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Familienfest

Steve Wynn + The Miracle 3
Chris Cacavas

Köln, Underground
13.11.2001

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Steve Wynn
"Steve spielt so gerne live, dem könnte ich eine Tour an Bushaltestellen buchen - das würde der glatt machen", erzählte mal der Tourmanager von Steve Wynn. Insofern überraschte es nicht, daß Steve und die Miracle 3 + 1 (Chris Cacavas) auch an diesem Abend wieder voll motiviert waren. Alles andere ist ja zum Glück immer eher ungewiß. Normalerweise verfügt Steve nämlich immer über einen Pool von ca. 50 Songs, aus denen dann spontan ausgewählt werden kann (Das geht dann sogar soweit, daß Linda Pitmon, die Drummerin und Setlistenbeauftragte vor dem Konzert herumgeht, und fragt, wer was an diesem Abend gerne hören möchte). Da auf dieser Tour jedoch Scott Yodel am Baß für den aus persönlichen Gründen verhinderten Dave DeCastro einspringen mußte, reduzierte sich das auf "nur" 30 Songs. Den Nukleus der Show bildeten jedenfalls die Stücke von der aktuellen Doppel-CD, "Here Come The Miracles", die von Chris Cacavas Keyboard-Parts profitieren konnten.
Cacavas, den Steve schon seit Urzeiten kennt, und der auch auf dem besagten Album mitspielte, eröffnete die Show mit einem Solo-Set. Chris ist einer der großen Misanthropen unserer Zeit. Das ist jetzt gar nicht negativ gemeint, ändert aber nichts an dem Umstand, daß die akustische Gitarre nicht eben sein Instrument ist, und seine Stimme nun doch arg lamentös klingt - was einem feurigem Support-Act ein wenig im Wege steht. Im Underground entschloß er sich dann auch noch, fast nur balladeskes Zeug zu spielen - meist Tracks von seiner im Februar erscheinenden neuen CD und einige Klassiker wie "Perfect". Da kann man übrigens mal sehen, was das Ambiente ausmacht: Zu Beginn der Tour, im Hamburger Knust, wo eine tolle Stimmung, aber ein mieser Sound herrschte, artete die ganze Show nämlich von vornherein in eine rotzige Rock-Geschichte aus. Cacavas meinte dort denn auch, ein paar "Punk"-Stücke spielen zu müssen (Damit war z.B. das wavige "On My Back" von der neuen CD gemeint). Das daß seinem Act gut tat, merkte man allerdings erst in Köln, wo er sowas ganz weg ließ. Schließlich griff er gar noch zum Sampler und fabrizierte einen höchst spröden, rhythmisch ungelenken Loop, mit dem er dann gar nicht mehr zurecht kam. "Was habe ich mir dabei nur gedacht?", fragte er zurecht. Der eher laue Auftritt war leider überhaupt nicht dazu angetan, das wirklich brillante neue Album entsprechend zu bewerben.
Aber es war ja auch eigentlich eine Steve Wynn-Show. Und als Chris dann als assoziiertes Mitglied an den Keyboards platz nahm, kam die Sache auch richtig ins Rollen. Insbesondere Tracks, wo man nicht danach suchte, verliehen seine Spielereien Tiefe (z.B. bei "Death Valley Rain") - ganz zu schweigen von Stücken wie "Draught", das ja ganz auf einem Keyboard-Sound basiert. Der Sound im Underground war wesentlich besser als im Knust, und anstatt - wie dort und notgedrungen - die Stooges zu emulieren, gab's in Köln Wynn pur. Zum Beispiel hatte sich die Jam-Session in "Smash Myself To Bits" wieder auf ein überschaubares Maß reduziert. Gitarrist Jason Victor hat sich mittlerweile dermaßen gut in die Band integriert, daß garantiert niemandem auffiel, daß er an diesem Abend total verschnupft war und nur mit halbem Körpereinsatz spielte. "Mann, ich wünschte, mir ginge es besser", schniefte er noch kurz vor der Show. Im Knust ließ er noch ganz gewohnt den Derwisch raushängen - drehte dafür aber in Köln seinen Verzerrer bis an die Schmerzgrenze auf und transformierte so z.B. die Zugabe "That's What You Always Say" und andere Stücke zu wahren Heavy Metal Versionen. Eine andere Zugabe hat sich aber mittlerweile zu einem Favoriten der Band gemausert. Es ist das "500 Girls Morning" von "My Midnight". Erstaunlich ist das deswegen, weil dies zunächst mal ein problematisches Stück war, daß Steve gar nicht live spielen wollte. Im Laufe der Zeit veränderte es sich dann so sehr, daß es - so Steve - mittlerweile zum "Louie, Louie" der Band wurde. Das zeigte sich z.B. im Knust auch dadurch, daß Steve sich vor lauter Begeisterung selbst an die Keyboards drängelte (die er gar nicht spielt). In Köln ging alles geordneter zu. Zunächst gab es noch als Schmankerl "Weathered & Torn" vom Dream-Syndicate Album "Ghost Storys", auf dem Cacavas zuerst mitspielte und dann griff letzterer nochmals zur Gitarre und kredenzte als Frontmann ein Stück seiner eigenen CD "Anonymus", die Steve weiland produzierte. "Hits" wie "Wine & Roses" und "Burn" gab's natürlich auch noch. Nach dem Konzert nahmen sich dann sowohl Chris Cacavas wie auch Steve und die Band Zeit, mit den Fans zu plaudern und alles zu signieren, was sich nicht wehrte. Wie immer haben Steve Wynn-Konzerte eine Art familiärer Atmosphäre - was zum einen daran liegt, daß Steve in jeder Stadt quasi eine "Homebase" hat und zum anderen etliche Fans und Freunde, die ihm durchaus auch nachreisen. Aber auch für "Außenstehende" dürfte dieser Abend durchaus in angenehmer Erinnerung verblieben sein. Sind wir indes mal gespannt, wie sich Chris Cacavas denn anhört, wenn er im Frühjahr mit eigener Band auf Tour kommt...

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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