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Kinderkram

Sons Of Bill

Köln, Blue Shell
10.02.2015

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Sons Of Bill
Kaum zu glauben, aber obwohl Sam, Abe und James Wilson schon seit 2006 zu Ehren ihres Vaters, Bill, dessen Söhne sie halt nun mal sind (und weswegen sie im übertragenen Sinne eben Kinderkram machen), als musikalisches Familienunternehmen unterwegs sind, fanden sie erst jetzt den Weg in die Domstadt. Und wirkten hier auch gleich ein wenig deplatziert. Weniger deswegen, weil nur der harte Kern der üblichen Americana-Freunde den Weg ins Kölner Blue Shell gefunden haben, sondern deswegen, weil die Herren, die noch um die wackerer Rhythmusgruppe Seth Green und Todd Wellons ergänzt werden, eher bodenständigen als urbanen Charakters sind. So wusste Ober-Bruder Sam Wilson nie so recht, was er dem Kölner Publikum eigentlich sagen sollte und die Songtexte, die die Wilsons für gewöhnlich implementieren, sind dann so bodenständig und "landeierig" (und archetypisch amerikanisch), dass sie einem städtischen Publikum an einem kalten Winterabend eigentlich so rechts nichts sagen wollen. Das war freilich den Fans eher egal, denn diese sangen die wortreichen Texte teilweise Zeile für Zeile mit.
In diesen Texten geht es denn um die üblichen US-Themen wie Straßenstaub und weite Landschaften und sogar das Angeln. Allerdings im Vergleich zu anderen US-Acts mit einem bemerkenswerten Unterschied: Während der "normale" US-Troubadour gerne über das (rastlose) Herumreisen im eigenen, verwirrend weitläufigen Land erzählt, treiben die Sons Of Bill die Liebe zur eigenen Scholle dergestalt auf die Spitze, dass wenigstens die Hälfte der Songs Bezüge zur Heimat (in dem Fall den Staat Virginia enthalten). Das ist auch insofern bemerkenswert, als dass Sam sich mehrfach für den sentimentalen Tenor seiner Songs entschuldigte. Ehrlich gesagt, geht dieser Aspekt in der allgemeinen, heimatlichen Melancholia ein wenig unter. Nur selten geht es dabei metaphorisch ein Mal ins "Big Unknown" oder findet ein Song wie "Bad Dancer", in dem es eher um Mädels geht, mal den Weg auf die Setlist.
Musikalisch sind die Sons Of Bill weiland als die jungen Wilden der Szene angetreten - ein Image, das sie bis zu ihrem rockigen Europa-Debüt "Sirens" pflegten. Das neue Album, "Love & Logic" wurde indes von Produzent und gewesenen Wilco-Mitglied Ken Coomer bewusst als zeitloses, aber vielseitiges Old-School-Werk angelegt. Diese Vielseitigkeit ließ sich indes nicht so nahtlos auf die Bühne transferieren. Daran mag auch die beeindruckende handwerkliche Perfektion, mit der die Sons Of Bill aufspielen, nicht unschuldig sein. Die Herren scheinen mit ihren Instrumenten auf die Welt gekommen zu sein. Da gab es nicht einen schrägen oder gar falschen Ton, keinem Spielfehler, keine ungestimmte Saite, keinen verstolperten Beat und sogar ein leichtes Verstärker-Brummen wollte Sam Wilson bereinigen. Aber: Perfektion ist ja eigentlich nicht gut genug. Gerne hätte man sich als Zuhörer da ein wenig mehr Mut zur Lücke und zur Inspiration gewünscht. Denn es war nicht nur alles perfekt inszeniert, sondern auch vorhersehbar.

Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Sons Of Bill ihre Aufgabe als Songwriter bedeutend ernster nehmen (und besser machen) als etwa die Kings Of Leon und sich bemühten, durch den Wechsel der Gitarren, abwechselnde Lead-Vocals und den Einsatz eines Keyboards die Sache lebendig zu gestalten, litt das Set am Ende dann doch unter der unerbittlichen - wie gesagt perfekt inszenierten - Gleichförmigkeit. Diese rührt wohl auch daher, dass sich die Brüder als Charaktere recht ähnlich zu sein scheinen. So richtig spannungsgeladen war das am Ende alles nicht. Da fehlte einfach ein wenig Schmutz unter den Fingernägeln des Rock'n'Roll. ABER: Es gibt ja durchaus Leute, die auf Perfektion stehen und die wurden hier tatsächlich in Reinkultur bedient. Hinzu kommt, dass die Sons Of Bill als Performer durchaus nicht unsympathisch rüberkommen, so dass am Ende dann doch ein positiver Gesamteindruck überwog.

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Surfempfehlung:
sonsofbill.com
www.facebook.com/sonsofbill
twitter.com/sonsofbill
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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