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Krokusernte

Erdmöbel
Friedemann Weise

Köln, Gloria
23.10.2010

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Erdmöbel
Ekki Maas brachte es auf den Punkt, als er angesichts der 800 gut gelaunten Fans im Kölner Gloria feststellte, dass dies "übrigens überwältigend" sei. Spätestens seit der Veröffentlichung des neuen Albums "Krokus" haben die alteingesessener Kölner Westfalen auf ihre alten Tage noch mal den Popstar-Bonus zugesprochen bekommen und einen Heimbonus eigentlich gar nicht mehr nötig. Umso schöner, dass es diesen dann doch noch gibt.
Eröffnet wurde der Abend von einem irrwitzigen Musikkaspar namens Friedemann Weise, dem Ekki Maas gerade eine CD auf den Leib produziert hat und der sich zunächst als Markus Berger, der gerade seine Band rausgeschmissen hatte und dann als Günther Wallraf, der über die schlechten Bedingungen deutscher Liedermacher berichten wolle, vorstellte. Kurz gesagt: Wiedemann produzierte höchst unterhaltsamen musikalischen Blödsinn, in den er das Publikum ebenso einbezog, wie auch die Erdmöbels. So gab es Songs über dicke Mütter, alle Ollis und Liedermacher, die keiner braucht, zu hören - mit Ausdruckstanz, haarsträubenden Gitarrensoli und Zeilen, bei denen er auch sich selbst auf die Schippe nahm. Das war zwar nun nicht unbedingt das, was man erwartet hätte - amüsant war es trotzdem.
Die Art, in der sich Erdmöbel dann ganz schluffig in den Song "Arbeiten" vom neuen Album "hineinarbeiteten", war dann typisch für den Abend. Hier - wie oft genug - legte Ekki Maas vor; mit lustigem Hut, verschmitztem Lächeln aber ohne festes Schuhwerk. Die anderen kamen dann gelegentlich hinzu. Ein kluger Mensch hat ein Mal gesagt, dass Ekki Maas nicht einfach nur den Bass spielt, sondern auch Melodien vorgibt. Irgendwie ist da was dran, denn so umtriebig er auf der Bühne rumhüpfte, so spielte er auch Bass. Wieselflink und immer schön melodisch. Mit "Fremdes" begann dann der Hit-Teil der Show - der im Prinzip dann bis zum Ende durchgezogen wurde, denn das Publikum feierte das neue Material genauso wie die alten Knaller, die dann auch eifrig mitgesungen wurden - nicht nur, aber auch nach Aufforderung von Markus Berges, der die Leute sogar zum Klatschen bewegen konnte. "Endlich mal eine Stadt, die nicht zu cool zum Klatschen ist", meinte er begeistert. D.h.: So begeistert, wie es einem coolen Menschen wie Markus überhaupt möglich ist. Wie schon des Öfteren erwähnt kommt es bei Erdmöbel nicht darauf an, dass man die Texte versteht - sondern irgendwie begreift. Da hilft natürlich so ein Live-Konzert. Besonders dann, wenn die Songs, wie z.B. beim "Vergnügungslokal mit Weinzwang" oder "Das Beste vom Osten" genüsslich ausgewalzt wurden - auch mit Ausruckstanz und Gitarrensoli, aber ernster gemeint als bei Friedemann Weise. Den "Osten-Song" habe man im Osten zunächst nur zögerlich angestimmt, meinte Markus mit Bezug auf die laufende Tour, aber dann haben doch die meisten geschmunzelt. Interessanterweise spielte Ekki bei diesem Stück einen Hofner-Bass - der unter Musikern auch als Trabant der Bässe bekannt ist.

Auf der Tour, so Markus, habe man auch das besungene Hygiene-Museum in Dresden zum ersten Mal tatsächlich besucht - das sei zwar sauber, aber mit Ausstellungsstücken wie dem "Augen-Tripper" nicht so schön gewesen. Und weiter ging's mit der musikalischen Weltreise: "Schön dass ihr Rio gesagt habt", sagte Markus den neuen Track Brasilia an, nachdem jemand Ekkis Frage nach der Hauptstadt von Brasilien falsch beantwortet hatte, "denn Rio ist ja für Brasilien was Köln für Deutschland ist." Dass dann jemand "Düsseldorf" dazwischen rief, gehörte als roter Faden dann im Folgenden zum Themenabend. Rein musikalisch hinterließen die neuen Songs einen intensiveren Eindruck - obwohl natürlich auch die älteren Nummern wie etwa die "Schuhe von Audrey Hepburn" gefeiert wurde. Für solche etwas sentimentalen Nummern, zeichnete Pianist Wolfgang Proppe verantwortlich, dem der begeisterte Zuspruch dann gar sympathisch unangenehm zu sein schien. Die Bläsersätze des neuen Werkes wurden dann von Henning Beckmann emuliert, da die anderen ja anderweitig beschäftigt waren.

Die Höhepunkte der Show schließlich die Nummern, bei denen das Publikum schlicht zum Teil der Band wurde - das nicht enden wollende "Das Leben ist schön" etwa, bei dem alle 10 Minuten mitgeklatscht wurden oder das abschließende "Nah bei Dir" ("Die Melodie ist egal" meinte Markus, Hauptsache es werde mitgesungen), das übrigens erfreulicherweise die einzige wirkliche Referenz an die Easy-Listening-Phase der Band darstellte. Abgerundet wurde die Sache noch durch einen Werbeblock, bei dem Markus seinen Roman "Ein langer Brief an September Nowak" vorstellte (bzw. hoch hielt), während die Band das zugehörige Instrumentalstück vom neuen Album spielte. Mag sein, dass die Stimmung an diesem Abend in heimatlichen Köln überschwänglicher als gewöhnlich gewesen war - aber mit diesem Konzert spielten sich Erdmöbel mit Sicherheit für längere Zeit in die Herzen der Fans - und die Best-Of-Favoritenlisten. Ach ja - zu den Krokussen: In Bremen, so Markus, habe es Presseberichten nach dem Auftritt von Erdmöbel sprießende Krokusse gegeben. Insofern dürfte es im Gloria am Folgetag eine reiche Krokus-Ernte gegeben haben.

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Surfempfehlung:
www.erdmoebel.de
de.wikipedia.org/wiki/Erdm%C3%B6bel_%28Band%29
www.myspace.com/erdmoebel
www.myspace.com/friedemannweise
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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