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Cologne - 3 in 1 Concert

Eric Andersen
Hansonis/ Robert Coyne

Köln, Ufa Palast
01.12.2011

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Eric Andersen
An einem eher ungewöhnlichen Ort fand der Meyer Records Showcase mit aktuellen und kommenden Zugpferden des "besten Vinyl-Labels der Welt" (wie die Protagonisten einhellig meinten) statt - nämlich im ehemaligen Ufa Palast, dem in den 30er Jahren erbauten historischen ersten Programmkino Kölns, das in den letzten Jahren auf Ramsch-Niveau heruntergewirtschaftet wurde, bis es schließlich den Betrieb einstellen musste. Im Rahmen des Globalize:Cologne-Festivals (eigentlich einer Reihe für Tanz- und Theater-Vorstellungen) finden dort nun zur Zeit gelegentlich auch Konzerte statt. Die Idee ist dabei (wegen der Bühnen-Situation) gar nicht mal so abwegig - zumindest nicht dann, wenn es wie in diesem Fall, um akustische Konzerte geht, für die eine gute, aber keine große PA benötigt wird.
Auge in Auge mit den Fans hatten nun also die Musiker die Möglichkeit, auch insbesondere die leisen Töne ihrer Arbeit auszuloben. Nachdem die Moderatorin (und Gastmusikerin) Amy Antin das Prozedere erläutert hatte, begab sich Robert Coyne, der Sohn des verstorbenen Musik-Exzentrikers Kevin Coyne auf die Bühne - und versteckte sich hinter einem Wald von Mikroständern. Denn der Mann arbeitete rein akustisch und hätte nicht mal dann leiser spielen können, wenn man den Sound abgestellt hätte. Coyne spielt aber nicht nur leise, sondern betont einfühlsam. Amy Antin interpretierte das bei ihrer Vorstellung so, dass Coyne einen Weg gefunden hat, "verbale Äußerungen" sowohl textlich wie auch spieltechnisch darstellen zu können. Im Prinzip stimmt das so: In einem Geflecht aus virtuosen Gitarrenglissandi verbirgt Coyne seine Textsaussagen in kleinen Paketen, wobei er das, was er singt gleichzeitig auf der Gitarre spielt. Das ist sehr ungewöhnlich aber auch faszinierend, denn damit hat er sich ein recht schönes Alleinstellungsmerkmal erarbeitet, das ihn von Kollegen deutlich absetzt. Vergleiche mit Kollegen greifen da immer nur teilweise. Declan De Barra etwa, der gesanglich ein ähnliches Prinzip verfolgt ist sehr viel folkträchtiger und Elliott Smith, an dessen Virtuosität Coynes Stil erinnert, verfolgte als Amerikaner ganz andere harmonische Konzepte als der Engländer Coyne. Zudem outete er sich sowohl als Lakoniker (keine seiner Nummern ist länger als drei Minuten) wie auch als Stoiker (er scheint vor den Lebensumständen sozusagen resigniert zu haben). Dabei verarbeitet er seine Erfahrungen als Buchhändler und Hundefreund (wobei die Hunde dann doch wieder Metaphern für irgendwelche Charaktere sind). Coyne spielte Songs seines Meyer Records-Debüts "Woodland Conspiracy" und neues Material - dass er gerne auch wieder auf diesem Label veröffentlichen möchte.
Michael Hansonis hatte als Kölner Jung natürlich einen gewissen Heimvorteil. Auch, weil sein kommendes Album, "Shark Week", von dem er heute schon mal einige Nummern präsentierte, ebenfalls auf Meyer Records erscheinen wird. Amy Antin kündigte ihn als "musikalischen Minenarbeiter" an, der im Dunkeln wühlt aber auf das Licht zeigt. Ganz so schlimm war es an diesem Abend aber nicht (auch wenn Hansonis Townes Van Zandt bemühte). Eher, so schien es, betätigte er sich nämlich im musikalischen Tagebau und trug seine Songs gutgelaunt und ohne Schnörkel vor. Dass Hansonis nach wie vor auch ein Herz für die Rockmusik hat, zeigten nicht nur die Songs seiner Dylan Thomas-Scheibe, sondern auch die beherzt-knarzige Art, mit der er - geradlinig und ohne Schönklang-Affinitäten - in die Saiten griff. Abgerundet wurde das Oeuvre mit einer betont unbluesigen Version des Civil War Traditionals "Black Jack Davy". Zwar scheint sich Hansonis mit einer Band im Rücken auf der Bühne wohler zu fühlen, als Showcase für den aktuellen Bearbeitungsstand des Troubadours funktionierte dieser Auftritt aber prächtig.

Eric Andersen ist schon so lange im Geschäft, dass er selbst Witze über sein Alter (68 Jahre) mit einem "fühlt sich alles an als sei es gestern gewesen" beiseite wischt. Nicht ein Mal Amy Antin konnte es in ihrer Laudatio verhindern, ihn als Legende anzukündigen. Sie tat das allerdings so charmant, dass sich der Altmeister, der mit seiner Frau Inga angereist war (die auch demnächst auf Meyer Records veröffentlichen wird), geschmeichelt fühlte. Amy erklärte nämlich auch gleich, dass Andersen einen Weg gefunden habe, nach dem Ausbleiben des ganz großen Erfolges einfach in seiner Musik aufzugehen. Immerhin: Wäre die Geschichte ein wenig anders verlaufen, dann hätte an diesem Abend auch Bob Dylan (mit dem zusammen Andersen weiland im Village startete) auf der Bühne stehen können. Anders als Dylan blieb Andersen aber stets bei seinem Metier: Dem romantischen Folksong. Protest oder Sozialkritik fand bei ihm - wenn überhaupt - nur punktuell und am Rande statt. Wohl mit ein Grund, warum er nie so berühmt wurde, wie andere Folkies. Sei's drum: An dieser Grundhaltung hat sich rein gar nichts geändert (außer dass seine Stimme brüchiger geworden ist). Aggressivität und laute Töne kann man bei einem Eric Andersen lange suchen - dafür aber einfühlsame, ein wenig verklärte Balladen, die aufgrund ihrer simplen Botschaften aber direktemang in Herz und Bauch gehen. Den Blues, sein "musikalisches Hobby" ließ er dieses Mal ganz außen vor und konzentrierte sich auf sein Kerngeschäft. Aber - so Andersen selbst - auch Legenden müssen versuchen, immer besser zu werden. Und somit setzte er sich dann in der zweiten Hälfte seines Auftrittes ans Piano und blühte dort regelrecht auf. So gab es z.B. eine soulig-jazzige Version eines seiner Trademark-Songs "Blue River", zu der Inga Andersen, die sich ansonsten auf Harmonie-Vocals beschränkte, eine wunderschön elegische Mundharmonika spielte. Schließlich gesellte sich als Gastsängerin noch Amy Antin hinzu, die nun ihrerseits einen ihrer Trademark-Songs "Darkness" zum Besten gab, zu dem Eric es sich nicht nehmen ließ, auch eine Strophe beizutragen.

Auch wenn also das Ambiente ungewöhnlich war und somit auch Leute den Weg ins Konzert fanden, die das ansonsten nicht regelmäßig tun, war dies ein sehr gelungener Akustikabend, der drei (mit Amy vier) recht unterschiedliche Songwriter präsentierte, die indes an diesem Abend eine Sprache redeten (und sogar eine Gitarre (die von Gastgeber Werner Meyer nämlich) spielten).

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Surfempfehlung:
www.myspace.com/robcoyne
www.hansonis.com
www.ericandersen.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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