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Konzert-Bericht
 
Elektro-Mummenschanz

Jansen

Krefeld, Madame Kokett
01.10.2001
Jansen
Na das war ja was! Jansen hatten zum Tourauftakt geladen. Da geht man natürlich hin. Doch wohin? Die Krefelder kennen die angegebene Straße nicht. Das Ausschauen nach Hinweisschildern führt zu nichts weiter als Kopfschmerzen. Bis - ja bis man dann plötzlich über ein kleines, zwielichtiges Etablissement stolpert. "Madame Kokett" heißt es ganz kokett und ist auch schon voll, sobald man es betritt. In verwinkelten Separees und an der kleinen Bar sitzen, stehen oder liegen Gäste und warten auf Jansen, während Angelika, die Besitzerin, im stilistisch wagemutigen Leder-Dirndl Hopfensaft zu Höchstpreisen an den Mann bringt. "Das ist die richtige Absteige für heruntergekommene Handelsvertreter", meint jemand nicht ganz falsch. Wir wollen aber nicht Handeln vertreten, sondern Jansen erleben.
Jansen
Bis auf die Instrumente der Jungs ist aber nix musikalisches zu sehen. Jansen sind noch beim Schminken, geht das Gerücht. Schminken? Und tatsächlich, eine Stunde nach der vereinbarten Zeit treffen die Musikanten ein, angemalt nach Manier trauriger Clowns - aber nur in schwarz und weiß. Markus Maria Jansen trägt einen lustigen Hut und Baß-Spieler Phillip einen traurigen - der aber wieder mit lustigen, blinkenden Totenköpfen verziert ist. "Ich kenne ja schon alle", meint Markus, "da sag ich auch nicht jedem einzeln guten Tag." Obwohl das möglich gewesen wäre. Und dann gehts auch schon los. Zunächst zögerlich und leise, dann aber immer heftiger spielen Jansen ein paar alte und ein paar neue Stücke, die sie noch nicht so oft gespielt haben. Natürlich auch solche von der neuen Schallplatte, "Prepost". Besonders der "Elektromops" gefällt. Ein komisches Stück (wenn Stücke denn überhaupt komisch sein können, wie Markus überlegt), mit viel Getröte und Geblubber. Überhaupt gibts viel Getröte und Geblubber bei Jansen. Schön schräg ists obendrein. Und lustig und traurig zugleich. Das ist auch das Erfolgsgeheimnis von Krefelds schwarz-weißester Band. Alle sind eifrig bei der Sache und es wird viel geklatscht. "Es gibt niemand, der so sämige Speichelfäden zwischen Mikro und Mund ziehen kann, wie Markus Maria Jansen", meint der gleiche Herr, der auch schon wußte, wo heruntergekommene Handelsvertreter absteigen. Das liegt an der Mühe, die sich die Jungs geben. Und lange spielen tun sie ja auch. Und dann kommt noch der glühende Sonnenschirm zum Einsatz. Ein mechanisches Unding, das sich mal schneller, mal langsam dreht und von dem einem ganz schwindlig wird vom Angucken. Schließlich kommen auch noch Gäste dazu. Ein weiterer Trötenspieler, der Markus Türk ensemblemäßig unter die Arme greift und einer der vielen Axels, die an der Produktion der Scheibe beteiligt waren und der jetzt ganz lieblich Geige spielt und grinst wie ein Honigkuchenpferd - besonders bei dem episch-lyrischen "Himmel"-Stück. Es wird überhaupt viel gegrinst an diesem Abend, und Schabernack gemacht. Man darf schon sagen, daß diese Aufführung etwas ganz besonderes gewesen ist. Der Rest der Tour wird sicherlich normaler sein. Aber auch dann sind Jansen immer noch ziemlich besonders - auch ohne Mummenschanz.
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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