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Konzert-Bericht
 
Mit vollem Tank

Jackson Browne

Köln, E-Werk
17.04.2009

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Jackson Browne
Auch wenn Jackson Brownes selbsterkorene Hymne "Running On Empty" heißen mag: Beim Konzert im Kölner E-Werk war der Tank jedenfalls bis zum Rand gefüllt. Es kommt ja nicht allzu oft vor, dass Browne die deutschen Bühnen beehrt, und so kam es dann, dass das E-Werk schon kurz nach Einlass mehr als gut gefüllt war. Man hatte sogar die Galerien geöffnet, was nur recht selten passiert. Eine Sache fiel indes auf: Im Prinzip hat das, was heutzutage junge Songwriter wie James Blunt oder James Morrison machen, Jackson Browne vor über dreißig Jahren auch schon gemacht. Das scheinen die Nachgeborenen aber nicht zu wissen. Jedenfalls bestand das Publikum nahezu ausschließlich aus Fans, die deutlich älter aussahen, als der immer noch jugendlich wirkende 60-jährige.
Jedenfalls waren zuletzt zum Beispiel bei Bob Dylan oder Kris Kristofferson deutlich mehr junge Menschen im Publikum zu finden gewesen. Wie dem auch sei: Das ficht den Meister natürlich nicht an. Mit der neuen, ausgezeichneten CD "Time The Conquerer" im Gepäck (die auch nahezu vollständig gegeben wurde), aber ohne den Methusalem-Bart, den er noch auf dem Cover trägt, hatte Browne seine Band um die beiden Backing-Sängerinnen Alethea Mills und Chavonne Morris aufgestockt und präsentierte sich relaxt und gutgelaunt in routinierter Höchstform. Das kennzeichnende Merkmal der Show war überhaupt die ausgebuffte Professionalität: Der Sound kam kristallklar und betont ausgewogen daher, das Lichtdesign war zurückhaltend und edel, die Tontechniker inklusive der Gitarrentechs leisteten ganze Arbeit, jedes einzelne Wort war bis in die letzte Zuschauer-Reihe zu verstehen und der Ablauf der Show war bis ins kleinste Detail ausgeklügelt. Aber obwohl die Setlist großteils festgenagelt war und die komplexen Tracks ein blindes Zusammenspiel notwendig machten, kam die Show keineswegs steril oder gekünstelt daher. Das lag vor allen Dingen an Brownes ausgebuffter Musikantentruppe, von denen besonders Gitarrist Mark Goldenberg als gutgelaunter Virtuose herausstach und praktisch keinen Stil ungenutzt ließ, um die zahlreichen Soli und Licks, die sich in den reichhaltig arrangierten Instrumentalpassagen fanden, mit Leben zu erwecken.

Das Set war in zwei Parts unterteilt - die sich von der Dramaturgie her nicht besonders unterschieden. Es gab zwar eine Art Akustik-Passage, bei der Bassist Kevin McCormack zum elektrischen Akustikbass wechselte und Drummmer Mauricio Lewak auf eine Beatbox setzte, aber echte Solo-Nummern wie auf der letzten Tour gab es nicht. Das tat aber auch keine Not, denn Browne streifte seine ganze Karriere und bot aus jeder Phase Nummern, denen das volle Band-Treatment durchaus gut stand. Das galt sowohl für die ausgezeichneten neuen Tracks, deren poppiger Charme durch die Sängerinnen deutlich verstärkt wurden wie auch für die wenigen Nummern aus den (für Browne eher musikalisch unglücklichen) 80ern den Weg ins Set fanden. Eine davon, "Lives In The Balance", geriet dabei auch gleich zum Höhepunkt. Das Stück wurde in einer Art Calexico-Version gegeben, wobei die Folklore-Note des Originals kaum noch zu erahnen war. Dafür wurde der Gesang auf Jackson, Alethea und Chevonne verteilt, die alle jeweils eine Strophe sangen. Und Browne hatte diesen Song - wie so auch einige andere mit politischem Unterton - auch textlich aktualisiert. Musikalisch wichen überhaupt viele Songs mehr oder minder deutlich von den Konserven-Versionen ab. Beispielsweise vermittelte der neue Song "Going Down To Cuba" sehr viel weniger karibisches Flair als auf CD - vielleicht weil Keyboarder Jeff Young kein Cubano ist, sondern eher ein jazziger Honky Tonk Man. Jedenfalls gab es hier "echte" Live-Musik mit zahlreichen "extended Versions", bei denen selbst langjährige Fans (von denen es sehr, sehr viele gab) immer auch neue Details und Perspektiven entdecken konnten. Einige Songs kamen dafür mit einer dezenten Reggae Note herüber, so z.B. gleich zu Beginn "Everywhere I Go" und die erste Zugabe "I Am A Patriot" - eine weitere upgedatete Polit-Nummer. Es waren dann aber doch die persönlich gefärbten, autobiographischen Nummern, die den Kern der Show ausmachten. Zu einigen davon erklärte Browne gar die Hintergründe. So erfuhr man z.B. dass das Wunderland im neuen Stück "Off Of Wonderland" ein Park in Los Angeles war. Dann gab es noch einen melancholischen Moment, als er erklärte, dass das einfühlsame "These Days" schließlich zunächst von Nico eingespielt worden war und dass diese ja immerhin aus Köln stammte - was er, Browne, damals gar nicht wusste, da Nico niemandem erzählt habe, wo sie her kam.

Einige Male setzte sich Browne auch ans Keyboard - was aber der Performance nichts von ihrem Druck nahm - wie zum Beispiel beim gefeierten "Pretender" deutlich wurde. Überhaupt entschloss man sich, die druckvolleren Nummern zu betonen, weil das E-Werk ja so eine Art von Rock-Schuppen sei. Auch hier gab es neues Material, wie zum Beispiel das funkige "Say Yeah", das durchaus als Rocknummer durchging. Mark Goldenberg wechselte derweil die Gitarren öfter als andere Leute ihre Unterwäsche, probierte sich (wie auch Kevin McCormack) gelegentlich am Gitarren-Synthesizer und setzte manchem Song das musikalische Highlight auf. Aber generell hätten sicherlich viele Musiker sowieso gerne solch eine tighte, um nicht zu sagen perfekte Band. Zu Ende ging das Konzert nach mehr als zwei Stunden dann mit einer mitreißenden, ja geradezu entstaubten Version von "Running On Empty" und ganz zum Schluss mit der zweiten Zugabe, "My Stunning Mystery Companion", einem Song über das Tourleben. Die Fans erlebten eine sicherlich interessante Browne-Show - auch (oder vielleicht gerade) weil viele Hits fehlten. Aber auch ohne "Somebody's Baby" überzeugte Jackson Browne auf ganzer Linie. Er hätte auch sicherlich mit diesem Set viele neue Fans gewinnen können, wenn denn welche gekommen wären...

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Surfempfehlung:
www.jacksonbrowne.com
de.wikipedia.org/wiki/Jackson_Browne
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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