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Hexentanz

Phoebe Killdeer And The Short Straws
NRT/ Tanzkommando

Köln, Blue Shell
22.09.2012

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Phoebe Killdeer And The Short Straws
Ein wenig seltsam war die Sache schon: Da war also das zweite Album "Innerquake" von Phoebe Killdeer And The Short Straws für den Mai dieses Jahres angekündigt - inklusive einer entsprechenden Tour. Dann wurde die Tour kurzfristig "aus persönlichen Gründen" abgesagt und erst nachher war zu erfahren, dass das Album (für das die übliche Promotion bereits angelaufen war) auf den Herbst verschoben worden war. Was freilich kaum eine Auswirkung hatte, denn in Frankreich, digital und anderswo war die Scheibe planmäßig erschienen. Und Phoebes Song "The Fade-Out Line" von diesem Album tauchte alsbald als Single der Woche bei iTunes auf und war etwa im Soundtrack von "Colombiana" zu hören. Langer Rede kurzer Sinn: Seit diesem Monat darf man das Album auch in den verbleibenden Ladengeschäften der Republik erstehen - und endlich folgte nun auch die Tour zu diesem Anlass. Der Kölner Termin lag dabei zufälligerweise auf dem 22.09.12, der - je nach Sichtweise - als Kölner Musiknacht bzw. Oktoberfest ausgerufen war. D.h.: Es gab eine Menge möglicher Alternativen und somit war es vielleicht nicht die schlechteste Idee, das Konzert mit gleich zwei Support-Bands zu bestücken, die dann ihr eigenes Publikum gleich mitbrachten.
Den Anfang machten die Lokalmatadoren Tanzkommando. Das ist eine Gruppe junger Damen + Drummer, die zunächst mal von ihren Frisuren, Kostümen und Gesichtsbeschmierungen überwältigt zu werden drohten. Doch schnell wurde deutlich, dass das zum 24-Hour-Party-People-Konzept der bunten Truppe einfach dazugehörte. Die Botschaft von Tanzkommando ist recht einfach zu verstehen: Tanzen, Tanzen, Tanzen - egal wo und wann und zur Not bis zum Tod wie im Titel "Dance Till Death". Die Band selbst nennt das, was sie tut, Punkotronic - was aber irreführend ist, denn es gibt keine nennenswerte Elektronik. Denn Tankkommando bieten keine synthetische Disco-Musik, sondern ordentlich Handgemachtes, mit Gitarren und klassischer Rhythmusgruppe, New Wave-Touch, Punk-Attitüde und einer Ästhetik, die man von 90er Underground-Bands gewohnt ist. Und: Neben den Gitarren gibt's auch noch eine flotte Querflöte. Darauf muss man erst mal kommen und das sollten die Mädels (und der Bub) auch unbedingt als Alleinstellungsmerkmal weiter herausarbeiten. Wenn dann noch richtige Songs und Melodien hinzukämen, könnte richtig was draus werden.

Die zweite Band waren NRT aus Bochum. Das Trio besteht aus zwei Damen und einem Drummer und hat sich die Verschmelzung von Elektronik und organischem New Wave Sound auf die Fahnen geschrieben. Der Gedanke dabei ist, die um mächtige Grooves zirkelnden Songs mit Gitarrensounds auf der einen Seite und elektronischen Klangwänden andererseits aufzufüllen. Vocals gibt es auch - aber manchmal nur in Form von Schlagworten, dafür aber auch mal auf Französisch. Die Songs wurden dabei illustriert von Video-Collagen, die auf die Bühne projiziert wurden. Außerdem hatten sich NRT noch eine Besonderheit ausgedacht, um die leidigen Stimmpausen zu überbrücken: Anstatt ungelenker Ansagen gab es nämlich per Computer getriggerte Instrumental-Vignetten, die sich wie Intros anhörten. Und zum Schluss wurde noch eine Trompete hervorgekramt - von der man sich dann im Nachhinein sogar mehr gewünscht hätte.

