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Larger Than Life?

Chloe Charles

Köln, Die Wohngemeinschaft
30.11.2013

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Chloe Charles
Die Kanadierin Chloe Charles gehört zweifelsohne zu jener Kategorie Songwriterinnen, die erkannt haben, dass es Sinn macht, wenn die Leute auf der Bühne etwas anders aussehen als jene davor. Damit ist keineswegs ihre Hautfarbe gemeint, sondern die Tatsache, dass sie Wert darauf legt, sich auf der Bühne betont elegant und stylisch zu kleiden. Dem Einen oder Anderen mag das schon wieder zu viel gewesen sein - aber erinnern wir uns doch einmal daran, warum wir Fans ursprünglich für gewöhnlich zu Konzerten pilgern: Um die Stars anzuhimmeln. Und das funktioniert doch nicht, wenn diese genauso aussehen, wie die Fans selbst, oder? Ein bisschen größer als das Leben dürfen die Leute auf der Bühne doch sein - solange sie dadurch nicht unnahbar werden.
Ob es indes daran gelegen hatte, dass die Wohngemeinschaft, in der Chloe im Mai noch vor einer Hand voll Leute gespielt hatte, nunmehr vollständig ausverkauft war, darf bezweifelt werden. Vermutlich hat es einen fernsehtechnischen Publicity-Schub gegeben, der Neugierig auf die Dame mit den elegant-anspruchsvollen Songs gemacht hatte. In der Tat verdient sie ja durchaus auch eine größere Aufmerksamkeit, denn Chloe ist es gelungen, mit relativ geringem Aufwand - alleine durch die Verschiebung der Perspektive - aus dem Folkpop-Medium eine eigene Nische herauszuarbeiten. Einen nicht geringen Anteil daran hat sicherlich die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem italienischen Geiger David Santi, den sie - neben Keyboarder Bobby Herrmann - auch wieder mit auf Tour gebracht hatte. Im Laufe der Zeit haben Chloe und Davide einen Rapport erarbeitet, der letztlich dazu führt, dass die Songs in immer neuen Varianten daherkommen - einfach weil es keine festgefahrene Partitur gibt. Dem entsprach auch die Hinzunahme des Pianisten Robert Herrmann, der mit seinem inspirierten, klassisch geprägten Spiel den Stücken auch immer wieder neue Facetten verpasste - ganz einfach indem so andere Details gewichtet wurden, als Chloe dies alleine mit der Gitarre getan hätte - wie z.B. Im Falle von "Amulet", das so als leichtfüßig angejazzte Piano-Ballade gegeben wurde. Und es ermöglichte Chloe auch, zuweilen ihr Instrument ganz auf die Seite zu legen und sich ganz auf den Gesang zu konzentrieren.

Dieser erstreckt sich übrigens - sozusagen vom Flüstern bis zum Orkan - über eine recht beachtliche Bandbreite. Gerade wenn Chloe aus vollem Leibe croont, kommt dabei eine ungezügelte Wildheit zum Tragen, die jedwede Routine und Vorhersehbarkeit von vorneherein ausschließt. Zwischen den Tracks erläuterte Chloe die Genese ihres Materials, das sich hauptsächlich auf ihren Reisen anzusammeln scheint und das von Wahrsagern, Kindheitserinnerungen und in zunehmendem Maße auch von Familienmitgliedern handeln. So hat sie z.B. aktuelle Songs für ihre Oma und Freunde geschrieben. Insgesamt schafft es Chloe Charles dabei, auf eine intellektuelle Art persönlich zu werden - denn die Inhalte ihrer Songs verbergen sich zuweilen hinter Bildern und illustrierten Situationen - die es dem Zuhörer nicht immer leicht machen, die zugrundeliegende Emotionen zu erkennen. Die Interpretation Chloes, nach der sie den einen Song als fröhlich, den anderen als wütend und den dritten als melancholisch bezeichnet, helfen da nicht wirklich, denn eigentlich liegt über allem, was sie singt eine düstere Note. Auch (seltene) Cover-Versionen wie Carole Kings "Far Away" gehören in diesem Sinne dazu. Nicht dass das störte: Eine wirklich fröhliche Chloe Charles wäre sicherlich kaum zu ertragen.

Noch ein Detail sollte nicht unerwähnt bleiben: Das Trio überraschte - bei aller Verspieltheit und bei aller Freistiligkeit - immer wieder durch immens genau getaktete Stops & Gos, die immer wieder die Aufmerksamkeit des Zuhörers herausforderten. Nun ja: Chloe Charles ist ja auch nicht angetreten, beliebigen Wegwerf-Pop zu produzieren. Schön, dass sich also Qualität doch noch gelegentlich durchzusetzen scheint. In Köln musste sie jedenfalls gleich mehrfach für Zugaben auf die Bühne zurück. Jetzt wollen wir aber Chloe Charles auch mal mit einer kompletten Band sehen...

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Surfempfehlung:
www.chloecharles.com
www.facebook.com/chloe.charles.music
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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