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Konzert-Bericht
 
Remscheider Engtanz

Luca Vasta
Steffen Linck

Köln, Studio 672
21.05.2014

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Luca Vasta
Abende wie dieser - also ein vorgezogener Hochsommertag im Mai - hatten schon so manches Konzertereignis zu Fall gebracht (zumal dem Kölner Studio 672 ein hauseigener Biergarten vorgeschaltet ist). Insofern war es schon recht erstaunlich - und erfreulich -, dass bereits zum Support-Act des Berliner Songwriters und Crowdfunding-Upstarters Steffen Linck recht viele Zuschauer(innen) den Weg ins gut aufgeheizte Studio gefunden hatten.
Steffen Linck kommt aus Berlin und ist, wie er berichtete, ein weitgereister Troubadour, der seine Stücke in Form konventioneller Folksongs auf der einen Seite und einer Art E-Pop-Variante mit Sampler und vorproduzierten E-Beats auf der anderen Seite unters Volk bringt. Die Inspirationen für seine Songs schnappt er dabei auf seinen Reisen auf und musikalisch bedient er sich der Traditionen der großen Altvorderen, von denen er zumindest Dylan und Nick Drake als mögliche Inspirationsquellen anführte. Den Sampler handhabt er dabei recht geschickt - allerdings schafft auch er es nicht wirklich, melodische Aspekte damit zu gestalten. Die Idee, die Akustik-Tracks mit jenen Elektronik-Elementen zu verquicken, die er bei seiner Arbeit als DJ kennen und schätzen lernte, ist dabei gewiss keine schlechte, allerdings noch ausbaufähig, denn bei dem Bemühen diese, die Akustik-Parts und die Sampler-Phasen miteinander zu verquicken, machte er den Fehler, sein Material unnötig zu zerstückeln. Etwas mehr Konsequenz in der einen oder anderen Richtung wäre hier sicher wünschenswert. Leider ist er als Komponist nicht so überzeugend wie als sympathischer Performer, der sein Publikum relativ mühelos zu gewinnen versteht. Es scheint, dass er noch zu viel zitiert und wenig Ego in seinen Songs verwurstelt - was damit zusammenhängen mag, dass er sich mit seinem Material als Straßenmusiker durchsetzen musste - und in dem Metier gehen ja songwriterische Finessen eher unter. Insgesamt war sein Set mit 50 Minuten Spielzeit für einen Support-Slot auch recht üppig bemessen, so dass sich am Ende eine gewisse Einförmigkeit darstellte. Immerhin: Die Begeisterung am eigenen Tun riss da so manche songwriterische Durststrecke wieder raus.
Das Headliner-Debüt von Luca Vasta und Band war dann etwas anders ausgerichtet. Statt Folk-Songwriting oder produktionstechnisch aufgezwirbeltem E-Pop (wie auf der Debüt-Scheibe "Alba"), gab es einen erstaunlich lebendigen, organischen Live-Sound, bei dem die elektronischen Bestandteile eigentlich nur in Form live gespielter Keyboard-Parts aufzufinden waren. Stattdessen legte sich die junge, dreiköpfige Band mächtig ins Zeug, das Material mit Gitarre, Drums & Bass gang oldschoolmäßig in Szene zu setzen. Die heute von Berlin aus operierende gelernte Schauspielerin, Bloggerin und gewesene Musik-Moderatorin Luca Vasta hat als Songwriterin dabei die jüngere Musikgeschichte offensichtlich mit Gewinn studiert und emuliert die aufgefundenen Versatzstücke aus den Bereichen Pop, Soul, Indie und Elektronik dabei geschickt miteinander, um die zwar simpel, aber effektiv strukturierten Songs, die als eine Art musikalischer Fortsetzung ihrer Blog-Arbeiten verstanden werden können, effektiv in Szene zu setzen.

Wie heutzutage fast schon üblich, geriet Luca (die auch noch Nadine mit Vornamen heißt) über einen ihrer Songs "Cut My Hair", der einem Werbespot zusortiert wurde, zu erst ins kollektive Bewusstsein. Das führte dann zu der Songsammlung, die nun zu dem Album "Alba" zusammengetragen wurde, in der Luca ihre täglichen Gedanken in allgemein gut verständlichen Popsongs mit zahlreichen populärkulturellen Referenzen zusammenfasst. Im Live-Ambiente erfahren diese Songs dann noch durch die extrovertierte Bühnenshow einen Mehrwert, in der Luca und ihre zweite Sängerin immer wieder das Publikum animieren, mitzumachen. Hierzu wurden im Vorfeld dann auch noch Luftblasen-Spender verteilt und ein Leuchtschild mit Lucas Namen sorgte zusätzlich für jene Disko-Stimmung, die die gebürtige Remscheiderin von den Ausflügen in die große Stadt Köln, die sie als Jugendliche zusammen mit ihrer Schwester machte, in Erinnerung (und wohl auch als Idealbild für ihre Shows) vor Augen hatte.

Überhaupt: Mit dem Erinnerungen hat sie es: So handeln mehrere ihrer Songs von solchen und immer wieder kommt sie während der zahlreichen Ansagen darauf zurück. So erinnert sie sich z.B. an die Engtanzabende aus der Jugend und fordert das Publikum z.B. bei ihrem eigenen Song "Wicked Games" zum Engtanz auf. Das klappte dann nicht so gut, zum einen, weil es sooo eng gar nicht war und zum anderen, weil das Publikum eher aus Gruppen junger Mädels oder Herren, weniger aber aus Pärchen bestand. Sei's drum. Als Sängerin und Animateurin machte Luca ihre Sache recht gut und die o.a. organische Inszenierung ließ auch eine gesittete Live-Atmosphäre aufkommen. Indes fehlte den Songs selbst dann im Nachhinein öfter mal der besondere Kick, der den einen oder anderen aus der Masse des dargebotenen dann irgendwie hätte herausragen lassen. So gesehen kam das dann alles ein wenig gleichförmig daher.

Wie das hätte aufgemischt werden können, zeigte sich im Zugabenblock: Da Luca zuvor schon alle Songs ihres Albums gespielt hatte, gab es zur Zugabe noch zwei akustische Versionen der zuvor bereits gegebenen Songs "Black Tears" (das auch als Single vorliegt) und "Imperial", sowie einen Song namens "E poi" auf italienisch. Das war dann musikalisch fast noch spannender und intensiver als das (wie gesagt livetechnisch recht ansprechend in Szene gesetzte) saubere abarbeiten der CD-Nummern. Immerhin: Man kann so etwas auch weit weniger charmant und wesentlich steriler in Szene setzen als das Luca Vasta und ihre Band an jenem Abend gemacht haben, so dass die Sache unter dem Strich insgesamt doch als Empfehlung für einen kurzweiligen Konzertabend durchgehen kann.

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Surfempfehlung:
www.lucavasta.com
www.facebook.com/VastaTV
steffenlinck.blogspot.com
www.facebook.com/steffenlinck
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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