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Konzert-Bericht
 
Legendäre Traumzeit

The Dream Syndicate
Daniel Norgren

Köln, Stadtgarten
26.05.2013

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The Dream Syndicate
Dass die Sache eine gewissermaßen legendäre Aura verströmte, war schon alleine daran zu erkennen, dass die Fans aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren, um einen wichtigen Teil ihrer musikalischen Jugend zum Abschluss zu bringen: Die meisten der mit Unmengen an zu signierenden Tonträgermaterialen beladenen Herren (denn um diese handelte es sich vorwiegend) waren offensichtlich langjährige Steve Wynn-Fans - hatten jedoch den Meister während der Lebzeiten des Dream Syndicate nicht live erleben können. So war die Erwartung dann auch recht groß, als die Band, fast in Originalbesetzung (allerdings mit Miracle 3-Gitarrist Jason Victor als Ersatz für den unabkömmlichen Karl Precoda) ihr einziges Deutschland-Konzert ansteuerte.
Das dauerte aufgrund einer Flug-Verspätung aber erst ein Mal, so dass selbst der Support, der Schwede Daniel Norgren und seine Musiker, erst um kurz vor 21 Uhr die Bühne erklettern konnte. Norgren spielt im Sitzen - weil er neben seiner (übrigens gurtlosen) Gitarre gleichzeitig ein minimales Drumkit spielt. Was natürlich bedeutet, dass sein Southern-Blues-Rock vor allen Dingen rhythmisch sehr intensiv angelegt ist. Hätte der Mann nicht so viele Slow-Blues- und Balladen-Nummern im Programm, hätte er als Minimal-Tanzkapellenleiter durchaus eine Zukunft. So aber kam es, wie es kommen musste: Norgren lieferte in etwa eine Kopie jenes Sets ab, das er eine Woche vorher auf dem Orange Blossom Festival auch gegeben hatte. Und diese Kopie bezog sich nicht nur auf die Musik, sondern auch die Kleidung: Norgren und seine Musikanten schienen sich seit letzter Woche nicht mal umgezogen zu haben. Insgesamt war das Ganze dann für einen Support-Act etwas zu exzessiv angelegt, auch wenn sich Steve Wynn vom Bühnenrand mehrere der Zehn-Minuten Epen Norgrens interessiert anschaute.
Als dann Dream Syndicate gleich mit dem ersten Track ihre Signatur-Nummer "Halloween" aus dem Weg räumte, war es klar, worum es bei diesem Unterfangen ging: Die alten Zeiten noch ein Mal aufleben zu lassen. "Es wird keine Songs geben, die älter als 1989 sind", hatte Wynn im Vorfeld klargestellt - und daran hielten sich die Herren dann auch. Selbst das in den als Zugabe gegebenen "John Coltrane Stereo Blues" eigebundene Doors-Cover "Break On Through" passte zu diesem Schema. Den Fans wird es recht gewesen sein, denn die wollten gewiss keinen neumodischen Kram hören. "Wir sind Dream Syndicate", stellte Steve die Band dann unnötigerweise vor - nur um noch hinzuzufügen: "Das ist das erste Mal, dass ich das in Köln sage." Denn in der Tat hatten Dream Syndicate nie in Köln gespielt, obwohl Steve Wynn ein regelmäßiger Gast in Köln ist.

Das Programm bestand dann demzufolge aus den subjektiven Favorites der Dream Syndicate-Alben - allerdings nur aus dem elektrischen Teil derselben, denn eine Akustikgitarre gab es schlicht nicht, sodass sogar Tracks wie "Medicine Show" im Psycho-Rock-Modus dargeboten wurden. Apropos Psycho-Rock-Modus: Mit einem Gitarristen wie Jason Victor, der vor lauter Showmanship und Körpereinsatz auch mal ein paar Akkorde verschiebt oder verschluckt, so lange es nur der Performance förderlich ist, hatte Steve natürlich insofern einen geeigneten Partner in Crime, als dass der Meister selbst auch diesem Credo folgt, wodurch einige der üblichen Gitarrenduelle, die man von den Herren auch von Miracle 3-Performances gewohnt ist, doch ziemlich freejazzig daher kamen. Aber was solls: Es ging ja darum, eine gute Zeit zu haben und die hatten nun wirklich alle. Selbst Steve Wynn, der an diesem Tag dermaßen heiser war, dass er seine Stimme nur mit Obstessig freigurgeln konnte und dann röhrte wie ein alter Blueser (das meinte jedenfalls Jason Victor nachher). Mark Walton und Dennis Duck, die beiden anderen Dream Syndicate-Veteranen, zeigten einen deutlich anderen - wie soll man sagen - geradlinigeren, aber auch wuchtigeren Ansatz, als man das im Vergleich von den Miracle 3 gewohnt ist. Duck trug übrigens ein DBGB's T-Shirt und das passte auch ganz gut zum Abend, denn die Energie der meisten Nummern war doch ziemlich punklastig angepeilt. Gospel-Momente, zu denen Wynn im Stile eines Predigers innehielt, gab es auch wieder - nicht nur bei "Boston" und "Wine & Roses" sondern auch bei der "Medicine Show", wo das Publikum überraschenderweise den Refrain mitsang.

Das Programm des Abends kannten die Fans ja auch von Steves anderen Live-Shows her - denn richtige Bonbons (also DS-Songs, die Steve seltener spielt wie "Definitely Clean" oder "50 In A 25 Zone") gab es gar nicht mal so viele. Als dann das Konzert mit dem üblichen Rausschmeißer "Days Of Wine & Roses" zu Ende ging, stellte sich im Publikum ein allgemeines zufriedenes Grinsen ein. Nun endlich konnte die Mehrzahl der Fans guten Gewissens behaupten, schon immer dabei gewesen zu sein. Mag sein, dass man die eine oder andere Nummer vielleicht schon in einer besseren Form gehört haben mochte - das Gefühl bei einem legendären Ereignis dabei gewesen zu sein wog dieses allemal auf.

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Surfempfehlung:
www.thedreamsyndicate.com
www.stevewynn.net/band_dream_syndicate.php
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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