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Mützenmusik

Kovacs

Köln, Clubbahnhof Ehrenfeld
17.05.2015

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Kovacs
Mit dem Anspruch, Blues und Jazz mit Pop-Elementen zu vermengen, tritt Sharon Kovacs zweifelsohne in ziemlich große Fußstapfen diverser namhafter Vorgängerinnen, denen sie mit ihrer Kunst - auf ihre eigene Art - auch entsprechend Tribut zollt. Zweifelsohne ist der jungen Niederländerin, die zur Zeit in Berlin residiert, dieses Unterfangen aber gleich im ersten Anlauf gelungen, denn nachdem sie sich zunächst ihre musikalischen Sporen als Straßenmusikerin erworben hatte (und somit wohl gleichzeitig eine musikalische Ausbildung genoss, die sie dann an der lokalen Musikschule vervollständigte), landete die Dame aus Eindhoven gleich mit ihrer von dem Produzenten Oscar Hollermann in Szene gesetzten, ersten EP "My Love" einen veritablen Hit.
Hollermann war auch einer der ersten, der feststellte, dass ihre gehaltvolle, dunkle Soul-Stimme so gar nicht zu dem rebellischen, punkigen Äußeren der quirligen, aber zierlichen Person passt. Wie dem auch sei: In den Niederlanden ist die Art von Musik, die Kovacs macht, durchaus salonfähig - denn dort gibt es eine ganze Szene von Musikanten, die eine Verbindung aus klassischen Old-School-Stilen und modernem Pop-Elementen betreiben. Deswegen war es sicherlich ein mutiger Schritt, ihre Karriere dann von Berlin aus international anzugehen. Das hat dann wohl zur Folge, dass sich das Publikum von Kovacs aus Leuten rekrutiert, die nicht unbedingt zur typischen Konzertbesucher-Klientel gehören und die auch schon etwas älter sind. Das war - zumindest beim Kölner Konzert - insofern von Bedeutung, als dass Kovacs ihr Programm nicht nur auf den Songs ihres Debüt-Albums "50 Shades Of Black" basierte, sondern auch mit Coverversionen garnierte. So spielte sie etwa Grace Jones' "Strange, I've Seen That Face Before", an das sich das Publikum gewiss erinnern konnte, das sie zunächst als Straßenmusikerin gespielt hatte, bevor sie sich damit bei Hollermann vorstellte - als Akustik-Version und später dann den Echosmith-Song "Cool Kids" (der ja eher auf ein Teenie-Publikum zugeschnitten wäre) als cool verschleppte Trip-Hop-Version.

Überhaupt war zu beobachten, dass der Soundmix, den Kovacs mit ihrer variantenreich besetzten Band im Live-Kontext bevorzugte, eher in Richtung Trip-Hop als etwa Blues ging. Das war dann - zumindest für diese Location - ein wenig problematisch, denn in der röhrenartig angelegten, in einem Brückenbogen untergebrachten Halle gibt es einen akustischen Schlaucheffekt, bei dem der volle Bühnensound eigentlich nur im hinteren Teil der Halle zu genießen ist. Insbesondere die Vocals verschwanden nämlich im vorderen Teil im eh viel zu basslastigen Soundmix. (Überhaupt wäre es effektiver gewesen, mit einem akustischen als mit dem sehr bauchigen und lauten elektrischen Bass aufzutreten.) Dafür hatte man sich bei der liebevollen Bühnendeko viel Mühe gegeben, die mit allerlei Kerzen, Laternen, Retro-Möbeln, Vogelkäfigen, Dreamcatchern, diversen Goth-Accessoires und sogar einem Rattan-Sessel, von dem aus Kovacs einen Song durch ein Telefon sang, dekoriert war. Schade, dass zusätzlich so viel Kunstnebel eingesetzt wurde, dass vieles davon - nun ja - vernebelt wurde. Kovacs selbst trat natürlich mit ihrer unverzichtbaren Kunstfell-Mütze auf und machte einen sympathisch zurückhaltenden Eindruck. Zwar hatte sie auf ihrer Setlist an diversen stellen "praten" notiert - aber viele Worte verlor sie dennoch nicht. "Lasst uns doch lieber ein wenig Musik spielen, okay?", fragte sie stattdessen rhetorisch.

Selbstredend war die ganze Show auf Sharons Gesang ausgerichtet - dennoch bot die fünfköpfige Band das ganze musikalische Spektrum, das auch auf der CD zu hören ist - allerdings dankbarerweise ohne den dort anzutreffenden James Bond-Pomp. Im Live-Kontext ging es stattdessen darum, die Songs mit Geige, Gitarre, Akkordeon, Keyboards, Trompete und diversen Percussion-Zutaten entsprechend variantenreich auszustaffieren, was von den Musikern effektiv, aber nicht glamourös inszeniert wurde. Überhaupt ging es Kovacs, die sich offensichtlich noch erfrischend natürlich über den Zuspruch ihrer Fans erfreuen kann, darum, die Musik, und nicht ihre Persona in den Vordergrund zu stellen. Nach gut einer Stunde ging dann das Konzert offiziell mit einer coolen, aber nicht unterkühlten Version von "My Love" zu Ende. Fazit: Auch wenn Kovacs jetzt nicht unbedingt das Rad neu erfunden haben mag, empfahl sie sich mit dieser Show als kompetente und unterhaltsame Live-Performerin, die insbesondere gesanglich und mit der Qualität ihres Songmaterials zu überzeugen wusste und mit leichter Hand Altes und Neues auf elegante Art zu einer letztlich dann auch eigenständigen Melange zu verquicken versteht.

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Surfempfehlung:
www.kovacsmusic.com
www.facebook.com/Kovacsmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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