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Konzert-Bericht
 
No time for tension

Sophia
Black Rust

Köln, Kulturkirche
04.10.2009

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Sophia
Zu Köln hat Robin Proper-Sheppard ja bekanntlicherweise eine besondere Beziehung. So spielte er hier - nach eigener Aussage - sowohl die besten, wie auch problematischsten Konzerte seiner Laufbahn. Jagt die Nennung des Clubs "Blue Shell" heute noch heilige Schauer des Unwohlseins über den Rücken des Meisters, so regt ihn der Name "Kulturkirche" zu heiterem Schmunzeln an (doch, doch - außerhalb des Bühnenbereiches kann er so etwas tatsächlich) - spielte er hier doch vor einigen Jahren das intensivste und beste Konzert, an das er sich bislang zurückerinnern möchte. Im Vergleich zu diesem legendären Auftritt geriet die Show am 04.10.09 vergleichsweise "normal".
Doch der Reihe nach. Die Show eröffneten Black Rust aus Ahlen. Musikalisch drängen sich Black Rust in Verbindung mit Sophia nicht unbedingt auf - denn die Jungs machen Americana Folk-Pop. Wenn man aber weiß, dass Robin die Band produziert und in gewisser Weise an die Hand genommen hat, dann macht das natürlich Sinn. Wie gesagt, betreiben Black Rust eine Art von Songwriting, die sich eher an den klassischen Americana-Tugenden orientiert, als das, was Robin so pflegt. Mit einigen interessanten Boni: So gibt es für Live-Auftritte einen bandeigenen Percussionisten, einen fest angestellten und hervorragend integrierten Keyboarder und mit Julian Osthuis einen Gitarristen, der immer mehr über sich hinauswächst. So spielt er heutzutage zunehmend oft elektrische Gitarre (was eingedenk dessen, dass Black Rust zunächst durch ihren Akustik-Sound reüssierten, zumindest erwähnenswert ist) und dann auch noch Mandoline, Posaune und Flügelhorn. Letzteres zwar nur punktuell - es sind aber diese netten, kleinen Akzente, die Black Rust vom Durchschnitt abheben und auszeichnen. Neben tollen Songs und einer gemeinhin runden, hingebungsvollen Präsentation - die es auch in der Kulturkirche wieder gab. Die aus dem großen Materialaufwand der Westfalen resultierende längere Umbaupause nahm man dann als Fan dann gerne hin - zumal die Kirche ja vollständig bestuhlt - oder soll man sagen "bebankt" war.
Sophia spielten dann mit großem Besteck: Neben der Kernband gab es noch das bereits von der letzten Tour bekannte Streicherquartett (nur eben zusätzlich) und mit Anthony Molina, dem Mercury Rev-Keyboarder, einen Mann, der auch mal zur Gitarre griff, wodurch die Show gelegentlich ordentlich rockte. Das sogar in dem Maße, dass man fürchten musste, jeden Augenblick vom Ordnungsamt den Saft abgedreht zu bekommen. Was zum Glück aber nicht geschah. Dennoch war dies letztlich unter dem Strich keine Rock-Show. Robin spielte nämlich wirklich jedes lamentöse Stück, das er im Repertoire hat - angefangen bei "The Sea" und beim "Desert Song" noch lange nicht endend. Das wohl mit dem Hintergedanken, dass die Streicher ausreichend beschäftigt werden wollten. Ergo hatten diese bei den Rocknummern - wie z.B. auch "Oh My Love" in einer fast guten Version (die Studio-Energie hat Robin live nie vollständig umsetzen können) Pause. Warum ist nach wie vor nicht ganz klar - denn gerade hier wären Streichersounds durchaus manchmal spannend und sinnvoll gewesen. Zwischen der allgemein zur Schau getragenen Melancholie gab es auch Momente exquisiter Schönheit: "Ships In The Sand" etwa oder die entschleunigte Version von "Lost", dem Stück, das Robin über den Tod seiner Mutter schrieb, gewannen durch das opulente Setting durchaus. Was allerdings nicht gewann, waren die vergleichsweise schwachen Titel der aktuellen CD "There Are No Goodbyes", die auch im Live-Ambiente eher mittelprächtig daherswingten. Damit bestätigte sich die Ahnung, die man bereits angesichts der Konserve so haben konnte: Diese funktioniert als Gesamtkunstwerk im Sophia-Rahmen durchaus - ist aber (aufgrund eindeutiger Höhepunkte) für eine Live-Umsetzung nicht so geeignet. Und dann gab es da ja - wie gesagt - noch den Rockmodus.

Zur letzten Zugabe (die Akustik-Session mit den Streichern mal nicht mitgerechnet) gab es Rock-Power pur. "If A Change Is Gonna Come" - mit immerhin drei parallel gedroschenen Gitarren - stellte dann auch den perfekten Rausschmeißer für den perfekten Konzertabend dar. So weit, so gut. Was die Show dann allerdings von anderen Sophia-Events abhob war der Umstand, dass Robin vollkommen entspannt agierte. Zwar kommunizierte er kaum mit dem Publikum (das gehört aber zum Konzept, da er sich nicht sonst nicht konzentrieren kann), wohl aber mit den Musikern. Und es gab auch keine plakativ demonstrierten Selbstbeleidigungen, wie ansonsten so oft. Zwar meinte Robin noch, dass er sich im Text verhaspelt habe, weil er sich eine Locke seiner neuen Föhnfrisur richten wolle - das war es dann aber auch schon. Insgesamt hatte man einen solch relaxten Robin Proper-Sheppard eigentlich noch nie erlebt. Nach der Show lauerte Robin dann noch ein Rädelsführer der Piratenpartei auf und versuchte, ihn davon zu überzeugen, dass die Technologie uns am Ende doch retten werde. Das aber, ist ein anderes Thema...

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Surfempfehlung:
www.sophiamusic.net
www.myspace.com/somuchweakness
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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