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Konzert-Bericht
 
Musik von der Farm

Gregory Alan Isakov
Stephen Kellogg

Köln, Studio 672
26.10.2014

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Gregory Alan Isakov
Zwar hatte Gregory Alan Isakov 2012 seinen Song "Big Black Car" an McDonalds verkauft (um mit dem Erlös Non-Profit-Organisationen zu unterstützen, die notleidenden Farmern, zu denen er zu dem Zeitpunkt auch gehörte, unter die Arme zu greifen) - das alleine erklärte aber nicht unbedingt, wieso das Konzert im Kölner Studio 672 ausverkauft war. Nicht nur Isakov, sondern auch sein Support, der schlacksige Songwriter Stephen Kellogg, waren jedenfalls ebenso erfreut wie überrascht über den Zuspruch, den sie mit ihren im Grunde genommen am Ende nicht besonders ungewöhnlichen Folksongs erfuhren. Letztlich sind es aber diese Unwägbarkeiten, die das Musikbusiness bis heute so spannend und unvorhersehbar machen.
Kellogg, der mit diesem Konzert sein Deutschland-Debüt als Songwriter feierte (Kellogg hat deutsche Wurzeln und war als Gast seines Großvaters vorher bereits privat im Lande), war im Vergleich dann der konventionellere der beiden Protagonisten des Abends. Seine solide konstruierten, autobiographischen Songs, in denen er die Geschichte seines Lebens in dreieinhalb Minuten erzählte (wie er sagte), litten ein wenig unter ihrer Vorhersehbarkeit und dem Umstand, dass Kelloggs Leben bei aller Liebe nicht besonders interessant verlaufen zu sein schien. Das minderte etwas die Wirkung des Enthusiasmus, den der im Grunde genommen sympathische Performer im direkten Dialog mit dem Publikum, das er auf unterhaltsame Art in sein Wirken einbezog, entwickelte. Musikalisch erinnerte der Mann in der Art, wie er seine Dur- und Moll-Akkorde paritätisch nach dem Prinzip laut/leise, gemäßigt und flott zusammensetzte, an einen Kollegen, der heutzutage fast schon wieder in Vergessenheit geraten ist: In den 80ern versuchte der junge Steve Forbert nämlich in ähnlicher Art auf die großen seines Genres (Springsteen z.B.) aufzuschließen. Kurzum: Performerisch bot Kellogg genau das, was man von einem Solo-Folkie auch erwartet, während von der Substanz her noch Luft nach oben zu sein schien.
Der in Südafrika geboren aber in den USA aufgewachsene Isakov ist da schon aus einem etwas anderen Material geschnitzt. Zusammen mit seinem Gitarristen präsentierte er nämlich vorwiegend die Songs seines brillanten letzten Albums "The Weatherman" erstmals in einem gedämpften Duo-Setting. "Das ist ganz schön furchteinflößend", erläuterte er das Konzept, "aber wir sollten ja am besten sowieso jeden Tag etwas tun, das furchteinflößend ist. Zum Beispiel Songs im Bus zu schreiben..." Der Mann, der bis heute eine kleine Farm bewirtschaftet, behauptet von sich, dass seine Songs nichts mit ihm persönlich zu tun haben, sondern praktisch ein Leben ihrer selbst führten. Das erklärt vielleicht den universellen Charakter, den seine Stücke zuweilen annehmen. Etwa das treffend betitelte "Universe" - oder auch das eher allegorische "Big Black Car". Letztlich führt es dazu, dass Isakov sich von dem allgemeinen Bedsitter-Image distanzieren kann, das vielen Songwritern innewohnt und dazu führt, dass deren Elaborate dann schnell einen wehleidigen Charakter annehmen. Wehleidig sind Isakovs Songs nämlich nicht - eher schon düster und mit einem leichten Unterton von Gefahr im Gepäck.

Isakov selbst spielte nur akustische Gitarre und ein wenig Mundharmonika und überließ es seinem Partner Steve Varney, mit E-Gitarre und Banjo dann facettenreich die eigentlich fehlende Band zu emulieren. Letztlich fehlte da aber nichts, da Varneys variantenreiches Spiel immer wieder für dynamische Höhepunkte sorgte. Zuweilen rockte das dann ganz gut (etwa in dem metaphorischen Städteportrait "Amsterdam"), wobei sich Isakov dazu hinreißen ließ, mit einem Kickboard den notwendigen Beat beizusteuern. Da das aber nur punktuell passierte und es auch viele ruhige Folk-Momente gab, blieb das ganze Konzert dann letztlich spannend. Was indes Isakov an songwriterischer Finesse und arrangementstechnischen Überraschungen präsentierte, wurde durch die allgemeine Performance stark beeinträchtigt. Isakov versteckte sich nämlich die meiste Zeit des Konzertes hinter zwei Mikrophonen im hinteren Teil der (eh nicht ausgeleuchteten) Bühne. Dieses tat er wohl, um mit Varney besser kommunizieren zu können - nur hätte man das ja relativ einfach lösen können, indem Varney zusammen mit Isakov direkt am Bühnenrand platziert hätte werden können. Nur für einen "nerdigen Folkie-Moment" gesellten sich Varney und Isakov gemeinsam an ein klassisches Bühnenmikro, um einige Tracks rein akustisch zum Besten zu geben. Insgesamt führte das zu einer unnötigen (und auch respektlosen) Distanz zum Publikum, denn sehen konnten so die wenigsten, was da auf der Bühne passierte. Als Isakov dann noch erklärte, dass er in den USA eine Tour durch Planetarien absolviert habe, und man zum "Universe"-Song das Licht doch auch noch dimmen könnte, war das Maß dann endgültig voll. Nochmal: Live-Musik wird nicht dadurch besser, dass man die Musiker nicht sehen kann.

Ansonsten und rein musikalisch überzeugte Isakov aber durch seine ruhige, unaufgeregte Art, die Intensität der Performance und nicht zuletzt die auf interessante Weise strukturierte Art seines Materials, das so wenig mit typischen Americana-Klischees zu tun hatte, die man so oft in diesem Kontext präsentiert bekommt.

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Surfempfehlung:
gregoryalanisakov.com
www.facebook.com/gregoryalanisakov
www.stephenkellogg.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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