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Konzert-Bericht
 
Scherzküsse

French Kiss Tour
Claire Denamur/ Zaza Fournier/ Oshen

Köln, Studio 672
28.10.2009

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Claire Denamur
Nachdem das aktuelle Frankophonic Festival momentan nicht in Köln Station machte, gab es - quasi als Trostpflaster - nun also die kleine Schwester, die sogenannte "French Kiss Tour", bei der sich drei aktuelle Chanteusen dem Publikum als Geheimtipp präsentierten. Viel anders als eine typische Frankophonic-Veranstaltung war die die Sache auch nicht - außer, dass sie im kleineren Rahmen stattfand. Hier wie da besteht das Publikum traditionellerweise nahezu ausschließlich aus der französischen Kolonie Kölns, so dass sich die Künstlerinnen gar nicht erst die Mühe machen müssen, zu versuchen, sich in einer anderen Sprache zu artikulieren.
Obwohl das zumindest zwei der Damen durchaus gekonnt hätten. Oshen, die das Programm kurz nach neun solo eröffnete, war schon mal zu Gast am gleichen Ort gewesen. Zusammen mit Daphné und Barbet präsentierte sie weiland ihre damals gerade erschienene CD - und tat das im Prinzip auch hier wieder. Angereichert mit einigen Cover-Versionen (etwa "Enjoy The Silence" von Depeche Mode auf drei Töne reduziert) gab es die etwas rätselhaften, filigranen, jazzigen Kleinkunst-Hörspiele, die unter dem Strich die Nische ausmachen, die Oshen beackert. Das ist - bezogen auf die Performance - weitaus mehr als bloß das Vortragen eigener Chansons. Oshen illustriert die Geschichten ihrer Songs mit allerlei Gesten, vorgetragenen Episödchen, gespielten Szenen und der Einbeziehung des Publikums. Etwa indem sie die Geschichte von "Jim" gleich in mehreren Sprachen - darunter passablem Deutsch vorträgt, oder die Geschichte von "Ma Jeunesse" mit einer abenteuerlich / haarsträubenden Background-Story versieht und es dem Publikum überlässt, den komplexen Rhythmus zu klatschen und den gar nicht mal so harmonischen Harmoniegesang zu übernehmen - was durchaus eine anspruchsvolle Aufgabe darstellt. Irgendwie, so vermittelte sich der Eindruck, ist Oshen mehr Schauspielerin als Songwriterin.
Ähnliches gilt auch für Zaza Fournier - nur dass hier noch das Ulknudel-Prinzip dazu kommt. Die etwas überdrehte Frau aus Paris bietet klassisches Vaudeville-Cabaret-Entertainment, wie es französischer nicht sein könnte. Allerdings mit modernen Mitteln. "Darf ich euch meine Band vorstellen?", quiekte sie aufgeregt ins Publikum - und hielt dann einen I-Pop hoch. "Die sind alle sehr groß und schön und stark", murmelte sie, "vor allen Dingen aber praktisch." Und los gings: Mit der einen Hand den I-Pop bedienend und gestikulierend und mit der anderen das Akkordeon spielend (was erstaunlich gut klappte), sang sie im Prinzip von den aktuellen Versionen jener Typen, über die seinerzeit auch die Piaf gesungen hatte. Nur auf eine lustigere Weise. So gab es da also Geschichten über Frauen, die Männer sind (ein Thema, das auch die anderen beiden Damen aufgriffen) oder Möchtegern-Piraten, die - immer am Rand der Parodie und immer ein wenig zu schrill - portraitiert wurden. Musikalisch zeigte sich Zaza da durchaus on Top - nur war die Sache mit der Comedie vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen. Vielleicht sollte sich Zaza Fournier mal für ein Metier entscheiden - Potenzial hat sie auf beiden Schienen; das Ganze aber auf Teufel komm raus vermischen zu wollen, ist eigentlich nicht nötig.

Dass Claire Namur den abschließenden Teil der Show dann mit einer Solo-Version von "Mercedes Benz" eröffnete, machte Sinn. Denn was die kleine Frau da auf die Stimmbänder stellte, erinnerte zuweilen tatsächlich an die selige Janis. Auch wenn Mademoiselle dann, wenn es balladesk wird, eher an Carla Bruni erinnert. Das irritiert und fasziniert gleichermaßen - einfach, weil man nach solchen Gegensätzen in solchen Zusammenhängen nicht sucht. Musikalisch orientiert sich die Frau aus Marseille mit niederländisch-argentinischer Herkunft nicht so sehr an klassisch frankophilen Strukturen. Während sie auf ihrer CD mit Ragtime und Dixieland flirtet, so konzentriert sie sich live eher auf klassisches 60s Feeling. Nicht nur, aber vor allem, wenn sie auf Englisch singt - so bei einigen neues Songs und Cover-Versionen wie Canned Heats "On The Road Again", das sie mit erstaunlichem Nachdruck und einer beeindruckender Stimmgewalt (die man bei einer so zierlichen Person gar nicht erwartet) präsentierte. Da man ja praktisch "unter sich" war, wurde das Publikum am Ende noch ein Mal hergenommen um bei dem Track "Je m'ennuie" einen ganzen Jubelzoo zu imitieren (weil sich so der Stress so schön abbauen lässt). Das war dann auch eher unnötig albern. Gerne hätte man stattdessen noch ein paar "straighte" Songs gehört. Im Prinzip bot aber auch diese Veranstaltung einen informativen Einblick der aktuellen französischen Szene - wenngleich die Gewichtung auf das Komödiantische dieses Mal ein wenig übertrieben erschien.

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Surfempfehlung:
frenchkiss-tour.t83.net
www.myspace.com/clairedenamur
www.myspace.com/zazafournier
www.myspace.com/oshenlachanteuse
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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