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Glen Hansard
The Lost Brothers

Köln, Live Music Hall
12.10.2015

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Glen Hansard
Glen Hansard hat das Kunststück vollbracht, mit seiner Musik genau jene Generation zu erreichen, die zwischen dem jugendlichen Teenager-Dasein (in dem Musik ja noch wichtig und notwendig ist) und dem Zustand altersbedingten Realitätspragmatismus liegt, in dem Musik unwichtig bzw. bestenfalls egal ist. Insofern war dieses Mal die ausverkaufte Live Music Hall mit echten Musikfans gefüllt, wie man sie in dieser Masse selten bei Konzerten antrifft. Hansard selbst schien das zu spüren, denn gleich mehrfach bedankte er sich bei dem Publikum, das nicht nur da, sondern spürbar anwesend sei – wie er es formulierte. Insofern schien der ganze Abend in jeder Beziehung besonders stimmig zu sein.
Das fing schon mit dem Support Act an. Hier hatte sich Hansard das irische Duo The Lost Brothers ausgesucht. Die Lost Brothers sind zwar keine richtigen Brüder, bauen aber ihr komplettes Set um den wahrhaft brüderlichen Harmoniegesang auf, der das Markenzeichen des Duos ist. Musikalisch bedienen sich Mark McCausland und Oisin Leech dabei weniger irischer, sondern vielmehr amerikanischer Musiktraditionen. Mit ihre perfekt inszenierten Folksongs referenzierten sie ein ums andere Mal Acts wie Simon & Garfunkel (was das Setting betrifft), Hank Williams oder Bob Dylan (dessen "Forever Young" hier wieder auf seine folkigen Roots zurückgeführt wurde). Dabei demonstrierten die Herren die lässige Routine, die sie sich etwa durch die Zusammenarbeit mit u.a. den Arctic Monkeys, Brendan Benson, Old Crow Medicine Show oder Ryan Adams Cardinals erworben haben. Der technisch versierte No Nonsense Approach der Lost Brothers sorgte zudem dafür, dass das Material punktgenau, aber auch spielfreudig dargeboten wurde. Die oft bei solchen Acts zu beobachtende Retro-Verklärung hielt sich ergo in Grenzen: Den Lost Brothers nimmt man ihr Tun ohne Weiteres ab.
Schließlich wurde das Wohnzimmer, das bei einem Glen Hansard-Konzert gemeinhin die Bühne ausmacht, bereit gemacht für den Meister und seine aktuelle Band, zu der auch seine alten Kumpel, der Frames-Gitarrist Rob Bochnik (mit dem er sich die Gesangsparts teilt) und Bassist Joe Doyle gehören. In der momentanen Besetzung findet sich des Weiteren ein Streicherinnen-Duo, eine Pianistin (inkl. Flügel) und jene Bläsergruppe, die auch dem aktuellen Album "Didn't He Ramble" wieder jenen einzigartigen Northern Soul Touch verleiht, die Hansards Musik momentan so einzigartig macht. Hansard gehört als Performer zu jener Gattung, die sich lieber im Halbdunkel halten und der schon gar nicht auf laute Töne setzt. Das war dann für eine Halle von der Größe der LMH insofern ein Problem, als dass die optische und akustische Reichweite in vollem Umfang eigentlich nur für die Hälfte der Leute ausreichte. Das ist dann eben der Preis der Popularität.

Andererseits ist es natürlich gut zu wissen, dass Hansard nicht zu jenen gehört, die ihren Shtick nur deswegen aufpimpen: Er bleibt halt, wie er ist. Dazu gehört auch, dass er weder über Bäche springt, noch Stromschnellen durchquert oder Abkürzungen über Brücken oder Furten sucht: Hansard braucht lange, ruhige Flüsse, auf denen er dann in aller Ruhe entlang gleiten kann. So etwas wie Hast gibt es da nicht zu beobachten und Zeit zum "ramblen" bleibt da auch. Die wenigen Up-Tempo-Momente (etwa "When Your Minds Made Up") werden dann eher spontan (Hansard änderte immer wieder die Setlist) über das ganze Set verteilt. Das alles bedeutet nicht, dass Hansard nicht durchaus auch mal Inbrunst oder Energie zum Besten gibt. Er mag halt nur keine Rockmusik mehr. (Und wenn, dann kanalisiert er die eben mal in einem Frames-Song.) Und es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten, Druck zu machen - so zum Beispiel bei dem nicht geprobten "Way Back In The Way Back When", dss als solide R'n'B-Nummer geboten wurde, die stilistisch sogar etwas aus dem ansonsten relaxten Irish-Soul-Setting herausfiel. Hansards Kerngeschäft waren und sind allerdings seine wortreichen, epischen Balladen a la "Grace Beneath The Pines", zu denen er dann auch mal gerne die eine oder andere Geschichte zum Besten gibt. Wie etwa jene der Entstehungsgeschichte zu "McCormacks Wall", zu dem sich Hansard selbst ans Piano setzte. Dabei zeigt der Mann, dass auch bei seinen ohrenscheinlich nachdenklich/philosophischen Epen zuweilen der Humor bzw. Ironie eine gewisse Rolle spielen. Manchmal erlaubt sich Hansard auch direkt mit seinem Publikum einen Spaß - etwa indem er zum Intro seines eigenen Songs "Talking With The Wolves" - einfach weil das musikalisch passt - "Wir fahr'n fahr'n fahr'n auf der Autobahn" singt. Insgesamt gelingt es Hansard dabei recht gut, das, was er selbst "rambling" nennt, dem Publikum zu vermitteln. Was aber im Übrigen nicht besonders schwierig war, denn das Publikum war ja nicht nur da, sondern sogar anwesend.

Abschließend sollte vielleicht noch angemerkt werden, dass Hansard zwischenzeitlich seine Verehrung für Van Morrison auf einen überschaubaren Rahmen zurückgefahren hat: Hansard 2015 war jedenfalls sehr viel mehr er selbst als ein Fan des großen Vorbildes (das sah bei seinem letzten Besuch in Köln noch ein wenig anders aus). Inzwischen hat Glen Hansard einen Status erreicht, bei dem er eigentlich machen kann, was er will - zum Beispiel Titel wie "Come Away To The Water" (immerhin ein Song aus der Sicht des Todes, wie er erklärte) für Soundtracks einzuspielen. Gut feststellen zu dürfen, dass er dabei nicht abgehoben hat und eigentlich immer noch der Alte geblieben ist.

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Surfempfehlung:
glenhansardmusic.com
www.facebook.com/GlenHansardMusic
thelostbrothersband.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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