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Play a song, while I fix that

Devon Sproule
Paul Curreri

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
26.09.2010

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Devon Sproule / Paul Curreri
Selten genug schafft es Devon Sproule ein Mal auf europäische Bühnen außerhalb Englands (wo sie so populär ist, dass sie ihre letzte Veröffentlichung, "Live In London", eben nicht in den USA einspielte). Noch seltener tritt sie gemeinsam mit ihrem Ehegatten und musikalischen Partner Paul Curreri auf. Denn obwohl Devon und Paul eng zusammenarbeiten, verfolgen sie musikalisch im Prinzip recht unterschiedliche Stile und Ansätze und legen geradezu Wert darauf, nicht als Duo betrachtet zu werden. Spielen sie dann doch mal zusammen, wie z.B. bei dem Auftritt im Nachtclub des Landgutes Roepaen, dann glaubt ihnen dieses Credo niemand mehr. Denn ungefähr die Hälfte des zweitgeilten Sets bestritten Devon und Paul gemeinsam - und das klang dann wie aus einem Guss.
Mit einer traumwandlerischen Sicherheit ließen sich die beiden Protagonisten aufeinander ein, ergänzten sich, komplementierten sich und spornten sich gegenseitig an. Dabei hilft es zwar mit Sicherheit, dass beide exzellente Instrumentalisten sind - wobei Paul das Fingerpicking pflegt, während seine Gattin komplexeste jazzige Akkordfolgen bevorzugt - das alleine erklärt aber noch nicht das Zusammenwirken. Hinzu kommt offensichtlich noch eine Portion persönlicher Magie, die das Ganze beflügelt. Devon erklärte das so, dass all ihre Songs sowieso über Paul sind oder von ihm inspiriert wurden. Paul hat im Gegenzug eine Scheibe namens "Songs For Devon Sproule" aufgenommen - die aber eigentlich auch "Songs About Devon Sproule" hätte heißen können. Noch etwas ist interessant: Obwohl auch Paul das jazzige Gitarrenspiel aus dem EffEff beherrscht, kommt er musikalisch doch aus einer anderen Richtung - er favorisiert (stärker als seine Gattin) das erzählerische Element und lässt gerne auch mal rocktypische Akkorde einfließen, leistet sich gar einen Blues-Schlenker (wie z.B. bei dem neuen, hier noch missratenen Stück "Claudia") oder verwendet Harmonien wie der selige Elliott Smith. Seine Gattin zehrt in ihrer Musik sehr von fast archaischen Elementen wie Ragtime, Swing, Honky-Tonk oder Folk (sie spielt z.B. eine uralte Gibson-Jazz-Gitarre aus den 50ern). ABER: Wenn beide zusammen spielen - etwa bei Pauls "Beneath A Crozet Trestle Bridge" oder Devons "Old Virgina Block" -, dann gleicht sich das an und vermischt sich zu einem ganz eigenen, organischen Ganzen, bei dem sich nicht nur die traumhaft exakten Gesangsparts, sondern auch die sich ineinander verzahnenden, virtuosen Gitarrenläufe zusammenfügen, als spiele da eine Einheit - und nicht zwei Personen. Das geht so weit, dass Paul nonchalant ansatzlos mitten im Song einsteigt - das Weinglas noch in der Hand - und so ein brillantes Duett auf das nächste folgt.
Bis dann die Gitarre kaputt geht. Das war dann in Devons Teil der Show so weit. Es ging hierbei nicht um eine gerissene Saite, sondern eine defekte Stimmschraube, die Paul erst mal reparieren musste. "Spiel mal einen Song, ich repariere das dann", meinte Paul und zeigte der Gitarre den Stinkefinger. "Das sagt er immer", meinte Devon und spielte einen Song von Pauls Bruder, Matt Curreri. Das übrigens mit der Begründung, dass sie keinen Sinn darin sähe, Pauls Songs zu spielen, da ja, wie gesagt, ihre eigenen eh immer mit Paul zu tun hätten. Neben Songs von Matt Curreri gab es ergänzend dann noch einen von Megan Huddleston - einer Freundin der beiden, die "im Prinzip immer dieselben Mörderballaden schriebe", wie Devon erklärte. Auch die Coverversionen wurden mit der gleichen souveränen Selbstverständlichkeit präsentiert, mit der auch die eigenen Songs dargeboten wurden. Dieses Selbstverständliche um- und miteinander hatte natürlich auch noch zur Folge, dass die Sache keine Sekunde langweilig wurde. Insgesamt hätte man die Sache kaum effektiver und kurzweiliger gestalten können.

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Surfempfehlung:
www.devonsproule.com
www.myspace.com/devonsproule
www.paulcurreri.com
www.myspace.com/paulcurreri
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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