheld lassen könnte. Bevor der Abend von den Chemical Brothers und ihrem Mörderlicht und den Weakerthans im kleinen Zelt beendet wurde, durften die Beatsteaks bei ihrem vierten Hurricane-Besuch erstmals als Headliner auf die große Bühne und machten auf dieser eine gewohnt gute Figur. Zwar kennt man Songs und Sprüche inzwischen auswendig, doch die springenden Massen machten deutlich, für wen die Leute dieses Jahr gekommen sind. Für die Beatsteaks aus Berlin.

War der erste Tag bis auf einen kleinen Schauer schon ein herrlich trockener, wurde es am Samstag regelrecht warm. Der Sommer war zurück, die Laune allerorts natürlich prächtig und so fanden sogar einige Punkrocker Gefallen an Bands wie den norwegischen Elektros Apoptygma Berzerk oder der "Rampensau" von Die Mannequin. Andere genossen noch Frühstück, Camping-Atmosphäre oder das erste Bierchen und warten fröhlich und entspannt auf die nächsten coole Säue. Die ließen nicht lange auf sich warten. Denn mit The (International) Noise Conspiracy auf der großen und The Enemy auf der kleinen Freileichtbühne ging es munter aufregend weiter und auch wenn manch einer besonders das britische Teenager-Trio für übertrieben lässig hielt, zeigten beide Combos, dass sie es verstehen, wie man große Bretter rockt. Die gewohnten Probleme hatten erneut Millencolin, die bei solchen Veranstaltungen immer etwas fehl am Platz scheinen. Zwar holten sie mit "Mr. Clean", "Lozin' Must" oder "Bullion" den ein oder anderen Klassiker hervor, ihr Punkrock kommt in Clubs aber eindeutig besser. Ganz anders sieht bei den direkt im Anschluss auf der großen Bühne tobenden Rise Against aus. Die Jungs sorgten für einen riesigen Moshpit, noch riesigere Staubwolken über Scheeßel und eine atemberaubende Stimmung. Voller Leidenschaft spielten sie sich durch ihr bunt gemischtes Set (Highlights von vielen: "Give It All" und "Prayer Of The Refugee") und standen trotz Soundproblemen schnell als eine der Gewinner-Bands des Festivals fest. Mit diesen Problemen übrigens hatten einige Bands auf der großen Bühne zu kämpfen, auf der kleineren war der Klang in der Regel deutlich besser. Auf dieser sorgten nach The Wombats vor allem The Subways für beste Laune, die neben ihre Debüt-Krachern auch ihr neues Album vorstellten und es sei verraten, dass es ein weiteres Killer-Werk ist. Vorgetragen von einer charmanten, motivierten Band und die Stimmung auf dem Gelände stieg immer weiter. Für diese sorgte sicher auch das ein oder andere Bierchen, doch trotzdem blieb die befürchtete Prollo-Attacke aus. Nur wenige Besucher konnten sich nicht mehr beherrschen und fielen negativ aus, der Großteil des Publikums feierte zwar feucht, aber stets fröhlich und frönte den Rock N Roll. Ob die Kaiser Chiefs Rock N Roll sind, wollen wir nach ihrem Gig nicht beurteilen, dass es Madsen sind, steht definitiv fest. Denn die Jungs rockten mal wieder fabulös ab, sorgten mit Nummern wie "Verschwende Dich nicht" oder "Du schreibst Geschichte" für singende Menschenmassen vor der Bühne und sammelten mit ihrem einfach nur netten Auftreten reichlich Sympathie-Punkte. Das Indie-Volk verkrümelte sich derweil ins Zelt zu Bands wie Blackmail, Biffy Clyro und Ozeansize und verließ dieses meist mit einem fetten, zufriedenem Grinsen, während sich der große Rest an wie immer ungestümen und sogar neue Songs spielenden Billy Talent und überraschend netten, aber musikalisch leider nicht wirklich aufregenden Panic At The Disco erfreute. Während Maximo Park und allen voran ihr Front-Clown Paul Smith die eine Bühne beschlossen und ihre Sache verdammt gut machten, spalteten die Headliner auf der anderen die Massen. Für viele war der mit Hits überlaufende und durch ein kurzes Akustik-Set und Triangel-Solo aufgelockerte Gig der Foo Fighters der ultimative Hurricane-Höhepunkt, die anderen störten sich am teilweise unverschämt leisen Sound und vermissten die Überraschungen. Obwohl sie bei einem Gig der Foo Fighters diese sicher gar nicht wirklich erwartet hätten...

