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Konzert-Bericht
 
Sprechende Zehen

Dean & Britta

New York, The Rock Shop
18.08.2010

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Dean & Britta
Soeben veröffentlichten Dean Wareham und Britta Phillips mit "13 Most Beautiful" den "Soundtrack" zu der Aktion des Andy Warhol Museums in Pittsburgh, bei der einige von Andy Warhols Screen-Tests aus den 60s von Dean & Britta vertont wurden. Da die Veröffentlichung erst nach dieser Aktion stattfand, hatte die Tour dazu quasi im Vorfeld schon stattgefunden. (Dean & Britta gaben einige Gastspiele auch in Europa.) Also überlegte sich Dean Wareham für den Herbst kurzerhand eine Tour unter dem Motto "Galaxie 500" aufzuziehen. Wie bekannt sein dürfte, ist Galaxie 500 die Band, in der Dean in den späten 80ern seine Laufbahn begann, bevor er dann Luna gründete, nachdem sich Galaxie 500 auseinander gelebt hatten. Galaxie 500 sind aber irgendwie nicht totzukriegen. Im Web sind die Web-Pages immer noch aktiv und auch die CDs sind bereits mehrmals neu aufgelegt worden (erstmals '97 auf Anlass von Damon Krukowski und Naomi Yang, die die Rechte zunächst erworben hatten und zuletzt dieses Jahr als Extended Versions mit zahlreichen Outtakes). Auch bei Luna- bzw. Dean & Britta-Konzerten ließ Dean Wareham immer wieder Galaxie 500-Songs einfließen ("Snowstorm" etwa durfte zuletzt auf keiner Setlist fehlen).
Da eine Galaxie 500-Reunion aufgrund der zwischenmenschlichen Differenzen zwischen Wareham, Krukowski und Yang eher unwahrscheinlich ist, entschloss sich Wareham, die Herbst-Tour nur mit Galaxie 500-Material zu bestreiten - was viele Fans erfreute und überraschte (die Village Voice schrieb z.B.: "Wir hätten nicht gedacht, dass Dean das noch drauf hat"). Bevor die Sache im heimatlichen New York im ausverkauften Mercury Ballroom offiziell losgehen sollten, spielten Dean & Britta einen "geheimen" Aufwärm-Gig in einem kleinen Musik-Club namens The Rock Shop, der unweit von der neuen Heimstatt im preiswerteren Brooklyn gelegen ist. Ohne Firlefanz stiegen Dean & Britta zusammen mit Drummer Jason Lawrence und Gitarrist Matt Sumrow mit "Flowers" ins Programm ein. Der große Vorteil der Musik von Galaxie 500 ist und war stets der, dass diese von vorneherein absolut zeitlos angelegt war. Es ging Wareham & Co. schon damals nicht darum, etwas besonders hippes oder Neues zu kreieren, sondern ihre Version des Rock'n'Roll-Dream zu verwirklichen. Daraus, dass diese mehr oder minder stark von Velvet Underground beeinflusst war, machten Galaxie 500 nie einen Hehl. Der Effekt, der sich dadurch ergab, ist aber der, dass die Songs von Galaxie 500 heutzutage noch genau dieselbe Wirkung entfachen, wie sie das vor 20 Jahre auch schon taten. Man fühlt sich also als Zuhörer in einer Galaxie 500-Show gleich zu Hause.
Sicher, Dean hat im Laufe der Jahre als Gitarrist zweifelsohne dazugelernt - aber im Grunde ist er immer noch bereit, für ein inspiriertes Solo auch mal den einen oder anderen Ton neben die Spur zu setzen - wenn dafür dann die Stimmung passt. Das passierte auch hier (z.B. bei "Temperature's Rising"). Denn anders als bei Luna, wo Sean Eden als Gitarrist das Ruder in der Hand hatte, ist heutzutage Dean alleine der Kapitän im Boot. Auch wenn Matt Sumrow ein bisschen Meldodica beisteuerte. Neben der Musik gab es nicht allzuviel zu sagen. "Der nächste Song handelt davon, dass ich auf Acid war und überzeugt davon, dass meine Zehen mit mir kommunizieren wollten", erklärte Dean etwa den Titel des Songs "Decomposing Trees". Ansonsten ließ man die Musik für sich sprechen. Abgerundet wurde das Set mit der Jonathan Richman-Nummer "Don't Let Our Youth Go To Waste" (Dean ist immer noch ein großer Fan von Jonathan) und auch das New Order-Cover "Ceremony" durfte nicht fehlen. Gegen Ende des Sets - etwa bei "4 Of July" oder der ersten Galaxie-Nummer "Tugboat", die weiland auch als Single ausgekoppelt wurde, erlaubte sich die Band einige psychedelische Freiflüge, ansonsten blieb man aber dem ursprünglichen Songformat und - was noch wichtiger erscheint - dem ursprünglichen Soundkonzept treu - bis hin zu der Tatsache, dass Britta Phillips eh den Bass so handhabt, wie das auch Naomi Yang tat. Natürlich war das Konzert nicht nur musikalisch ein Heimspiel, denn das Publikum bestand natürlich nur aus solchen Fans und Freunden, die Dean & Britta vorab von dem Ereignis informiert hatten. Insofern fand das Ganze in einer gelösten, familiären Atmosphäre statt und war eine sehr relaxte Angelegenheit. Ob Dean & Britta es mit dieser Tour auch nach Europa (geschweige denn nach Deutschland) schaffen werden, steht freilich noch in den Sternen.

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Surfempfehlung:
www.deanandbritta.com
de.wikipedia.org/wiki/Galaxie_500
www.myspace.com/galaxie500official
www.fullofwishes.co.uk
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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