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Konzert-Bericht
 
Familienbande

Kitty, Daisy & Lewis
Gemma Ray

Köln, Essigfabrik
18.09.2011

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Kitty, Daisy & Lewis
Die Essigfabrik liegt etwas außerhalb des eigentlichen Kulturgeschehens der Stadt Köln auf der anderen Rheinseite - und deshalb war es eher überraschend, dass bereits eine ganze Zeit vor dem geplanten Einlass alle Parkplätze bereits belegt waren und sich eine größere Traube recht unterschiedlich sortierter Fans vor den verschlossenen Toren angesammelt hatte. Es scheint so, dass Kitty, Daisy & Lewis mit ihrem stetig expandierenden Retro-Sound-Universum die verschiedensten Fraktionen für sich begeistern können. So fanden sich neben entsprechend kostümierten Rock'n'Roll-Traditionalisten und Rockabilly-Freunden auch ganz normale Konzertgänger (sowohl jüngeren wie auch älteren Kalibers) sowie einige Hardrocker und Punks im Publikum.
Eigentlich wäre dies auch die ideale Zielgruppe für Gemma Ray gewesen, die ja durchaus auch mit dem Retro-Charme flirtet, jedoch sprang der Funke nicht so recht über, als Gemma - dieses Mal mit Band - die Show um kurz nach acht eröffnete. Das mag daran gelegen haben, dass die Halle sich zu diesem Zeitpunkt immer noch kontinuierlich füllte und viel Unruhe herrschte und auch daran, dass das Publikum auf diesen Act nicht vorbereitet war. Und abschließend war sicherlich auch nicht förderlich, dass die Anlage in der Halle schlicht unterdimensioniert war: Der Sound war einfach nicht laut genug, um auch in die hintere Hälfte des Raumes zu tragen. Besonders die Vocals litten hierunter - und das besonders im Fall von Gemma Ray, die ja nicht eben eine kräftige Stimme hat. Kommern wir aber mal zum Musikalischen: Fast schon überfällig ist die neue CD der smarten Engländerin mit dem Faible für klassische US-Romantik (das zumindest hat Gemma ja mit Kitty, Daisy & Lewis gemein). Als Überbrückung erschien dieser Tage eine 4-Track-CD namens "Runaway", die an diesem Abend natürlich auch bedient wurde. Darauf finden sich neben zwei neuen Stücken (darunter "Runaway") der verschollene Titeltrack ihres Albums "Lights Out, Zoltar!" sowie das Shangri Las-Cover "Remember", das sie bei ihren Solo-Shows bereits vorstellte - nicht aber an diesem Abend. Dafür gab es - neben einiger Tracks ihrer anderen Scheiben - ein ziemlich despektierlich gepushtes "Bei mir bist du shein", das mit der Andrews Sisters-Version nun wirklich nur noch den Text gemein hatte. Insgesamt bekam die Band-Besetzung (mit Hammond-Orgel/Bass-Pedal und Drums) der Sache durchaus, denn so hatte Gemma mehr Zeit, sich auf ihr Gitarrenspiel zu konzentrieren - während sie bei Solo-Shows damit beschäftigt ist, ihre Effektgeräte und Sampler zu steuern. Vielleicht deswegen wirkte sie hier auch gelöster als gewöhnlich. Alleine, es half nichts: Der Plapperfaktor steigerte sich während ihres Sets eher noch und es gab bestenfalls artigen Szenenapplaus. Musikalisch gab es dafür eigentlich keinen Grund, denn nominell hätten sich die Fans eigentlich auch für die von Gemma gewählte Spielart des Retro-Pop interessieren müssen - auch wenn es mehr Pop und weniger R'n'B gab als bei Kitty, Daisy & Lewis.
Was nun diesen Act betraf, so hätten wohl viele damit gerechnet, dass das Geschwister-Trio aus Kentish Town nach dem höchst erfolgreichen, selbst betitelten Debüt-Album einfach mit der ein Mal eingeschlagenen Retro-Rock'n'Roll-Masche weiter machen würde. Doch nichts da: Mit dem grandiosen zweiten Werk "Smoking In Heaven" stellten sich die Geschwister Durham neu auf, schrieben eigene Stücke (die sich klanglich kaum von den Originalen unterscheiden, die sie auf ihrem ersten Album interpretierten) und bohrten ihr Konzept in alle möglichen Richtungen auf. Es war so z.B. bezeichnend, dass die Show mit einem Instrumental begann, bei dem Kitty an der Blues-Harp und Lewis an der Gitarre zeigten, wo heuer der musikalische Hut hängt. Was nämlich folgte, war quasi eine anderthalb-stündige Jam Session, bei der durchaus auch gelegentlich gesungen wurde, bei der aber das umtriebige Miteinander (unter Einbeziehung des Publikums) im Mittelpunkt stand, zu einer ausgelassenen Tanzparty geführt hätte - wäre da nicht die schwachbrüstige Anlage gewesen, die eben nicht geeignet war, die zwar unerbittlichen, aber eher spröden Grooves auch in die hinteren Reihen zu tragen - zumal Mutter Ingrid Weiss weitestgehend einen akustischen Bass spielte. Denn eines darf man nicht vergessen: Obwohl kaum eine Stilart klassischer US-amerikanischer Prägung ausgelassen wurde: Rock gehört nicht dazu. Stattdessen gab es Swing (Vater Graeme Durham ist ein Vertreter dieser Zunft), Rhythmn'n'Blues, Country-Twang, Rockabilly, Rock'n'Roll und Ansatzweise sogar Blues.