Dann endlich wurde es Zeit für den Headliner. Musikalisch passt das, was Phoebe Killdeer And The Short Straws machen, nur bedingt zu dem, was vorher gelaufen war. Zwar kann den ungewöhnlich konstruierten Songs der in Paris basierten Australierin ein gewisser Groove-Faktor nicht abgesprochen werden - hier geht es aber um etwas anderes als Tanzmusik. Phoebe Killdeer und ihren Musikern ist es nämlich gelungen, mit geringem Aufwand, ganz alleine durch eine Verschiebung der Perspektive und ein Aufbrechen der Struktur, ein eigenes Subgenre aus der Rockmusik herauszuschälen. Phoebes Songs bieten etwa keine klassischen Strophen, Refrains oder Melodiebögen - sind aber dennoch nicht unzugänglich und bieten darüber hinaus jede menge Energie, Dramatik und Theatralik. Die kunstvoll ausformulierten, bildreichen und poetisch verklausulierten Lyrics Phoebes stehen dabei im Dialog mit den Gitarrenparts und den Grooves der Band. Phoebe selbst spielt keine Gitarre, sondern beschränkt sich auf das gelegentliche Bedienen diverser Perkussion-Instrumente und ansonsten auf das extrovertierte Ausleben der Songs in Form schamanischer Tänze, was durch eine intensive Licht-Dramaturgie noch unterstützt wird. Gleich das erste Stück, "Pedigree", das von einer eingespielten Gitarrenfigur eingeleitet wurde und bei der die Musiker im Halbschatten standen, zeigte, wo es lang gehen sollte: In Richtung eines großen Rocktheaters nämlich. Eine Prise Blues findet sich auch in der Gemengelage; der aber, wie im Falle der Rock-Elemente, ebenfalls auf eigentümliche Art zerdehnt und den Gegebenheiten angepasst wurde. Und wenn dann mal, wie im Falle von "Twisted", eine Akustikgitarre zum Einsatz kommt, dann aber bitteschön nicht in Lagerfeuermanier, sondern mit einem offenen Tuning in Form einer avantgardistischen Klangwand. Diesem Treatment muss sich alles unterordnen. Auch zum Beispiel Coverversionen. "Is Elvis In The House?", fragte Phoebe angriffslustig, bevor dann "Crawfish" bis zur Unkenntlichkeit zerlegt und nach Killdeerschen Verständnis wieder zusammengesetzt wurde. Und wenn es dann zu einer Jam-Session kam, wie etwa bei dem nicht enden wollenden "Highway Birds", dann fand dieser in Form einer Voodoo-Sitzung mit Rockabilly-Shuffle und abstrakten Gitarrenriffs anstelle konventioneller Soli statt, bei der Phoebe Killdeer die Dämonen in Form einer modernen Hexe beschwörend vor sich hertrieb. Dem Ganzen haftete ein Ruch von Düsternis und Gefahr an. Mit der Drama Queen Phoebe Killdeer, so der allgemeine Eindruck, den die Protagonistin mit entsprechenden Gesten und Grimassen noch eindrucksvoll unterlegte, ist nicht zu Spaßen. Was nicht heißen soll, dass das Ganze keinen Spaß machte. Ganz im Gegenteil - das war eine höchst unterhaltsame, kurzweilige und abwechslungsreiche Angelegenheit, bei der das im Titel der aktuellen CD beschriebene innere Erdbeben mühelos illustriert wurde. Insgesamt war dieses ein höchst erfreulicher Konzertabend - einfach auch deshalb, weil sich hier Musiker(innen) präsentierten, die sich Gedanken darüber gemacht hatten, was man - auch heutzutage noch - anders machen könnte.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/phoebekilldeer
www.nrt-music.de
www.facebook.com/pages/Tanzkommando/106371382775564
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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