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Mélanie Pain

Köln, Stereo Wonderland
20.02.2013

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Mélanie Pain
Showcase-Situationen sind ja immer etwas besonders. Meist werden die betreffenden Künstler unter ungünstigen Voraussetzungen vor ein desinteressiertes, geladenes Fach-Publikum gekarrt und dort für einige Minuten ihrem Schicksal überlassen. Kein Wunder also, das sich hier selten mal jemand so richtig ins Zeug legt und sich wenigstens bemüht, den Anschein eines regulären Konzertes zu erwecken. Nicht so Mélanie Pain. Die quirlige Französin, die als "eine der vielen Stimmen von Nouvelle Vague" auch bei uns eine gewisse Bekanntheit erlang hatte, bevor nun gerade ihr zweites Album "Bye Bye Manchester" erschienen ist, nutzte die Gelegenheit, um die neuen Songs, einige Coverversionen und ein paar ältere Nummern in speziellen, "improvisierten" Versionen darzubieten.
Und das waren dann tatsächlich Live-Versionen, wie sie im Buche stehen - mit eingestreuten Jam-Sessions inkl. Improvisationen, Soli, "Crowdsurfing" und Publikumsanimationen, technischen Pannen, Ecken, Warzen und Kanten und überhaupt allem, was dazu gehört. Angetreten war Mélanie mit zwei Musikanten - Gitarrist Guillaume und E-Drummer Julien - die dann die Arrangements der auf Konserve artenreich gebannten New Wave Pop-Chansons auf das notwendige Mindestmaß eindampften. Das ging zunächst mal alles seinen Gang: "7 ou 8 fois", der Titeltrack "Bye Bye Manchester" oder "Just A Girl" kamen als gutgelaunte Pop-Nummern daher, zu denen sich Mélanie quietschfidel herum bewegte und die beiden Herren ganz gut rockten - bzw. swingten, denn so richtig rocken tun Franzosen ja nicht. Dann ging es los mit den Eskapaden: "Da war ich also neulich in Australien und dieser Typ kam auf mich zu und meinte, was ich für einen tollen Song über Handtaschen und Halstücher geschrieben habe", erzählte Mélanie, "ich dachte mir schon: Toll, nur weil ich Französin bin, halten die mich hier für oberflächlich. Bis ich dann herausfand, dass er meinen Song 'Bruises' meinte, in dem ich von 'Bruises' und 'Scars' - nicht aber von 'Purses' und 'Scarfs' singe, was er verstanden hatte. Nun - vielleicht versteht ihr ja wenigstens einige meiner französischen Songs..."
Im Folgenden kokettierte sie dann ordentlich mit dem vorwiegend frankophilen Charakter ihres Materials. Warum auch nicht? Franzosen, die sich am Englischen versuchen, gibt es schließlich genug - obwohl sie da wahrlich keine schlechte Figur machte. Dann animierte sie das Publikum zum Mitsingen und drohte: "Wir hören nicht auf zu spielen, bis ihr alle mitmacht." Danach ging es ins Auditorium, von wo aus Mélanie dann ihre Musiker dirigierte. Anschließend war ein Ausflug in die Nouvelle Vague-Vergangenheit der vielbeschäftigten Chanteuse geplant, der allerdings gründlich schief ging: Mélanie hatte den Text von "Dance With Me" vergessen und Guillaume brachte die Akkorde nicht auf die Reihe. Weniger souveräne Acts hätten sich von sowas aus der Bahn werfen lassen - nicht jedoch dieses Trio. "Dann spielen wir halt eine Cover-Version, die wir können", meinte Mélanie und es gab eine - in diesem Kontext wirklich amüsante - Version von "Girls And Boys" der Brit-Popper Blur. Danach funktionierte das Drumkit nicht mehr, weil Mélanie bei einem weiteren Ausflug ins Publikum über den Schaltkasten "marschiert" war, wie sie sagte. Zunächst merkte das der Mann mit den Trommelstöcken gar nicht, weil sein Kopfhörer noch funktionierte - als ihn die Kollegen darauf aufmerksam machten, schaltete er einfach in den Human-Beat-Box-Modus und sorgte somit bis zum Ende für das rhythmische Rückgrat.

"Es freut mich, dass ihr heute Abend den Weg hierher gefunden habt", verabschiedete sich Mélanie nach ca. 40 Minuten und versprach: "Im April komme ich zurück und dann spielen wir ein richtiges Konzert in einem richtigen Club." Das freut natürlich ungemein - aber tatsächlich hatte Mélanie Pain bereits hier und jetzt ein Konzert abgeliefert, das sich "richtiger" anfühlte als so manche plakatierte Hochglanzveranstaltung größeren Rahmens. Ach ja - zum Titel dieser Story: "Pain" heißt auf Französisch "Brot" und keineswegs "Schmerz".

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Surfempfehlung:
www.melaniepain.com
www.facebook.com/melaniepainmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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