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Happy Sunday

The Jezabels
Julia Marcell

Köln, Luxor
18.03.2012

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The Jezabels
Vielleicht liegt es daran, dass sich The Jezabels anhören, wie zur Zeit keine andere Band, vielleicht daran, dass sich der Ruf der Australier als ausgezeichnete Live-Band herumgesprochen hatte, vielleicht daran, dass ihre aktuelle Single "Rosebud" im Radio gespielt wird oder daran, dass die Tour schlicht gut vorbereitet und beworben worden war - jedenfalls war das Kölner Luxor so gut wie ausverkauft und bereits zum Einlassbeginn um 19 Uhr hatte sich eine respektable Schlange vor dem Club gebildet. Pünktlich um 20 Uhr begann dann auch schon die Show mit einem Support-Slot von Julia Marcell.
Das erschien nur auf den ersten Blick unpassend, denn Julia trat in kleiner Besetzung - nur mit einem Drummer und ohne Gitarre - auf. Was allerdings die Polin mit den Australiern verbindet, ist eine gewisse Dramatik in der Performance und dann natürlich die sirenenhafte Sopranstimme, die sowohl Julia wie auch Jezabels-Frontfrau Hayley Mary gemein haben. Dazu später mehr. Egal wie man zu der Musik von Julia Marcell stehen mag: Das eigentlich Interessante ist der Umstand, dass sich Julia unberechenbar wie ein Chamäleon gebärdet und ständig neu aufstellt. So begann sie ihre Laufbahn als Pianistin mit klassischen Anwandlungen, änderte dann die Ausrichtung mit ihrer zweiten CD in Richtung rhythmischer New Wave Pop, präsentierte sich auf der Tour als märchenhafte Tanzfee und kam in Köln bodenständig, kommunikativ, sympathisch und ohne große Theatralik daher. Natürlich waren die Effekte bei diesem verkleinerten Setting auf das notwendige Mindestmaß eingedampft. Arbeitete Julia etwa auf der letzten Scheibe bewusst mit zwei Drummern, so musste dieses Mal der "fehlende Mann" durch ein elektronisches Drumpad simuliert werden. Die Samples, die Julia zuletzt mit ihrem Taschencomputer abrief, emulierte sie dieses Mal weitestgehend auf dem Keyboard, dem sie auch wieder verstärkt Piano-Sounds entlockte. Das machte aber Sinn, denn in so einem spartanischen Umfeld hätte eine halbherzig angesetzte Show nicht so recht funktioniert. So also gab es Julia Marcell pur. Die leicht artifizielle Note ihrer im Studio zusammengesetzten, detailreichen Arrangements machte sie einfach mit ein paar Gesten wett - und sie suchte auch den Blickkontakt mit dem Publikum (anders als bei den Konzerten mit großer Band, wo sie sich ganz auf die Moves konzentriert hatte). "Was grinst du denn dauernd so?", fragte sie ihren Drummer. "Na, das ist doch heute ein Happy Sunday, oder nicht?", antwortete dieser. Für die Fans war das zweifelsohne so, denn diese kamen im Folgenden in den Genuss einer der heißesten Live-Bands der Jetzt-Zeit.
Wenn man alleine die Debüt-CD der Australier zugrunde gelegt hätte, wäre das gar nicht mal zu erwarten gewesen, denn diese baut ganz auf den Möglichkeiten modernder Studiotechnik auf, um die Dramatik der Songs herauszukitzeln. Allerdings fiel sogleich auf, dass nur ca. die Hälfte der Songs auf der Setlist von besagter CD stammten - der Rest setzte sich aus den Songs der drei vorangegangenen EPs zusammen (die es auf der Tour übrigens zusammen für ganze 12 Euro zu erwerben gab), auf denen etwa eine rockigere Note zu beobachten ist. Solche Überlegungen spielen jedoch bei der Live-Päsentation der Jezabels keine Rolle. Die kennt nur eine Richtung: Mit voller Kraft nach vorne. Keyboarderin Heather Shannon übernimmt hier einen erkennbar größeren Anteil als bei den Studioproduktionen und arbeitet eng mit Gitarrist Sam Lockwood zusammen, der mit seinem extrovertierten Stil zuweilen gar den Bodenkontakt zu verlieren drohte. Ob er das Effektpedal oder dieses ihn kontrollierte, war dabei eine nicht zu beantwortenden Frage. Im Zentrum stand aber einzig und alleine Hayley Mary, die jede einzelne Nummer präsentierte, als sei es die letzte, die sie jemals spielen würde. Einen solchen - auch körperlichen - Einsatz hatte seit Emily Haines von Metric keine Frontfrau mehr auf der Bühne des Luxor gezeigt.

Wobei Hayley musikalisch aber bitte nicht mit Emily verglichen werden sollte, denn die Ausrichtung ist doch eine andere. Es ist der Sirenenfaktor, der dabei die ganze Show der Jezabels beflügelt. Normalerweise ist das so, dass Sänger(innen), die sich in Bereiche wie Hayley Mary wagen, zwischen Bauch- und Kopfstimme wechseln, um diesen Effekt zu erreichen. Hayley singt aber ALLES - also die tiefen, wie die hohen Passagen - aus dem Bauch heraus. Das trägt natürlich immens zur Inbrunst des Dargebotenen bei und lässt den Zuhörer staunend (und begeistert) zurück. Wie lange die Stimmbänder der Guten das mitmachen, ist aber eine ganz andere Frage. Heiser hörte sie sich bei den wenigen Adressen an das Publikum nämlich schon an. Sei es drum: Dermaßen gerockt hatte den Schuppen schon lange keine Band mehr, die nicht von vorneherein schon als Rockband angetreten wäre. Die Jezabels freilich machen ja eher einen psychedelisch aufgeblasenen New Wave Powerpop. Das ist gar nicht so einfach, in einem solchen Setting Druck aufzubauen. Den Jezabels freilich gelang dies - nicht zuletzt dank Hayley und ihrer extrovertierten, von vielen großen Gesten unterstützten Performance - mühelos. Hier darf die Musik also noch größer als das Leben sein. Der Preis dafür ist freilich, dass es im Masterplan der Jezabels keinen Raum für Variationen gibt. Balladen etwa haben die Jezabels gar nicht erst im Programm. Es gibt allerdings Songs wie "Horsehead" oder "She's So Hard", bei denen die Dynamik und Dramatik etwas anders gepolt ist als bei den reinen Uptempo-Nummern und auch diese sind clever konstruiert - mit vielen Haken und Ösen, die die Stücke auch langfristig interessant machen.

Aber am Ende steht immer die hymnische Note und die jubilierende Gesangslinie. Übrigens: Interessanterweise werden die Songs auch im Live-Vortrag vor der totalen Ekstase "ausgeknipst" und enden zuweilen relativ abrupt. Das macht aber Sinn, denn so bleibt das Publikum hungrig und freut sich schon auf den nächsten Song. Ansonsten gab es Kritik nur auf hohem Niveau: Die Jezabels hätten vielleicht nicht gerade mit ihrer effektivsten, besten Nummer "Endless Summer" anfangen müssen und etwas weniger Hall auf den Vocals und Gitarren hätte vielleicht die Effektivität sogar noch steigern können. Ansonsten erlebten die Zuschauer im Kölner Luxor aber eine der druckvollsten, unterhaltsamsten Live-Bands unserer Tage.

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Surfempfehlung:
www.thejezabels.com
www.facebook.com/TheJezabels
www.juliamarcell.com
www.facebook.com/JuliaMarcellmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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