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Konzert-Bericht
 
Rapunzel und die Cowboys

Shannon McNally
Lisa-Marie Fischer

Köln, Yard Club
04.09.2012

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Shannon McNally
Manchmal bekommt man solche Goldnuggets einfach hingeworfen - um deren Förderung man sich indes aktiv bemühen muss. Da wagt mal eine in den USA immens produktive und renommierte Songwriterin (zudem mit hochkarätig besetzter Band) den Schritt in unsere Breiten (d.h.: über die holländische Grenze hinaus) und dann findet das quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Gerade mal 20 Insider-Fans fanden den Weg in den Kölner Yard Club. Zwar spielten an dem Abend auch Lady Gaga und Coldplay in der Domstadt - beides allerdings nicht zielgruppenrelevant und somit als Ausrede eigentlich untauglich. Es gab zwar zugegebenermaßen keine professionelle Marketingbetreuung - aber das ist ja bei vielen anderen Touren aus diesem Genre ja auch nicht anders.
Sei es drum: Die Anwesenden durften sich über einen wahrlich perfekt inszeniertes Americana-Konzertabend mit durchaus besonderen Akzenten freuen. Aber der Reihe nach: Aufgrund einer Autobahnsperrung stand das Konzert bis zur letzten Sekunde sozusagen auf der Kippe, denn der Soundcheck konnte wegen der verspäteten Anreise erst zur ausgeschriebenen Öffnungszeit des Clubs stattfinden. Dieser zahlte sich indes aus, denn am Sound beim Konzert gab es im Anschluss nichts zu meckern. Unterstützt wurde Shannon McNally von der jungen Marburger Songwriterin Lisa-Marie Fischer, mit der sie zusammen bereits mehrere Wochen in den USA unterwegs gewesen war. Dort hatte Lisa-Marie nämlich gerade ihr zweites Album eingespielt (das nun bereits in den Startlöchern köchelt) und ein Video für den potentiellen Folkpop-Hit "Done Is Done" gedreht, bei dem sie ein Auto in die Luft sprengen durfte. Und zum Thema USA: Niemand, der Lisa-Marie auf der Bühne sieht, käme auf die Idee, dass dort etwa keine US-Künstlerin stünde - so gut hat die Marburgerin den Country-infizierten Stil drauf, mit dem sie sich präsentierte. (Unterstützt von dem Nashviller Session-Crack Mark Evitts, der Shannon McNally später auf der Fiedel begleitete.) Mehr noch: Mit einer Stimme wie ihrer stünden ihr in Nashville mit Sicherheit alle Türen offen.

Es ist ergo auch diese Stimme, die im Zentrum des Gestehens stand: Zwar hoch und melodisch (was ja bei dem gewählten Genre auch fast notwendig ist), aber mit einer erdigen Grundnote versehen, die ein Abdriften in belanglose Mädchenhaftigkeit verhindert, erklingt diese dann glasklar und dennoch tragend. Als sich dann noch Lester Wallace und Will Sexton von der Shannon McNally Band hinzugesellten, ließ der fülligere Bandsound auch sogleich vergessen, dass sich die selbstgeschriebenen Songs um Cowboys, dem Leben On The Road und andere eher typisch amerikanische Themen, eigentlich mit sehr flachen Melodiebögen auskommen müssen - was aber in der Tradition des Genres zu sehen ist und auf der (noch) aktuellen, selbstbetitelten Scheibe eh durch geschickte Vocal-Treatments wieder aufgefangen wird. Kurzum: Lisa-Marie Fischer stellte eine angenehme Überraschung dar und empfahl sich durchaus als aufregende Vertreterin jener Spezies, die sich musikalisch der Emulation des amerikanischen Way Of Life verschrieben haben (wie bei den Herren zum Beispiel Markus Rill).