Ganz neu im Gepäck war die eher aus Großbritannien bekannte R'n'B-inspirierte Spielart des Ska, die bei dieser Show noch durch ein längeres Gastspiel des Trompeters Eddie "Tan Tan" Thornton betont wurde. Eddie ist auf der CD auch zu hören - etwa auf dem Opener "Tomorrow", der im Übrigen die Wichtigkeit dieser neuen Spielart für Kitty, Daisy & Lewis betont. Daneben outeten sich Kitty, Daisy & Lewis als ideale Live Band: Kein Song konnte lang genug sein (der letzte Song vor der Zugabe etwa dauerte - inklusive minutenlangem Harp-Solo - gut und gerne zehn Minuten), kein Solo zu selbstgefällig und kein Groove zu simpel und mitreißend. Da wurden munter die Instrumente gewechselt was das Zeug hielt und auch als Sänger(innen) wechselten sich die Geschwister kontinuierlich ab. Die technische Perfektion stand dabei keineswegs im Mittelpunkt: So lange der Groove stimmte, war alles andere Nebensächlich. Lediglich die aus der Historie herrührende Eigenart, in der Manier amerikanischer Hootenannys Vokalisten und Instrumentalisten wenn möglich um ein einzelnes Mikro herum zu gruppieren, führte zuweilen zu Irritationen - etwa wenn Lewis und Kitty gleichzeitig tätig werden mussten. Noch einige Überraschungen gab es für die Fans: Zu den Country-"Balladen" wie z.B. Canned Heats "Going Up The Country" setzten sich die Musikanten mit akustischen Instrumenten (darunter auch zwei Banjos und Steh-Drums) zum besagten Hootenanny am Bühnenrand hin. Und Daisy versuchte sich auch an Akkordeon und - bei ihrem eigenen Track "I'm Going Back" - am Glockenspiel. Das von Daisy und Lewis anteilig bediente Keyboard freilich fiel dann wieder dem mangelnden Klangvolumen zum Opfer - gleich ob in Orgel- oder Piano-Modus. Nicht, dass das schlimm gewesen wäre, denn Kitty, Daisy & Lewis sind eher eine Gitarrenband - wobei Lewis hier spieltechnisch als Sieger hervorging. Insgesamt überzeugten Kitty, Daisy & Lewis an diesem Abend als gutgelaunte Live- und Party-Band mit einem erstaunlich breiten Spektrum. Eines steht jedenfalls fest: Das Retro-Gehabe ist im Falle von Kitty, Daisy & Lewis kein Act - die leben das tatsächlich aus. Ebenso erfreulich wie erstaunlich ist dabei, dass das Trio mit dieser doch eher traditionellen und "unhippen" Spielart ein dergestalt breitgefächertes und großes Publikum anzusprechen scheint.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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