Wer am dritten und letzten Tag etwas ruhiger angehen lassen wollte, der brauchte Geduld. Denn erstmal schrien uns Jennifer Rostock den Kater aus dem Schädel, anschließend spielten Jaguar Love um den ehemaligen Blood Brothers-Sänger Johnny Whitney ihre wirre Mischung aus At The Drive-In, Billy Talent und eben der Blood Brothers und machten damit zwar reichlich Spaß, gingen dem ein oder anderen aber auch bald auf die Nerven. Diese wurden dann bei Brit-Legende Paul Heaton (ehemals Sänger und Gitarrist von den Housemartins und The Beautiful South), den etwas zu ruhigen Elbow und phasenweise auch bei The Notwist geschont. Es hieß also in der Sonne lümmeln, lauschen und sich gut dabei fühlen. Wer sich bewegen wollte, schaute kurz bei den Ska-Punks von Panteón Rococó vorbei, wem nach Flair und Folklore war, der genoss Calexico. Alles also war gut und alles hätte auch so bleiben können. Wenn nicht plötzlich die Meldung auf den Leinwänden neben der Bühne erschienen wäre, die eine Unwetterwarnung aussprach. Von Hagel war die Rede, Windstärke 10. Sofort dachte jeder an 2006, als nach drei Tagen Hitze das Wetter wechselte, das Chaos ausbrach, Gnarls Barkley ihre Show abbrechen und Muse sogar absagen mussten. "15 Kilometer weiter steht alles unter Wasser", sagte dann auch noch ein Ordner, und am frühen Nachmittag kamen tatsächlich die ersten Regengüsse. Die Donots mussten im Regen spielen, Tocotronic sogar kurzfristig die Bühne verlassen. "This Is The End", summte so mancher vor sich hin und bereitete sich schon auf den Heimweg vor. Doch denkste, der Hurricane blieb aus, das Hurricane ging weiter. Feucht-fröhlich mit Flogging Molly, die mit "Selfish Man" oder "Drunken Lullabies" nicht viel falsch machen konnten und den Fans die Möglichkeit gaben, sich die nassen Klamotten trocken zu tanzen. Imposant cool wurde es dann beim Black Rebel Motorcycle Club, der sicher mehr Fans vor der Bühne erwartet und auch verdient hätte, und irgendwie selbstverliebt mit Razorlight, die nicht jeden Fotografen vor die Bühne lassen wollten - außer den Foo Fighters übrigens als einzige Band des Wochenendes - und lieber fast ungestört über diese stolzierten. Nachdem sich auch noch Sigur Rós als 13-köpfige Combo und mit Flöten und Streichern in die Herzen der zum Teil sitzenden und lauschenden Besucher spielten, war es dann auch schon bald Zeit für die großen Finals. Auf der kleinen Bühne mobilisierten The Kooks das kreischende Jungvolk und brachten besonders die Mädels mit Songs wie dem Show-Opener "Always Where I Need To Be", "Ooh La" oder "She Moves In Her Own Way " und dem Rauschmeißer "Sofa Song " zum Kreischen und letzten Austicken. Die letzte Gäste im Zelt waren Nada Surf, die dieses mächtig füllten und zusammen mit den Leuten eigentlich noch länger spielen wollten, aber leider pünktlich von der Bühne mussten. Schade. Der mächtige Headliner des Abends waren natürlich Radiohead. Die setzten nicht nur auf ihre Songs der Marke "National Anthem", dem alten "Planet Telex", "2+2=5" oder "Everything In Its Right Place", sondern auch auf visuelle Unterstützung. Aus den Leinwänden wurden Kunstwerke, das Licht wirkte auch, als die Sonne noch schien, und wenn Thom Yorke über die Bühne tanzt, scheint er auch seinen Spaß haben. Vielen aber schienen Radiohead nicht so wichtig zu sein, das Gelände hatte sich schon merklich geleert. Wer aber da war, genoss zum Abschluss "Paranoid Android", manch einer kam ein letzte Mal aus dem Staunen nicht mehr heraus und so endete ein Hurricane-Festival, dass man nur als groß beschreiben kann. In vielfacher Hinsicht...

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Surfempfehlung:
www.hurricane.de
Text: -Mathias Frank-
Foto: -Nicole Thurner-


 
 

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