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Konzert-Bericht
 
Broken Strings & Jägermeister

Lindi Ortega

Köln, Blue Shell
11.03.2013

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Lindi Ortega
Wenn Lindi Ortega vielleicht noch einen Titel für ihre nächste CD suchen sollte, dann böte sich ggf. die Headline zu diesem Artikel an, denn sind "Cigarettes & Truckstops" (bzw. alles, was man damit assoziiert) die Themen, die ihren aktuellen Tonträger dominieren, so waren das an diesem Abend halt "Broken Strings & Jägermeister". Aber der Reihe nach: Als die inzwischen nach Nashville emigrierte Kanadierin mit mexikanischen Wurzeln die Tour in Support ihres neuen Albums begann, postete sie auf Facebook sinngemäß folgende Story: Da hatte sie sich also am Vorabend der Tour auf dem Weg zu einem letzten Warm-Up-Gig aus ihrer Wohnung ausgeschlossen, den Lockenstab an- und ihr Gepäck zurückgelassen und dann realisiert, dass der Vermieter soeben verreist war und sie ohnehin zu spät zum Gig dran war. Ein bisschen Chaos gehört offensichtlich zur Lebensplanung der Lindi Ortega dazu - und ehrlich gesagt, wäre es vielleicht sogar verwunderlich, wenn dem nicht so wäre, denn Lindi ist so ein rechter kleiner Rock'n'Roll-Rebell bzw. Wonder-Woman. Aber auch dazu später mehr.
Kaum dass nämlich das Konzert im Kölner Blue Shell angefangen hatte, riss ihr eine Saite. Im Prinzip kein großes Ding. Wenn man allerdings eine Solo-Tour lostritt und dann keine Ersatz-Gitarre dabei hat - und obendrein auch keine Ersatz-Saiten -, dann sieht die Sache natürlich schon anders aus. Zum Glück hatte Lindi indes bei ihrem zweiten Besuch in der Domstadt einen Gitarristen dabei, der eigentlich mit seiner E-Gitarre für ein wenig Abwechslung im Klangbild sorgen sollte - und im Hinblick auf Lindis bedingungslose Hingabe zum klassischen Country-Sound und Rock'n'Roll - insbesondere für ein wenig Twang. Daraus wurde dann erst mal nichts, denn nachdem Lindi dann - zunächst mal ohne Gitarre - "House Of The Rising Sun" anstimmte, waren die Optionen diesbezüglich erschöpft und man entschloss sich, die Gitarren zu tauschen. "Das ist interessant", meinte Lindi hierzu - und das stimmte, da die Sache auf diese Weise eine ganz aparte Note bekam, die den dargebotenen Songs sogar recht gut zu Gesicht stand. Denn: Spätestens mit "Cigarettes" hat sich Lindi - wohl auch bedingt durch ihren Umzug nach Nashville und dem Studium der großen Altvorderen - ganz der reinen Lehre verschrieben. Die etwas schrille, eigene Note, die sie auf Ihrem Debüt "Little Red Boots" noch zeigte, kommt heutzutage nur noch durch den Retro-Filter zum Tragen (naja - und vielleicht durch ihre Outfits). Und zum Thema Little Red Boots: Hier erfuhren die Zuschauer dann auch noch, woher die Idee mit den kleinen roten Stiefeln letztlich stammte: Lindi hat sich Wonder Woman als Stil-Ikone ausgesucht und sich erhofft, durch die besagten Little Red Boots Superkräfte zu bekommen.
Der Titeltrack des Albums war dann - neben so einigen Cover-Versionen (darunter gleich zwei Mal Johnny Cash) einer der wenigen Verweise an die Zeit vor "Cigarettes". Ansonsten gab es die Gassenhauer des neuen Albums mit dem Charme der 50s. Was bei anderen vielleicht aufgesetzt gewirkt hätte, macht bei Lindi Ortega aber Sinn. Denn erstens will sie offensichtlich gar nichts anderes, zweitens steigert sie sich mit einer geradezu beängstigenden Inbrunst in ihr Material hinein und drittens macht sie das gar nicht schlecht. Zum einen ist es natürlich immer wieder beeindruckend, wenn solch riesige Stimmen wie jene von Lindi Ortega aus so kleinen Frauen hervorbrechen und zum anderen singt Lindi sowieso jeden Song, als sei es ihr letzter. Zugegeben: Das ist der Intensität zuweilen fast schon ein wenig zu viel - aber es kann nun wirklich niemand behaupten, dass das reine Kraftmeierei sei. Lindi versteht es nämlich, im Rahmen des allgemeinen Overkill durchaus zu variieren - etwa mit einem zuschaltbaren, steuerbaren Vibrato und gelegentlichem Koloraturjodeln - so dass das Mittel am Ende dann doch fast immer den Zweck rechtfertigt. Hinzu kommt, dass Lindi Ortega die geborene Rampensau ist. Hemmnisse irgendwelcher Art kennt sie nicht und lässt sich demzufolge auch durch nichts aus der Ruhe bringen oder sich gar die Laune verderben. Wenn sie da so steht und singt "I'm alright, I'm alright, I'm alright" - dann gibt es daran schlicht keinen Zweifel. Und wenn das nicht hilft, dann lässt sie sich von den Fans mit Jägermeister abfüllen. "Denn" - so stellte sie fest - "heute ist ein guter Tag für Jägermeister".

Und dann sind da ja noch die Stücke selbst - und die sind auch nicht von schlechten Eltern. Denn während sich Lindi musikalisch nicht besonders weit aus dem Fenster lehnt, gehören ihre selbstironischen, humorvollen Lyrics doch mit zum Unterhaltsamsten, womit sich Musik wie diese prinzipiell überhaupt am Leben erhalten lässt. Songs wie "Use Me" muss man auch erst mal hinbekommen, ohne dass das Ganze am Ende lächerlich wirkt. Das mag damit zusammenhängen, dass Lindi Ortega zwar ihre Musik, aber nicht sich selbst so richtig ernst nimmt. Im Idealfall kommen dann Songs wie "Heaven Has No Vacancy" dabei heraus, die genau die richtige Tragikomik erzeugen, die man in einem solchen Genre eigentlich auch erwartet. Diesen Trick hat schließlich auch Hank Williams (ein weiteres Idol Lindis) erfolgreich angewandt. Und letztlich sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass das reduzierte Setting der Performerin Lindi Ortega durchaus entgegen kommt. So gesehen, wirken die - technisch übrigens perfekt inszenierten - Arrangements des Albums im Vergleich zu den beeindruckend auf den Punkt kommenden Live-Versionen ja geradezu störend und überflüssig. Das zeigt übrigens auch, dass Lindi eine gute Songwriterin ist, denn ihre Tracks funktionieren halt auch ohne viel Brimborium. Kurzum: Obwohl jetzt hier nicht gerade Neues zu hören war und obwohl technisch sicherlich auch keine Maßstäbe gesetzt wurden, war das doch eine höchst kurzweilige und amüsante Angelegenheit. Schade eigentlich nur, dass offensichtlich nur eingefleischte Hardcore-Fans (oder Facebook-Freunde) Lindis überhaupt von dieser Veranstaltung gewusst hatten...

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Surfempfehlung:
www.lindiortega.ca
www.facebook.com/lindiortegafans
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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