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Zugabe

Amy MacDonald
The Good Morning Diary

Bonn, Museumsplatz
04.09.2009

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Amy MacDonald
Als Amy MacDonald vor etwas mehr als einem Jahr auf Clubtour ging, stand sie gerade mal am Anfang ihrer Karriere. Bereits damals war der Zuspruch dermaßen groß, dass die besagten Clubs rappelvoll waren. Im Prinzip hat sich das nicht geändert - nur dass sie heute nicht mehr in Clubs spielt, sondern in den größtmöglichen Hallen. Denn - so teilte sie in Bonn den Zuschauern mit - in Deutschland verkaufe sie mehr Scheiben als anderswo. Auch der Museumsplatz in Bonn platzte aus allen Nähten. Das Erfolgsgeheimnis brachte Amy selbst auf den Punkt: "Ich werde bei Interviews oft gefragt, welche Leute zu meinen Shows kommen", erklärte sie, "und ich habe keine Antwort darauf, denn wenn ich mich hier umschaue, dann sind wirklich alle da - alte und junge, große und kleine. Es freut mich, dass meine Musik so viele Menschen erreicht."
In der Tat hat sich das Phänomen Amy MacDonald ein wenig verselbständigt. Worum es bei dieser Show (und der darauf folgenden in Bochum) ging, brachte sie auch noch selbst auf den Punkt: "Das ist das Ende einer dreijährigen Kampagne." Und damit war klar, dass es hier nicht darum gehen konnte, neues Material zu präsentieren, sondern einen Schluss-Strich unter die "This Is The Life"-Phase zu ziehen - eine große Zugabe für die Fans quasi.

Den Opener durften The Good Morning Diary aus Hamburg machen. Das ist ein Projekt des Hamburger Songwriters Chris Buseck, der sich hier erstmals mit seiner neuen Band präsentierte. Buseck macht US-inspirierten Mainstream Rock mit Folk-Touch. Dabei sind seine Songs dermaßen demographisch ausgewogen, dass sie nun wirklich niemandem weh tun. Allerdings können sie auch niemanden so richtig begeistern. Denn wenn in einem typischen Event-Publikum Bemerkungen wie "Das ist aber langweilig" fallen, dann ist der musikalische Kompromiss doch wohl ein wenig zu ausgeprägt formuliert. "Singt den Refrain mit", rief Buseck zum Beispiel bei einem seiner Songs und erntete fragende Gesichter - denn ein solcher war gar nicht auszumachen. Immerhin konnte das Publikum zum Mitklatschen bewegt werden und als Buseck erklärte, dass dies der erste gemeinsame Auftritt gewesen sei, gab es stürmischen Beifall. Immerhin: Rein technisch machten die Jungs ihre Sache sehr gut und dass es sich hierbei im eine Hamburger Band handelte, war auch nicht zu erkennen - so perfekt haben The Good Morning Diary ihren Schtick perfektioniert.

Als Amy dann gegen 20:30 Uhr die Bühne betrat, war die Frage die, ob sich seit den Anfangstagen irgendetwas geändert hat. Dazu ein klares Ja: Amy trägt heutzutage blond und auf der Bühne gab es 13 Bassdrums (eine zum trommeln und zwölf mit den Buchstaben von Amys Namen). Ansonsten gab es dann das gleiche Programm wie üblich: Die Songs der Debüt-CD und einige Goodies. Sogar die Setlist hatte sich kaum verändert. Wieder gab es "Poison Prince" am Anfang und wieder wurde "Let's Start A Band" mit Folk und Trompeten-Intro gespielt. Variiert wurde musikalisch wenig: Die Songs sind immer noch einen Gutteil rauer und rockiger als auf der CD und ab und an wurde an den Arrangements gearbeitet. So hatten die Musiker zum Beispiel einen neuen, rockigeren Ansatz für den Song "A Wish For Something More" gefunden - ein Stück, das - wie Amy sagte - die Band bis dato ungern gespielt hatte, weil es live nicht so richtig funktionierte. Mit dem neuen, treibenden Arrangement ist es zumindest kurzweilger geworden. Überhaupt erwies sich Drummer Adam mit seinem exaltierten Dschungel-Gepolter als Kapitän der Band. Dazu gab es dann - quasi ausgleichend - gelegentliche Solo-Momente; zum Beispiel als Amy eine Cover-Version von Springsteens "I'm On Fire" als Zugabe spielte oder als sich die Musiker zu einer Akustik-Version einer der wenigen Nicht-CD-Titel "Road To Home" (einen Song über Amys verstorbenen Hund Jackson) am Bühnenrand versammelten. In ihrem Web-Blog schreibt Amy, dass sie sich mit dem Songwriting für die zweite CD Zeit lassen will, weil sie im Laufe der Zeit zu einer Perfektionistin geworden sei. Was sie damit meinte, zeigte ein neuer Song namens "Troubled Soul", den sie gegen Ende der Show spielte. Es ist dies eine komplexe Ballade mit Gospel-Momenten und mehr Zwischentönen als man sie bislang von Amys Songs gewohnt ist. Eines sollte nicht unerwähnt bleiben: Amy singt ihre Songs immer noch mit einer dergestalten Inbrunst, dass man als Zuhörer unweigerlich um ihre Stimmbänder fürchtet. Wie sie das macht, bleibt rätselhaft, denn schließlich sind schon ganz andere an solch gesundheitsschädigen Gesangstechniken zerbrochen.

So - nun hört sich das ja alles gar nicht mal besonders positiv an. Es muss aber doch gesagt werden, dass das Konzept, die CD-Tracks nahezu unverändert aber eben eine Prise ruppiger zu spielen im Falle Amy MacDonald durchaus Sinn macht und funktioniert. Das liegt vor allen Dingen schlicht daran, dass ihre Songs funktionieren. Amy MacDonald hat da offensichtlich einen ganzen Stapel ziemlich zeitloser Klassiker hinbekommen. Klassiker zudem, die auch nicht langweilig werden. Und als Performerin agiert sie mit einer dermaßen sympathischen Selbstsicherheit, dass sie vermutlich auch mit weit weniger attraktivem Material Erfolg haben würde. Dass das Publikum die Sache mit Begeisterung aufnahm und die Ankündigung jeden Songs als Offenbarung begrüßte (sofern Amys mit breitem Akzent vorgetragene Ansagen verstanden werden konnten), braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Was die musikalische Zukunft bringt, wird sich zeigen. Die Performerin Amy MacDonald braucht sich indes sicherlich weiter keine Sorgen zu machen (vorausgesetzt die Stimmbänder halten durch).

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Surfempfehlung:
www.amymacdonald.co.uk
de.wikipedia.org/wiki/Amy_Macdonald
www.lastfm.de/music/Amy+Macdonald
www.myspace.com/amymacdonald
www.myspace.com/thegoodmorningdiary
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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