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Leaving On A Jet Plane

The Stewardesses

Köln, Theater Der Keller
02.04.2012

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The Stewardesses
Wahrscheinlich ist Pussy Empire außer Virgin Atlantic das einzige Label mit einer eigenen Fluglinie. So etwas muss man natürlich ausnutzen. Und so luden vier der fünf Linien-eigenen Stewardessen (Birgit Fischer war wegen Krankheit in Hong Kong verhindert) ein zu einem Konzertflug der besonderen Art: Der Kapitän lag gefesselt hinter dem Business-Class-Sofa und stattdessen teilten sich die vier gleichberechtigten Chef-Stewardessen die Publikumsbetreuung. Zwar gab es während des 2 x 45 Minuten kurzen Fluges (inkl. Zwischenlandung in der Pause) keine Bordmahlzeit - dafür konnte man aber (was ungewöhnlich ist) das Flugzeug während des Fluges verlassen.
Ernst beiseite: Es ist heutzutage ja schon ungewöhnlich, wenn die Leute auf der Bühne überhaupt noch anders aussehen als jene davor. Dass sich aber Musikantinnen aber ein Konzept für die Shows einfallen lassen, das über die bloße Präsentation des Liedgutes hinausgeht und sich dafür sogar eigene Uniformen basteln, ist schon besonders lobenswert. Dabei ist die Sache ein halbes Jux-Projekt: Die Labelgründerinnen Chantal De Freitas und Catharina Boutari taten sich mit der besagten Brigit Fischer sowie Katriana und Illute (alles übrigens auch Solo-Künstlerinnen in Personalunion) zusammen, um (hauptsächlich) deutschsprachige Popsongs bzw. Liedgut deutscher Künstler auf angenehm zurückhaltende Art akustisch zu interpretieren. Was auf der Scheibe der Stewardesses besonders gefiel - die detailreichen Arrangements und die gestaffelten Harmoniegesänge -, musste natürlich im Live-Ambiente etwas zurückgefahren werden (zumal die Damen ja um 1/5 ihrer Masse erleichtert antraten). Und so machte man dann das Nächstbeste: Die Protagonistinnen traten einzeln an, um die jeweiligen Songs vorzutragen - ergänzt übrigens nur um ganz wenige zusätzliche "echte" Coverversionen (ein Song von Peaches etwa, der es aus rechtlichen Gründen nicht auf den Tonträger geschafft hatte), stattdessen aber um zahlreiche Elaborate aus den Solo-Programmen der Damen. "Wir covern auch uns selbst", fasste Katriana das etwa zusammen.
Dabei stellte Catharina Boutari etwa Nummern ihres aktuellen Projektes "Puder" vor, Chantal de Freitas englischsprachiges Material der "noch nicht so ganz bekannten Künstlerin Chantal", Illute und Katriana deutschsprachigen Chanson & Songwriter-Pop der jeweiligen Solo-Bemühungen. Die Instrumentierung hielt sich hierbei in überschaubaren Grenzen: Es gab ein Piano, ungefähr eine Gitarre, zwei Ukulelen und eine Melodica mit zwei Schläuchen (der Hygiene wegen, wie Illute erklärte). So weit, so gut. Das Konzept stand also. Leider steckte aber der Wurm in der Technik. Zum Glück nicht das Flugzeug betreffend, sondern das Spielgeschick. Gleich mehrfach (und trotz Spickzettel in der Vogue) wanderte das Capo auf den falschen Bund und beim Mousse-T-Cover, dem von Chantal vorgetragenen "Is It Cos' I'm Cool", schafften es die Mädels tatsächlich, in drei unabhängigen Tonlagen zu operieren. Ein Schuft indes, der böses dabei denkt: Hier ging es ja nicht darum, eine Aufnahmeprüfung an der Musikakademie zu bestehen, sondern Spaß zu haben.

Nun ist die Sache mit dem Spaß aber zunächst mal auch zweischneidig. Ein Grund, warum die CD so gut funktionierte, ist schließlich der, dass hier das Gefühl vermittelt wird, dass die Stewardesses die Musik durchaus ernst nehmen. Damit das auch im Live-Kontext funktioniert (der jede Menge Comedy-Einlagen enthielt), war es vielleicht gar nicht so schlecht, dass sich (so Katriana) viel zu viele Herzschmerz-Nummern in das Programm geschlichen hatten. So gesehen hörte man dann so manches Stück auch mal aus einer vollkommen neuen Perspektive - etwa Julis "Geile Zeit" oder "Major Tom" von Peter Schilling. Dabei funktionierte das Ganze eigentlich immer dann am Besten, wenn tatsächlich alle vier Stewardessen zusammenarbeiteten - wie auch auf der CD. Schade, dass das vergleichsweise selten passierte, obwohl sich doch eigentlich alle Tracks für solches Treatment angeboten hatten.

Als besonderen Bonus gab es (neben der Sicherheitsdurchsagen per Bordmikrofon) noch die Verlosung einer CD sowie Solo-Ausflüge von Katriana und Illute zum Ukulelen-Vortrag unter der Notausgangsbeleuchtung (das ging in dem Theater-Gebäude nicht anders). Mal abgesehen davon, dass außer "Vom selben Stern" von Ich & Ich die Birgit Fischer-Nummern draußen blieben (darunter leider auch die auf CD besonders gelungene Rammstein-Nummer "Die Sonne"), wurde der Flugplan am Ende vollständig eingehalten und bot mit den hinzugenommenen Solo-Titeln auch noch die Gelegenheit, die "Super Egos" der Stewardesses kennenzulernen. Zugegeben: Wer hier etwa nach virtuoser Perfektion gesucht hatte, wäre vielleicht besser zu Fuß gegangen. Als gutgelaunter All-Inklusive-Charterflug überzeugte das Unterfangen dann aber schon. Schon alleine des unschlagbaren Konzeptes wegen.

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Surfempfehlung:
www.thestewardesses.de
soundcloud.com/thestewardesses
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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