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Steve Wynn
Point Quiet

Ottersum, Cultureel Podium Roepaen
23.01.2011

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Steve Wynn
Als einer der ersten Vertreter seiner Zunft spielte Steve Wynn (unterstützt von Chris Cacavas und einigen Freunden) - zum Auftakt der neuen Saison in Roepaen und auch zum Auftakt seiner Solo-Tour - bei seinem einzigen Auftritt in Holland bereits zum zweiten Mal im Nightclub des Ladgutes auf. Als Support spielte die niederländische Alt-Country-Band Point Quiet (ehemals White Sands). Deren Nomen est tatsächlich Omen, auch wenn das Quintett mit allem Brimborium aufwarten konnte, das das Genre so hergibt: Neben der normalen Bandbesetzung gab es so etwa Geige (Simone Manuputty), Akkordeon, Glockenspiel und Steelgitarre zu hören.
Zwar haben sich Point Quiet im Prinzip der balladesken Americana-Note verschrieben - aber vorzugsweise im düsteren Bereich, weswegen es hier eher um Country-Noir geht als etwa um das saubere Abarbeiten von Klischees. Insofern bieten Point Quiet auch mehr Herzblut und Intensität als so manche Kollegen, die einfach nur die Schemata drauf haben. Steve Wynn und Chris Cacavas, die sich einen Teil der Show anhörten, waren sich einig: Die haben was! Chris Cacavas mochte gar eine Bonnie Prince Billy-Note feststellen - so weit ging es dann aber doch nicht, denn mit Indie und brüchiger Schräglage haben Point Quiet nicht so viel am Hut. Eher erinnerte die Band um Frontmann Pacal Hilibert da schon an die Walkabouts, Calexico oder ähnlich gelagerte Truppen.
Als Steve Wynn auf seiner letzten Solo-Tour in Roepaen gastierte, ging es darum, das Material seines damals aktuellen Songwriter-Solo-Albums "Crossing Dragon Bridge" solo zu präsentieren. Das ist natürlich mit einem Rockbrett, wie dem neuen Miracle 3-Album "Northern Aggression" nicht so ganz einfach - auch wenn Steve es sich nicht nehmen ließ, einige dieser Nummern auch in diesem Setting zu präsentieren. So machte er etwa aus "Resolution" eine "psychedelische Pete Seeger-Nummer", wie er es nannte. Das war dann allerdings eher interessant als tatsächlich gelungen. Man kann halt nun mal klassische Rock-Riffs nicht wirklich akustisch emulieren. Das war dann am Ende auch Steve selbst klar, und so gab es dann statt dessen einen Griff in die musikalische Vergangenheit - hauptsächlich seiner Solo-Alben. Und zwar einen weit ausholenden, mit Material, das er selbst ansonsten nicht so oft spielt. So begann die Show etwa mit "Follow Me" von "Flourescent", wobei Chris Cacavas am E-Piano ganz neue Akzente setzte. Das tat er auch bei anderen Stücken - etwa bei Steves "When You Smile". Steve meinte sogar, dass Chris gesagt habe, das Stücke wäre besser gewesen, wenn Randy Newman es geschrieben hätte - was natürlich nur Flachs war. Freunde eher obskuren Liedgutes kamen auch auf ihre Kosten, etwa als Steve "Dandy In Disguise" spielte, einen Song seines im Live Repertoire ja chronisch unterrepräsentierten Albums "Dazzling Display".

Bei etwa der Hälfte der Tracks bemühte Steve dann auch den Part-Time-Miracle-3-Bassisten Eric Van Loo auf die Bühne und bei einer Nummer half auch Yuko Murata (Willard Grant Conspiracy) am Keyboard aus. Chris Cacavas hatte derweil Aufgabe, zwischen Gitarre und Keyboard zu pendeln. "So bleibe ich wenigstens ein bisschen fit", kommentierte er das. Steve machte sich derweil über die Tonlagen lustig, die ja irgendwie in Einklang gebracht werden mussten, was bei so einem Tourbeginn nicht immer ganz einfach ist. Dann gab es natürlich auch ein paar Dream Syndicate-Klassiker wie etwa besagtes "Burn" oder "Boston" und natürlich auch Miracle 3-Material wie "There Will Come A Day" oder "Amphetamine" (wieder so ein "interessanter" Versuch, akustisch zu rocken). Das Hauptaugenmerk lag aber, wie gesagt, bei Steves Solo-Arbeiten. Bei "We Don't Talk About It" griff Chris Cacavas zur Mundharmonika und es folgte eine intensive Gospel-Interpretation des Stückes.

Zum Zugabe-Block ging es dann ins Publikum. Das macht Steve gelegentlich bei akustischen Live-Shows so. Da der Nightclub aber bestuhlt war, verzichtete er auf eine Musikantenpolonaise und zog alleine durchs Publikum, während Eric und Chris an der Bühne verharrten. "Das war ziemlich cool, oder?", fragte er stolz nach erfolgtem Rundgang. Hier gab es dann - rein akustisch ohne Verstärkung noch einige wahrscheinliche ("Caroline") oder unwahrscheinliche "If It Was Easy Everybody Would Do It" Songs aus dem Repertoire, bevor Steve dann die Show mit der einzigen echten Solo-Nummer beendete. Fazit: Das war zwar keine perfekte, aber doch wieder mal eine sehr gute Steve Wynn-Show. Übrigens: Fast jeder andere Künstler wäre am eigenen Repertoire gescheitert, wenn es darum ginge, zwei vollkommen unterschiedliche Touren innerhalb weniger Monate zu bestreiten. Bei Steve Wynn gibt es diesbezüglich aber kaum Hemmungen, auch wenn dann nicht jeder Ton sitzt. Ein dickes Plus, das ihn durchweg für eine sichere Bank in Sachen Live-Präsentation macht.


Video: Steve Wynn - "If My Life Was An Open Book"

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Video: Steve Wynn - "Bring The Magic"

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Surfempfehlung:
www.stevewynn.net
www.pointquiet.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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