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Lanterns On The Lake

Köln, Die Wohngemeinschaft
23.01.2014

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Lanterns On The Lake
Da gibt es keinen Zweifel: Das Quintett Lanterns On The Lake aus Newcastle gehört zu jener Spezies von Bands, die auf der Bühne besser zu verstehen sind, als auf Konserve. Das meint in dem Fall nicht den Inhalt der Songs - denn die sympathisch schüchterne Frontfrau Hazel Wilde erklärt bestenfalls, für wen sie einen Song geschrieben hat (z.B. für alle, die insgeheim immer schon auch mal eine Band gründen oder Musik machen wollten) oder wann oder warum - aber nie, worum es genau geht. Nein - das muss sich jeder schon selbst zusammenreimen.
Was allerdings auf der Bühne deutlich wird, sind die musikalischen Ambitionen und Intentionen hinter den Tracks. So kommen die Songs deutlich strukturierter und dynamischer daher, wird auf Gimmicks wie die (Mikrofon-bedingt) verzerrten Vocals auf der aktuellen Scheibe "Until The Colors Run" verzichtet, die psychedelischen Elemente zurückgefahren und die dominierenden Klangwände, die auf den meisten Nummern zum Tragen kommen, werden konkret auf der Bühne erzeugt und nicht etwa mit Effekten vernebelt. So verwendet Gitarrist Paul Gregory sein Instrument für alles Mögliche - bloß nicht zum Gitarre-spielen. Entweder streichelt oder wedelt er über die Saiten, traktiert diese mit einem Geigenbogen (oder einem E-Bow) oder benutzt die Gitarre als Mandolinen-Ersatz. Hinzu kommt ein Effektpedal von der Größe eines mittleren Fußball-Feldes inklusive Sampler. Auch die Geigerin Sarah Kemp ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, von konventionellen Spielweisen zugunsten eines eher psychedelischen Ansatzes abzuweichen.

Im Allgemeinen agieren Lanterns On The Lake gerne im gemäßigten Slow-Core-Setting - was durch den dramatischen Aufbau der Tracks, die gerne auch mit Piano-Begleitung unterlegt sind - bedingt erscheint. Deswegen überraschte es dann eher, dass die Band zuweilen geradezu abrockte. So animierte Hazel das Publikum bei dem Track "A Kingdom" durchaus erfolgreich zum Mitklatschen und Paul Gregory betätigte sich als Zusatz-Perkussionist, nachdem er freilich zunächst ein orgiastisches Riff im Sampler aufgebaut hatte, während sich die Band gemeinsam dann in geradezu hymnische Höhen hineinsteigerte. Solche Momente sind zweifelsohne die Ausnahme, setzen LOTL aber erfreulich von ähnlich agierenden Acts ab, die sich ganz dem Slowcore-Gedanken verpflichtet fühlen. Große Performer sind LOTL nicht gerade - so saß Hazel Wilde bei der Hälfte der Tracks mit dem Rücken zum Publikum am Piano und sang den Rest der Songs konsequent mit geschlossenen Augen. Aber: LOTL wirken bei all dem äußerst sympathisch, bemühen sich - zwischen den einzelnen Songs - trotz allem, mit dem Publikum auf humorvolle Art ins Gespräch zu kommen und wirken in Bezug auf ihr Material auf eine angenehme Art demütig, was ja bei englischen Acts eher selten zu beobachten ist.

Das kurze Programm, das - laut Hazel - extra für die wohnzimmerartige Location zusammengestellt wurde ("das ist ja, als spiele man bei jemandem zu Hause") bestand nur zum Teil aus den Songs des neuen Albums (von denen indes der Titeltrack, "Elodie" und "Another Tale From Another English Town" zu den Higlights gehörten), sondern gefiel insbesondere durch eher selten gespielte Songs aus der Anfangsphase von LOTL. Dem Vernehmen nach durchlief das Projekt ja eine schwierige persönliche und professionelle Phase, wovon beim Kölner Konzert indes nichts zu spüren war. Vielmehr zeigte sich die Band äußerst erfreut über den Umstand, dass bei dem ausverkauften Konzert doppelt so viele (und altersmäßig recht unterschiedliche) Fans erschienen waren, als bei ihrem ersten Besuch in der Domstadt. Es scheint also, dass es selbst heutzutage noch möglich ist, ohne laute Töne und hippe Videos und Webclicks, alleine durch die Qualität der Musik Leute zu begeistern und in die Konzertschuppen zu locken.

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Surfempfehlung:
lanternsonthelake.com
soundcloud.com/lanternsonthelake
www.facebook.com/LanternsOnTheLake
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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