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Konzert-Bericht
 
Von unbequemen Lampen und zerrissenen Zeitungen

Kitty Hoff

Bonn, Harmonie
02.11.2009

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Kitty Hoff
Das, was Kitty Hoff und ihre Band Forêt-Noire da auf der von Gaesteliste.de präsentierten Tour zur aktuellen Scheibe "Zuhause" vorführten, war schlicht ganz großes Theater. Immerhin hätten Kitty und ihre Jungs es sich einfach machen und eben immer so weitermachen können, wie sie auf ihrem amüsanten Debüt "Rauschen" und als Support von Coralie Clément dereinst begannen - mit entspanntem, akustisch geprägtem Samba-Jazz zu komischen deutschen Texten (oder umgekehrt). Mehr noch: Hätten sie ganz auf die Klamauk-Schiene gesetzt und etwa die blöden Schlager aus den 30er und 40er Jahren nachgeträllert, die sie im Vorfeld des Konzertes vom Band laufen ließen, wären sie vermutlich sogar noch erfolgreicher geworden, als sie das ohnehin schon sind.
Doch nichts da: Kitty Hoff und besonders ihre Band haben sich von Scheibe zu Scheibe gesteigert und weiterentwickelt und bieten heutzutage eine Melange, die unterhaltsam und unbequem zwischen ebensolchen Stühlen sitzt. Nicht nur wurde der Namenszug "Forêt-Noire" auf dem Cover jeder Veröffentlichung ein bisschen größer, auch musikalisch wagten die Herren immer mehr, bis dann ein Format geboren wurde, mittels dessen heutzutage zwischen den Zeilen scheinbar alles möglich ist. Der besagte Samba etwas fand nur noch am Rande statt - etwa indem "Rauschen" als Zugabe gegeben wurde. Daneben orientierte sich die Musik - wie das als Inspiration zugrunde gelegte französische Chanson - oft und gerne beim Swing. Allerdings blieb es nie dabei. Bestes Beispiel waren die rätselhaften Instrumental-Zwischenspiele der letzten CD. Diese wurden im Live-Kontext als Sprungbrett hergenommen, von dem aus sich die Schwarzwälder in manches musikalische Abenteuer stürzten - während Kitty sich im mitgebrachten Sessel ausruhte. So steigerte sich Gitarrist Phil Marone zuweilen bis in psychedelische Rock-Gefilde, rastete Bassist Moe Jaksch zwischenzeitlich völlig aus (oder spielte Zither) und als Keyboarder Marq Wenzel Richard Clayderman emulierte, mussten alle irgendwie losprusten.
Dazu gab es - neben besagtem Swing - auch gerne mal Reggae- oder Dub-Rhythmen, flotten Pop oder fast eine Prise Country-Twang. Nur der (bei den Franzosen so beliebte) Walzer wurde ausgespart. Aber wie sagte Kitty zu recht, nach dem sie sich eher mittelprächtig mit einem Mikro-Akkordeon herumgeplagt hatte: "Das ist nicht mein Ding." Richtig - denn es ging offensichtlich trotz aller gewohnt klingenden Ansätze nicht darum, irgendetwas - schon gar nicht ein Land - nachzumachen. Kitty Hoff hat mit ihrer eleganten und eigenwilligen Mixtur eine Nische besetzt, in der sie - auch was die süffisant-amüsanten Texte angeht - wenigstens auf Augenhöhe mit Größen des Genres steht - wie z.B. Element Of Crime, auch wenn sie natürlich noch weniger Rock-Musik macht als jene. Zu einer guten Live-Show gehört selbstredend auch eine irgendwie interessant gestaltete Performance. Und hier hatten sich Kitty und die Herren einiges einfallen lassen. Nicht nur, dass die Bühnendekoration stilecht mit Gründerzeit-Lampen und Korbsesseln aus Großtanten-Kellern eingerichtet war (wie zu Hause eben) - auch ließ Kitty es sich nicht nehmen, in bester Vaudeville-Tradition mit Kleinkunst-Einlagen zu glänzen - etwa mit einem Zauberkunststück um zerrissene Zeitungen, einer Step-Einlage oder dem Einsatz einer singenden Säge, die sie virtuos zu handhaben wusste. Und das zusätzlich zu den hintersinnig / tiefgründigen Nonsense-Stories, die sie zwischen den Nummern einstreute (z.B. die, dass sie mit Coralie Clément einen Monat auf dem Riesenrad des Wiener Praters festgesessen haben wollte).

Aber - und das ist das Wichtige: Trotz der betont kontrollierten Comedy-Note glitt das Ganze niemals in klamaukigen Selbstzweck ab, sondern blieb immer auch musikalisch ansprechend. Mit Kitty Hoff haben wir also jemanden, der die Klaviatur des Genres rauf- und runterspielen kann (auch sie selbst, als Aushilfspianistin, wie sie bei der Zugabe bewies) und sich dabei mit ihrem "Nouvelle Chanson" trotzdem musikalisch eine eigene Nische erarbeiten konnte - die sich im übrigen angenehm von ansonsten eher üblichen Affinitäten zur angelsächsischen Musikkultur absetzt.

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Surfempfehlung:
www.kittyhoff.de
www.myspace.com/kittyhoff
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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