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Wüstenrennen

Rich Hopkins And The Luminarios

Bonn, Harmonie
28.04.2009

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Rich Hopkins
Es gab Zeiten, da trat Rich Hopkins ziemlich verbissen vor sein Publikum und spielte geradezu so, als gäbe es etwas zu gewinnen oder als seien die sprichwörtlichen Gitarrenduelle mit seinem jeweiligen Partner in Crime ein Wettkampf. Davon ist bei Rich Hopkins 2009 nichts mehr zu spüren. Ganz im Gegenteil: Das Zusammentreffen mit seiner musikalischen und Lebens-Partnerin Lisa Novak hat ihn wohl zu einem ganz neuen, ausgeglichenen Typen gemacht. Wenn Rich also heute Songs mit Titeln wie "Lucky Guy" singt, dann ist das nicht bloß so daher gesungen. Die Erkenntnis, dass man das Musikantenleben auch anders angehen kann, kam wohl zum Teil auch während des Entstehungsprozesses des aktuellen Albums "Loveland" zu stande, bei dem Rich die Songs zusammen mit Lisa schrieb.
"Ich bin ja nicht gut darin, Kompromisse einzugehen", gestand der ehemalige Sturkopf Rich dann auch vor dem Konzert, "aber irgendwann wurde mir klar, dass es darum ging, dieses Album zusammen zu machen." Und nicht gegen irgendwelche Umstände. (Das sagte er nicht, aber man konnte spüren, dass er es meinte.) Mit von der Partie bei der diesjährigen Auflage der Luminarios war auch wieder Ken Andree, der langjährige Kumpel von Rich - sowohl aus Luminarios- wie auch Sand Rubies-Zeiten, Drummer Paul Valdez und Gitarrist Mark Zubia - mit dem Rich seit langem mal wieder einen gleichberechtigten musikalischen Partner gefunden zu haben scheint. Das Interessante dabei: Mark spielte eine große Gibson-Gitarre - das direkte Gegenstück zu Richs seit langer Zeit präferierter Gretsch und klanglich ein wenig anders gelagert. Das war dann ein wenig so, als führen ein Lincoln und ein Cadillac auf der selben Autobahn - bzw. Wüstenpiste, denn trotz aller Gelassenheit gab es natürlich wieder Wüstenrock pur. Mit einer Einschränkung: Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten in der Bonner Harmonie darf eine bestimmte Lautstärke nicht überschritten werden, so dass das Management die Herren Gitarristen aufforderte, die Verstärker leiser zu drehen - was diese dann auch halbherzig befolgten.

Dem Sound tat das im Übrigen aber keinen Abbruch: So gut hatten Rich & Co. schon lange nicht mehr geklungen. Nicht nur, aber auch des einträchtigen Miteinanders der Gitarristen wegen. Des Weiteren gefiel Paul Valdez von jugendlichem Elan beflügeltes, vielseitiges Drumming, das er gutgelaunt mit allerlei Rasseln, Shakern und ähnlichem anreicherte. Ebenso beeindruckend ist die Hingabe und Begeisterung, mit der sich Ken Andree - nach all den Jahren - immer noch in seine Arbeit hineinsteigert - und es dabei wirklich bei jeder Show schafft, sich den Gurt vom Bass zu reißen und dann ganze Songs mit in die Hüften gerammtem Instrument behelfsmäßig hinkend performt. Das ist Rock'n'Roll, wie er leibt und lebt. Den Gesang teilten sich Rich und Lisa - wobei ein großer Teil der Songs aus ihrer Feder stammt. Das Spannende dabei ist, dass Lisa, obwohl sie aus Texas stammt, keine Rockerin im klassischen Sinne ist. Rich bezeichnet ihre Songs als "Country" (wenn sie nicht hinhört) oder gar als "Gospel", wenn sie dabei ist und meinte sogar vertraulich, dass er alleine nie auf die Idee gekommen wäre, eine Scheibe im Stil von "Loveland" einzuspielen. Natürlich ist es aber im Grunde genommen weder das eine noch das andere, jedoch zaubert die hier vorherrschende akustische Note eine Nuance ins Rich'sche Oeuvre, die man bislang so nicht gewohnt war. (Wir erinnern uns: Wenn der Meister selbst mal zur akustischen Gitarre griff, dann war das immer Rock unplugged.) Thematisch standen natürlich die neuen Songs im Vordergrund, die - je nach Gemengelage mal mehr ("What Am I Supposed To Do") oder weniger ("The Gospel Song") dem typischen Rich-Schema entsprechen. Jedenfalls schlug sich die größere stilistische Bandbreite des neuen Materials durchaus positiv nieder. Was auffiel: Neil Young fand bei Rich 2009 nicht statt. Weder in Form von Cover-Versionen (stattdessen huldigte man Waylon Jennings mit "Train Of Love" (das dieser zwar nicht geschrieben, aber bekannt gemacht hat)), noch mit entsprechenden gitarristischen Hommagen. Die Soli, die Rich in Bonn spielte, waren eindeutig Richo-O-Phil. Mehr noch: Irgendwie hatte man den Eindruck, dass die ausgeglichene Lebenslage sich auch positiv auf die Inspiration auswirkte. Hatte man zuletzt bei Rich ZUWEILEN den Eindruck gehabt, er absolviere Pflichtübungen auf Autopilot, so blubberte dieses Mal wieder das Herzblut. Nun hörte man aus dem Publikum zwar auch Stimmen dahingehend, dass der Show ein wenig "der Biss" gefehlt habe - man kann das aber auch so sehen, dass sie lediglich nicht so "verbissen" war, wie zuweilen in der Vergangenheit.

Kurzum: Das Schöne an diesem Konzert war, dass hier - vollkommen ohne Erwartungshaltung und zwanglos - sozusagen beinahe spirituelle Anforderungen, die man an ein Konzerterlebnis haben könnte, bedient wurden. Übrigens: Wenn Rich nach dieser Tour nach Hause zurückgekehrt ist, wird er sich versuchsweise mal als politisch motivierter Theaterschauspieler versuchen - einfach, um mal was Neues auszuprobieren, wie er schmunzelnd meinte...

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/richhopkinsandtheluminarios
www.richhopkins-germanfanclub.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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