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Überraschungstüte für die Dame

Lisa-Marie Fischer
Charlie Faye/ Will Sexton

Frankenberg, Thalia Kino
06.10.2012

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Lisa-Marie Fischer
Genau genommen war die Record Release Party für das zweite Album der Marburger Americana-Songwriterin Lisa-Marie Fischer eher eine Überraschungsparty als ein regulärer Showcase - aber eine mit durchaus international konkurrenzfähigem musikalischen Mehrwert. Denn Labelchef Klaus Von Jahn hatte zur Präsentation der neuen Songs seine Protegés, Lisa-Marie Fischer, Gastmusiker eingeladen - von der er Lisa-Marie vorher aber gar nichts erzählt hatte. Aber der Reihe nach: Die Veranstaltung fand in ungewöhnlichem Rahmen im hessischen Frankenberg statt, weil im dortigen Thalia Kino der Video-Dreh zu Lisas Song "Valentine's Day" stattgefunden hatte und man hier kooperative Partner gefunden hatten, die jeden Spaß mitmachen (zum Beispiel samstagabends das Kino für solcherlei Treiben zur Verfügung zu stellen).
Zunächst ein Mal wurden die drei Videos, die Lisa bislang gedreht hat vorgeführt. Das letzte, zu ihrem aktuellen Song "Done Is Done", wurde dabei bei ihrem letzten US-Aufenthalt gedreht und zeigt Lisa, wie sie ein Auto in die Luft sprengt. Sie ist also nicht nur musikalisch, sondern auch in dieser Beziehung ziemlich Amerikanisch orientiert. Schließlich ging es aber mit dem Live-Programm los. Als erstes trat Charlie Faye aus Austin auf. Die junge Dame kehrte gerade von einem höchst interessanten Projekt zurück: Im Laufe des letzten Jahres tourte sie auf höchst ungewöhnliche Art durch die USA. Und zwar indem sie sich für jeweils einen Monat in zehn US-Städten niederließ - anstatt gleich nach dem Auftritt wieder weiterzureisen. Bei dieser Gelegenheit schrieb sie - zusammen mit lokalen Musikern - dann auch gleich neue Songs, die sie an diesem Abend auch präsentierte. Charlie Faye ist eine Old-School-Storytellerin, die in der klassischen Manier US-Amerikanischer Barden (zu denen ja gewissermaßen auch Lisa-Marie Fischer gehört) kleine Geschichten erzählen, die ihnen auf den Reisen aufgefallen sind. Das Interessante bei diesem Projekt (das sich "Travels With Charlie" nennt), war nun, dass es Charlie offensichtlich gelungen war, den lokalen Flair tatsächlich auch jeweils in die neuen Songs einfließen zu lassen: Die urbane Stimmung New Yorks etwa, den Cajun-Charme Louisianas, Nashviller Country Flair oder Texanischen Folk. So muss das eigentlich auch sein: Nicht nur das Thema eines Songs, sondern auch die Vibes, die zu diesem führen, sollten schließlich in diesem verinnerlicht werden. Zusammen mit Lisa-Marie spielte Charlie dann noch die Patty Griffin-Nummer "Long Ride Home".
Mit Vibes hatte Lisas zweiter Gast, Will Sexton, anschließend wahrlich keine Probleme. Lisa hatte Will auf einer gemeinsamen Tour mit Shannon McNally kennengelernt und dieser hatte sich bereiterklärt, seiner jungen Kollegin unter die Arme zu greifen. Will Sexton ist der Bruder des momentanen Dylan-Gitarristen Charlie und wie diesem scheint Will die Gitarre quasi in die Wiege gelegt worden zu sein. Dabei beherrscht Sexton sein Instrument nicht nur im Blindflug, sondern er kann auch praktisch alles spielen, was sich stilistisch irgendwie mit Americana in Verbindung bringen lässt. Zudem sieht er auch noch aus wie ein geborenes Rock'n'Roll-Urviech. Neben mitreißenden eigenen Nummern spielte er so etwa "Beast Of Burden" von den Stones mit einer Selbstverständlichkeit, als habe er es selbst verfasst. Schließlich griff er zur elektrischen Gitarre und bot sich schließlich als Begleitmusiker für eine kurze Jam-Session - u.a. mit einer Referenz an eines seiner Idole. Jerry Lee Lewis - für die beiden Damen an, bevor Lisa-Marie dann endlich ihre neuen Songs vorstellte.

Lisas zweites Album heißt "Sugar & Salt" und wurde in Nashville von Mark Evitts produziert, der Lisa auch bereits auf der gemeinsamen Tour mit Shannon McNally begleitet hat, der aber an diesem Tag leider verhindert war. Evitts hat auf der Scheibe auch die erdigen Arrangements ausgearbeitet und mit befreundeten Studio-Musikern in Szene gesetzt. Das muss deswegen gesagt werden, weil Lisa das Material hier nun naturgemäß ja weitestgehend solo präsentierte. Und hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen, denn nicht jeder Song, der im Studio mit vollem Besteck eingespielt wird, funktioniert schließlich im ursprünglichen, asketischen Solo-Gewand. Im Falle von Lisa-Marie Fischer ist das allerdings kein Problem. Zum einen ist da diese glasklare Gesangsstimme, die wir für das Thema gemacht scheint und zum anderen hat Lisa diesen US-Shtick dermaßen perfekt drauf, dass sich das fast schon amerikanischer anhört als vieles, was die Eingeborenen normalerweise fabrizieren - auch wenn da Wörter wie "Fucking" in den Texten auftauchen, was in dieser Sparte eher unüblich ist. Und dann folgen Lisas Songs auf elegante Weise den Genreregeln - ohne jetzt gleich in Klischees zu versinken. Insbesondere ihre Städteportraits (die oft gar keine sind) wie "Boulder" oder "Santa Fe" besitzen diesen zeitlosen Geist, der Balladen dieser Art so gut zu Gesicht steht.

Im Prinzip klingt das alles einfach sehr stimmig und rund - wenngleich die Sache zuweilen doch ein wenig süßlich rüberkommt, was aber - angesichts dieser Stimmlage - fast nicht anders geht. Gerade bei den balladesken Nummern aber half dann wieder Will Sextons einfühlsames und variantenreiches Gitarrenspiel - insbesondere dann, wenn er mit einer kleinen Marmeladendose am Finger seine Slide-Gitarren-Künste unter Beweis stellte. Abschließend sollte noch darauf hingewiesen werden, dass Lisa-Marie Fischer wesentlich mehr zu bieten hat, als das Etikett "Country", mit dem sie leichtfertig immer wieder in Verbindung gebracht wird, vermuten ließe. Denn obwohl die Scheibe in Nashville produziert wurde, hat das ganze mit kommerzieller Countrymusik wenig gemein, sondern bietet eher jenen Outsider-Geist, der von Künstlerinnen wie eben Patty Griffin - oder Lisas Idol Emmylou Harris - vertreten wird. Und dafür, dass sie in Marburg geboren wurde, kann Lisa-Marie Fischer ja schließlich nichts.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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