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Konzert-Bericht
 
Mit verbundenen Augen

Anna Ternheim

Köln, Stadtgarten
13.09.2009

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Anna Ternheim
Als Anna Ternheim bei den Interviews zu ihrer aktuellen Scheibe "Leaving On A Mayday" sagte, sie habe vor, das neue Material auf "sehr unterschiedliche Weise" live zu präsentieren, hörte sich das zunächst an, wie eine Fortsetzung der bisherigen Strategie: Eine Tour mit Band gefolgt von Solo-Auftritten. Doch weit gefehlt: Bereits bei ihrer ersten Tour im Frühjahr zeigte Anna, dass sie etwas anderes im Sinn gehabt hatte. Die Arrangements auf der neuen Scheibe basieren allesamt auf Drumfiguren, Stimme und Orchester. Dass sich dies live kaum würde umsetzen lassen würde, war irgendwie klar - ergo nutzte Anna die Gelegenheit, schon bei den Band-Konzerten alle Arrangements - von alten, wie von neuen Nummern - vollkommen umzukrempeln und die Songs teilweise aus ganz neuen Perspektiven zu interpretieren.
So weit so gut: Was dann aber doch überraschte, war der Umstand, dass Anna dies im August bei Festival-Auftritten (zum Beispiel beim Haldern Pop) noch ein Mal wiederholte. Mit derselben Band arrangierte sie die Songs wiederum komplett um und lieferte eines ihrer beeindruckendsten Konzerte überhaupt ab - jedenfalls eines mit dem größtmöglichen dynamischen Umfang. Nun folgte bereits die dritte Tour - doch dieses Mal war es keine Solo-Angelegenheit, sondern eine in Trio-Besetzung - mit den neuen Musikern Andreas Söderström und Johan Berthling. Köln war die erste Station der Tour und insofern beschrieb Anna das Prozedere als "Tanzen mit verbundenen Augen". Es ging noch darum, sich abzutasten und aufeinander einzustimmen. Dazu gehörte, dass der Multiinstrumentalist Söderström seine Trompete Backstage vergaß und sich Anna nicht ganz klar darüber war, wie sie über das Podest von Bassist Berthling zum Piano krabbeln wollte. "Nach meinem letzten Besuch im Luxor wollte ich sicherstellen, dass mich dieses Mal alle sehen können", erklärte Anna eingangs des Konzertes die verschiedenen Plattformen, auf denen die Musiker sich präsentierten.

Die Sache war musikalisch insofern schon mal per se spannend, weil Anna doch mehr als die Hälfte der Songs auf der Gitarre spielte (die sie auf der CD ja schließlich kaum benutzt hatte) und keinerlei Rhythmusinstrumente zur Verfügung standen, was natürlich auch von der CD abwich. Ergo gab es die Songs schon wieder in vollkommen neuen Arrangements. Das funktionierte im Prinzip alles recht gut - wobei eigentlich nur geschmäcklerische Einwände zu machen wären - zum Beispiel ob ausgerechnet "What Have I Done" am Piano am besten aufgehoben war. Aber wie gesagt: Das soll kein wirklicher Kritikpunkt sein. Auch dass mitten in "No Subtle Man" die Gitarre umgestimmt werden musste, störte nicht wirklich. Es war ja schließlich ein Live-Konzert. Und dieses wurde in weiten Teilen von Söderströms Gitarrenfertigkeiten geprägt: So feinsinnig und verspielt hatte man die im Prinzip geradlinigen Ternheim-Goodies eigentlich noch nie hierzulande gehört. Ergänzt wurde das durch den gelegentlichen Einsatz eines Xylophons - das besonders in Kombination mit dem Klavier oft interessante Klangfarben erzeugte. Und dann gab es natürlich noch die Trompete, die schließlich doch noch zum Einsatz kam. Dazu erzählte Anna die üblichen Geschichten zu ihren Songs (und kann bei dem absolut verlässlichen Kölner Publikum eigentlich auch immer da weiter erzählen, wo sie das letzte Mal aufgehört hatte) - und flirtete dabei mit ihrem Image der hoffnungslosen Melancholikerin.

Das sehr schön strukturierte Konzert enthielt im Mittelteil und als zweite Zugabe jeweils Anna-Solo-Partien und als Krönung eine Nummer, bei der alle drei Protagonisten sich erfolgreich um ein Mikro herum gruppiert als Harmonie-Chor versuchten. "Das ist in Schweden gerade groß in Mode", erklärte Anna augenzwinkernd. Bevor Anna dann das Konzert dann mit einigen Wunsch-Nummern aus dem Publikum beendete (nachdem sie sich zunächst dagegen gesträubt hatte, weil es, wie sie sagte, wichtig sei, neue Stücke auszuprobieren), spielte sie doch noch eine neue Nummer (statt des per Set-List vorgesehenen "China Girl") und kündigte diese als "Happy Song" an - was sie dann auch (oh Wunder) war. Insgesamt war dies ein sehr runder Abend an dem sich Anna eigentlich nur an sich selbst messen musste. Will sagen: Außer vielleicht sie selbst am Ende dieser Tour wird kaum jemand so etwas so schnell besser hinbekommen.

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Surfempfehlung:
www.annaternheim.com
www.myspace.com/annaternheim
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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