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Konzert-Bericht
 
Die Unsichtbaren

The Preatures
The Blackberries

Köln, Gebäude 9
21.02.2015

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The Preatures
Nicht nur in ihrer australischen Heimat zählten die Preatures bereits vor der Veröffentlichung ihres nun auch bei uns erhältlichen Debüt-Albums "Blue Planet Eyes" zum heißen Scheiß. Insbesondere aufgrund ihrer bereits vor zwei Jahren veröffentlichten Single-Hits "Is This How You Feel?", der einen vielprämierten Siegeszug um die ganze Welt antrat und dafür sorgte, dass auch die britische Musikpresse ihre Hype-Maschinerie aktivierte, gehörte die Band um die charismatische Frontfrau Izzy Manfredi schon seit längerer Zeit zu den angesagten Next Big Things. Nach einer erfolgreichen Stippvisite im letzten Jahr stand nun im Rahmen einer Europa-Tour das offizielle Bühnendebüt der Band in unseren Breiten an. Wie das manchmal so ist, schien der ganze Rummel sich dann auch hierzulande bereits herumgesprochen haben, so dass sich am Ende recht viele begeisterte Fans im gut gefüllten Gebäude 9 tummelten.
Die Show eröffneten zunächst mal die Blackberries aus Solingen. Die fünf jugendlichen Herren haben sich klassischem Retro-Rock mit deutlichem 70s Einschlag verschrieben. Dabei mengen sich Elemente aus klassischem Power-Pop, Paisley Underground, Westcoast, Pschedelia und am Ende eine vielleicht etwas zu stark ausgeprägte Vorliebe für Prog-Dramatik auf eigentlich recht elegante Weise zusammen. Insbesondere handwerklich überzeugte das Quintett mit seinem spielfreudigen Mix, der unter anderem ausgedehnte instrumentale Duelle zwischen den tonangebenden Gitarren und einem geschickt implementierten Keyboard enthielt durchaus. Auf jeden Fall brauchen sich die Jungs keineswegs hinter den viel älteren Herren zu verstecken, die ansonsten Musik wie diese für gewöhnlich produzieren. Viel dagegen zu sagen gab es eigentlich nicht - außer vielleicht, dass dieser Mix musikalisch so gar nicht zu jenem des Headliners passte und dass das Publikum diesen insofern vielleicht nicht unbedingt in diesem Zusammenhang hören wollte - was dann den eher verhaltenen Zuspruch erklärte.
Es folgte dann eine endlose Umbaupause, die im Vergleich zu dem dann folgenden, extrem kurzen Set der Preatures in der Erinnerung geradezu monumental erschien. Als dann die Preatures nach einer gefühlten Ewigkeit endlich die Bühne erklommen, konnte dann die Party los gehen. Isabella "Izzy" Manfredi ist dann letztlich das Pfund, mit dem die Band wuchern kann. Izzy ist ein hyperaktives Powerhouse und eine geborene Rampensau, die keine Sekunde still stehen mag (außer vielleicht, wenn sie an ihr Keyboard gefesselt die Balladen der Band präsentiert). Zu vergleichen ist das, was die Preatures live bieten, eigentlich nur mit dem, was ihre kanadischen Kollegen von Metric um Frontfrau Emily Haines für gewöhnlich leisten. Aber bitte nicht bezogen auf musikalische Parallelen, sondern nur auf die präsentierte Live-Energie. Wobei selbst Emily Haines bislang auf der Bühne noch keine Räder und Purzelbäume schlug - diese Ehre bleibt Izzy Manfredi vorbehalten. Die Preatures gehören dabei übrigens zu jener seltenen Kategorie von Acts, die bei ihren Up-Tempo-Nummern (die das Tagesgeschäft der Band darstellen) unsichtbar werden. Und zwar in dem Sinne, dass der offensichtlich bekiffte Licht-Direktor bei diesen Nummern dafür Sorge trug, dass die Band schlicht nicht mehr beleuchtet wurde (während er ansonsten alle Möglichkeiten, die eine automatisierte Lightshow bietet, in vollem Umfang ausschöpfte). Das war dann schon mehr als irritierend, da das Publikum so kaum ausmachen konnte, was Izzy (die sich gelegentlich auch laszive Duette mit Gitarrist Tom Champion oder Drummer Luke Davison leistete) gerade so trieb und schon gar nicht deren publikumsnaher Anmache, zu der sie sich vorzugsweise an den vorderen Bühnenrand kniete, folgen konnte. Verständlich war das nicht, da erstens die Musik dadurch nicht besser wurde und eben die Performance einen großen Teil der Wirkung verlor.

Das Programm der Show bestand logischerweise aus den Tracks der Debüt-CD sowie einigen älteren EP Nummern, die im konsequenten No-Nonsense-Format präsentiert wurden. Nur selten ein Mal gab es Extended Versions der Studio-Versionen und noch seltener wendete sich Izzy direkt an das Publikum. Eigentlich gab es nur einen Hinweis darauf, dass die Debüt-CD nun endlich auch in Deutschland erhältlich sei, die Aufforderung doch näher an die Bühne heranzutreten und der Hinweis, dass sich die Band - immerhin - am Merch-Stand für eine direkte Kontaktaufnahme nach dem Konzert empfahl. Das ging aber soweit in Ordnung, als dass das Programm mit deutlich unter einer Stunde ja eh schon knapp genug bemessen war. Bei den ruhigeren Nummern zeigte sich Izzy dann insofern außer Atem, als dass hier dann nicht jeder Ton dort saß, wo er eigentlich hingehört hätte. Ein Schelm, der Böses dabei dachte. Im Vergleich zu den Studioaufnahmen besitzt der New Wave Pop der Preatures im Live-Kontext deutlich mehr Punch. Insbesondere die Gitarrenparts wirken hier greifbarer, rockiger und vor allen Dingen weniger künstlich verfremdet als bei den Studio-Aufnahmen. Den Fans gefiel das Ganze jedenfalls: Wie oft in solchen Fällen, wurden die Songs eifrig mitgesungen. Und was für junge, aufstrebende Acts wichtig ist, wenn sie ein gewisses Erfolgslevel anstreben: Den Preatures gelingt es, junge Damen - und das nicht nur als Teil von Pärchen - zu aktivieren. Im Prinzip haben die Preatures also das Zeug zur perfekten Live-Band. Nur an der Laufzeit des Programmes und der optischen Inszenierung muss da noch gearbeitet werden. Einen unerwarteten Vorteil hatte die kurze Show aber dann doch: Trotz aller körperlichen Aktivitäten erschien Izzy Manfredi am Ende weit weniger derangiert und durchgeschwitzt als zum Beispiel Emily Haines nach einem Metric-Konzert.

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Surfempfehlung:
www.thepreatures.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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