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Konzert-Bericht
 
The Big Rock Show

Aimee Mann
Ted Leo

Köln, Gloria
22.01.2013

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Aimee Mann
Lange ist's her, dass Aimee Mann in unseren Breiten aufgeschlagen ist und sie hat auch schon längere Touren als diese Drei-Termin-Vorstellung gegeben. Dass das Gloria in Köln am Ende ausverkauft war, zeugt freilich davon, dass die Gute eine dauernde Präsenz gar nicht nötig hat, um die alten Fans hinter dem Ofen hervorzulocken.
Der Anlass war natürlich das letzte Album, "Charmer", das sie dann - durchsetzt mit einer ordentlichen Mischung älterer Klassiker und mit ihrem langjährigen Partner Paul Bryan an ihrer Seite - auch entsprechend präsentierte. Unterstützt wurde Aimee dieses Mal von ihrem alten Freund Ted Leo - einem Veteranen der Indie/Punkpop-Szene, der in Bands wie Citizens Arrest, Chisel, The Sin-Eaters, The Spinanes, und Ted Leo and the Pharmacists spielte und als Solo-Künstler insbesondere live sehr aktiv ist. Mit dem klassischen No-Nonsense-Billy-Bragg-Ansatz des einsamen E-Gitarrenhelden mit Gossencharakter unterhielt er das Publikum mit einer Sammlung (vielleicht zu gut gelaunter, weil gleichförmiger) Power-Pop-Nummern, bevor er dann mit den nach eigener Aussage eher "peinlichen Momenten" in Form von Power-Balladen und ähnlich Konstrukten eher Variation und Abwechslung ins Spiel brachte. Als Performer überzeugte Leo mit seiner ruhigen, souveränen Art, animierte das Publikum mit Sprüchen und Gags und bat dann Aimee Mann selbst für zwei Songs auf die Bühne. "Wie geht's denn so, Aimee?" scherzte Leo. "Wie soll's gehen?" antwortete diese, "ich bereite mich auf die große Rock-Show vor, die wir gleich spielen werden." Im Folgenden kündigte Aimee dann an, dass sie mit Leo zusammen ein Projekt namens Both ins Auge gefasst habe und die nun folgenden Tracks erste Ergebnisse dieser Zusammenarbeit darstellten. Für Leos Performance jedenfalls waren diese Duett-Situationen (wobei Aimee auf eigenen Wunsch bei dem Song "The Gambler" Bass spielte (was sie ja seit Til Tuesday Tagen im Prinzip drangegeben hatte)) genau jenes Quentchen X-Faktor, das die Sache von "ganz okay" in "recht interessant" umbog.
Nach einer eher unnötigen Umbaupause betrat dann Aimee mit ihrer fünfköpfigen Band die Bühne. Obwohl sie durchaus eine Lederjacke trug, war das mit der Ankündigung einer großen Rock-Show natürlich nicht ganz ernst gemeint gewesen. Aimee Mann ist halt insofern im besten Sinne verlässlich, als dass es - auf ihren Scheiben wie bei ihren Live-Auftritten - zwar keine großen Überraschungen, aber immer eine hochkarätige, abendfüllende Vollbedienung aller Sparten gibt. Für musikalische Experimente - wie z.B. eine große Rockshow - bleibt da weder Raum noch gibt es Anlass. Bei Aimee Mann-Konzerten finden sich auch keine ausgewalzten Live-Versionen; dafür aber ziemlich viele Songs pro Set, die dann auch immer wieder neu (im Sinne von "von Tour zu Tour unterschiedlich") interpretiert werden. Das Setting der Tour zum letzten Album etwa - bei der es anstelle elektrischer Gitarren ja lediglich Keyboards gab - war zur neuen Scheibe wieder aufgeweicht: Zwar gab es immer noch mehrere Keyboards, aber Jaime Edwards etwa durfte auch zuweilen auch in die Gitarrensaiten greifen und das eine oder andere passende Solo beisteuern. Paul Bryan beschränkte sich hingegen auf den Bass und den Harmoniegesang - was in der Kombination mit Aimees Gesang inzwischen übrigens zu einer makellosen Einheit gereicht.

Das Programm bestand - nicht überraschend - zu einem großen Teil aus Songs von der "Charmer"-Scheibe, wobei sich das Material - etwa in Form des Titeltracks, "Freeway" oder der Single "Labrador" - bemerkenswert nahtlos zwischen den "alten Hits" wie "Lost in Space" oder "You Could Make A Killing" einreihte. Kein Wunder - liefert Aimee als Songwriterin und Geschichtenerzählerin schließlich seit Jahren Songs auf einem verlässlich hohen Standard ab. Einen interessanten und seltenen Einblick darüber, was sich hinter so einem Songtext verbergen kann, gab Aimee als sie (in Vertretung James Mercer) Ted Leo als Duett-Partner für den Song "Living A Lie" auf die Bühne bat und dessen Genese erläuterte: Anlässlich der seit Jahren andauernden Bemühungen, Aimees Album "The Forgotten Arm" für ein Musical aufzubereiten, waren Aimee und Paul an Aaron Serkin, den Drehbuch-Autoren des Films "Social Network" geraten, um diesen um Tips anzugehen. Stattdessen erzählte dieser jedoch von einer eigenen Idee für ein Musical in Musikerkreisen, das Aimee und Paul dann wiederum animierte, den Song "Living A Lie" über mögliche Standard-Charaktere eines solchen Settings zu schreiben. Merke: Es ist kaum etwas, wie es auf den ersten Blick scheint, in der Welt der Aimee Mann. So z.B. auch der Umstand, dass sie keineswegs ein "Charmer" (im Sinne eines Beschwörers) ist und sein will - obwohl die Scheibe nun mal so heißt.

Settings und Charaktere - durchaus auch fiktiver Natur - schüttelt Aimee jedenfnach wie vor im Akkord aus dem Ärmel und man darf nicht den Fehler machen, so Aimee zu Ted Leo, die Sachen etwa persönlich zu nehmen. Wie dem auch sei: Frühere Bemühungen dieser Art hatten ja schließlich zu dem Soundtrack von "Magnolia" geführt, auf dem sie den Oscar-nominierten Song "Save Me" platzierte (den sie dann jedoch gegen Phil Collins verlor, worüber sie heute nicht mehr bitter sei, sondern sich für Phil Collins freue, wie sie ironisch betonte). Drei Songs dieses Soundtracks - neben "Save Me" noch "Wise Up" und die Nilsson-Nummer "One" spielte sie dann im akustischen Solo-Setting - und schien hier sogar mehr Seelenleben zu investieren als bei den elektrischen Nummern. Zweifelsohne gehörten diese Songs zu den Highlights der Show. Insgesamt überzeugte Aimee Mann aber - wieder mal - auf ganzer Linie; unter anderem auch deshalb, weil sie (was nicht immer der Fall ist) locker, ungezwungen und extrem gut gelaunt an den Start ging.

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www.aimeemann.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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