Shannon McNally braucht da freilich nichts mehr zu emulieren. Seit sie mit ihrer CD "Juke Box Sparrow" reüssierte, hat sie sich in ihrer Heimat schnell eine immense Reputation erspielt, die dazu führte, dass sie neben zahlreichen eigenen Werken (von denen freilich nicht alle ohne Weiteres den Weg zu uns fanden) auch immer wieder Kollaborationen einging - so etwa mit Neal Casal, Rock'n'Roll-Legende Bobby Charles, Dr. John oder zuletzt The Wandering, dem Bluegrass-Side-Projekt des Mississippi-Allstars Maestro Luther Dickinson. Das liegt unter anderem an der enormen Bandbreite, die die smarte Dame, die heute im Staate Mississippi lebt, bedient: Zwar kann man das, was Shannon McNally fabriziert, ruhigen Gewissens Americana nennen - ist dann aber noch keinen Schritt weiter, weil all die üblichen Klischees, die mit diesem Begriff verbunden sind, bei ihr eigentlich nicht greifen. Sicher: Da findet sich alles von Roots-Rock, Country, Folk, Bluegrass, Southern-Swing, Cajun, Blues bis zum Soul - aber immer eigentlich mit einer eigenen Note und teilweise gar mit infektiös poppigem Appeal versehen.

Material gab es von allen Phasen des McNally'schen Schaffens zu hören: Von der Debüt-CD über das von Charlie Sexton produzierte "Geronimo", das ominösem bei uns nur schwer zu bekommende "Coldwater"-Album, von noch ominöseren Digital Releases, der Bobby Charles-Hommage "Small Town Talk" und Songs aus dem neuen Album "Western Ballad". Auf letzteren spannt Shannon übrigens einen interessanten musikalischen Bogen zu ihren Anfängen und überrascht mit düster angehauchten Melodiebögen von einer Intensität, die selbst eine Aimee Mann nicht besser hinbekommen könnte - wie etwa bei der beeindruckenden Power-Ballade "Thunderhead", deren Entstehungsgeschichte aus den Ursprüngen des indianischen Sonnentanzes sie en passant erläuterte und die sie in Perfektion darbot. "Perfektion" ist dabei aber vielleicht gar nicht das richtige Wort, um die Show zu beschreiben. Denn wo sich oft Musik aus einer solchen Gemengelage schnell in langweiliger und gelangweilter Routine verliert, passierte hier - auch zwischen den Zeilen - so viel, dass selbst standardisierte Songs auf eine lebendige, spannende Art präsentiert wurden. Das liegt daran, dass Shannon nicht nur eine begnadete Vokalistin mit einem interessanten Timbre ist, sondern auch eine versierte Instrumentalistin - beides aber gar nicht so sehr in den Vordergrund stellt, sondern als Teil ihres Handwerkes im Sinne des Songs nutzt.

Dabei unterstützt wurde sie von einer fabelhaften Band begleitet, in der ihr Hubby, Lester Wallace, mit wenigen Mitteln aus seinem Drumkit quasi ein wandlungsfähiges, zischelndes, klöppelndes, knatterndes Orchestrion machte. Und dann war da noch Will Sexton, der Bruder des momentanen Dylan-Gitarristen Charlie und ein klassisches Rock'n'Roll-Urviech daselbst. Bekannt ist Sexton als wandlungsfähiger Gitarrero mit dem Hang zum Genialischen. An diesem Abend überzeugte er aber vielmehr (und viel stärker) als obercooler, abgehangener Bassist, der einen wesentlichen Anteil am fast greifbaren Sounddesign des Abends hat. Solche Größe muss man im Ego-zentrierten Rock-Business erst mal hinbekommen. Nun ja: Als zum Schluss Labelchef Klaus Van Jan als Aushilsbassist angestellt wurde, konnte er natürlich doch ein wenig den Rock-Helden an der Gitarre heraushängen lassen. Trotz der überschaubaren Zuschauermassen zeigten sich die Musikanten gut gelaunt und spielfreudig und Shannon unterhielt die Zuschauer mit kleinen Anekdoten, z.B. wie sich ihre vierjährige Tochter, die sie auf die Tour mitgenommen hatte, darüber gefreut habe, das echte Rapunzel-Schloss gesehen zu haben (was wahrscheinliche alle der Anwesenden auch gerne mal gesehen hätten). Was blieb, war ein musikalisch begeisternder Abend, der lediglich unter der ungünstigen Ausgangssituation gelitten hatte - sich davon aber nicht hatte kleinkriegen lassen.

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Surfempfehlung:
shannonmcnally.com
www.facebook.com/ShannonMcNallyMusic
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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