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Alle guten Dinge sind Giant Sand³

Giant Sand

Köln, Yard Club
22.11.2015

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Giant Sand
Vor drei Jahren spielte Howe Gelb - damals als Giant Giant Sand in großer Besetzung unterwegs - ein gefeiertes Konzert in der Kölner Kantine (das ist der große Saal des Gebäudes, in dem sich der kleinere Yard Club befindet). Heutzutage ist man zwar bei Giant Sand³ angelangt, aber es war dann doch schon ein wenig wagemutig, auch diesen Auftritt in der Kantine anzusetzen, denn erstens war Giant Sand - passend zum 30-jährigen Bandjubiläum - vor gerade mal einem halben Jahr schon ein Mal mit dem aktuellen Album "Heartbreak Pass" in der Gegend unterwegs und dann war dieses Mal auch noch ein Drittel der damaligen Besetzung verlorengegangen: Weder die Schwedin Maggie Bjørklund, noch Dunja Ercegovic aus Zagreb waren mit dabei. Es kam also wie es kommen musste: Der Vorverkauf stockte und das Konzert wurde kurzerhand auf den Yard Club zurückgestuft.
Nun ist es aber so, dass der kleinere Club alleine mit den Fans, die gewohnheitsmäßig zu einem Giant Sand-Konzert laufen (und das sind nach wie vor so einige) diesem Format schon angemessen erschienen, so dass es am Ende richtig voll wurde. Vermutlich auch deshalb, weil es die besagten Fans einfach interessierte, warum der Meister nach so kurzer Zeit schon wieder die Notwendigkeit verspürte, die Bühnen der Republik unsicher zu machen. Das wurde dann im Folgenden auch erfreulich deutlich. Zunächst aber kündigte Gelb, wie das mittlerweile seine Art ist, Musiker aus der aktuellen Besetzung als Support Act an: Brian Lopez und Gabriel Sullivan zählen ja heutzutage verlässlich zur Kernbesetzung der Band, sind aber beide auch sowohl in eigenem Namen sowie demnächst mit dem Projekt Xixa als Duo unterwegs. Eine sympathische Geste war es dann, dass Lopez das Programm mit einem Song der verhinderten Maggie Bjørklund (deren LPs übrigens am Merch-Stand mit angeboten wurden) eröffnete, bevor die Herren dann wechselseitig eigene Songs zusammen vortrugen. Mittlerweile haben sich Lopez und Sullivan so perfekt aufeinander eingestimmt, dass die komplexen Gitarrenornamente, mit denen sie ihre (übrigens höchst abwechslungsreichen) Stücke zu verzieren pflegen, wie Zahnräder ineinandergreifen und wie selbstverständlich aus den Instrumenten zu fallen scheinen. So relaxed und cool gingen die Herren dabei zur Sache, dass sie vor Lässigkeit beinahe umgefallen wären. Ergänzen tun sie sich auch irgendwie, denn Lopez singt mit einem passablen, vibratofreien Tenor, während eher Sullivan Aschenbecher-heiser bassgrummelt.
Dann kletterte Howe Gelb auf die Bühne - und begab sich zum Entsetzen der Kenner hinter das Piano. Denn vielen im Publikum war noch die Jazz-Phase des Meisters in Erinnerung, als er eine ganze Tour im Schummerlicht den Barpianisten gab und selbst die verstiegensten Giant Sand-Tracks im Cocktail-Modus präsentierte. "Wir können je erst mal ein wenig Cocktail-Jazz spielen", meinte Howe dann auch - auf seine undurchsichtige Art spöttisch schmunzelnd - und legte dann (zunächst nur mit seinen dänischen Rhythmikern Thøger T. Lund und Peter Dombernowsky) loß. Bevor indes noch die Schweißperlen auf den Stirnen der verängstigten Fans getrocknet waren, gab er das Ganze nach zwei Nummern dann zum Glück dran und griff zur E-Gitarre. Das hatte er auch auf seiner letzten Tour getan - dieses Mal legte er indes noch mehrere Zinken zu. Die eine Überraschung - und wohl auch die Erklärung für diese Tour - war dann der Umstand, dass wesentliche Teile des Konzertes im Heavy Metal- bzw. Punk- bzw. Gitarrengott-Modus dargeboten wurden und die andere war die, dass die Hälfte des Materials schlicht aus neuen Stücken bestand, die noch nicht den Weg auf einen Tonträger gefunden haben.

Zwar fanden auch immer wieder Klassiker wie "Yer Ropes" oder aktuelle Tracks wie "The Eye Opening" oder "Heaventually" den Weg in die Setlist, die dann mal nicht zugerockt, aber öfters mit tatsächlich inspirierten Soli Gelbs und zuweilen auch Lopez und Sullivans angereichert wurden. Es waren dann allerdings die ungewohnt rifflastigen neuen Tracks, die aufhorchen ließen. Diese machten übrigens auch einen Aspekt des altersweisen Songwriters Gelb deutlich, den man früher nicht für möglich gehalten hätte: Plötzlich organisiert Gelb seine Stücke und baut diese mit erkennbaren Strophen, Refrainen, Hooklines, Zwischenspielen, Outros, Intros und jeder Menge Dynamik aus. Das fragmentarische Herumgestochere der Vergangenheit scheint passé. Und das ist auch gut so, wie ein überraschendes Highlight des Abends deutlich machte. Wie aus dem Nichts entwickelte sich da der neue Song "Terribly So", zu dem Lopez auf Anweisung Gelbs hinter dem Piano Platz nahm, zu einem zehnminütigen, epischen, dynamischen Instant-Klassiker mit Ohrwurm-Charakter. Vor lauter Begeisterung riss Gelb dabei eine Saite, sodaß er in der Pause, in der seine Leute ihm eine neue aufzogen, wieder zum Jazz-Klamauk wechselte.

Ein weiteres Highlight der Show hätte das Kölner Giant Sand-Bühnen-Debüt der Gelb-Tochter Patsy Jean werden können, wären die betreffenden Tracks nicht wieder dermaßen zugedröhnt worden, dass man ihre Stimme kaum vernehmen konnte. Gegen Ende des Sets wurde dann nochmals ordentlich aufgedreht. Nachdem Howe sich seine Gedanken über das SMS-schicken gemacht hatte (das sei ja ideal, um mit sich selbst zu texten - und wenn das jemand bemerke, solle man sich einfach einen Finger in das Ohrs stecken, damit es aussähe als habe man Bluetooth) gab es noch eine ordentlich durchgepunkte Version von "Texting Feist", bevor Gelb dann für die Zugabe ganz tief in die Mottenkiste griff und - wie bei der letzten Tour auch - einen Song vom ersten Giant Sand-Album spielte: Dieses Mal war es allerings nicht "Man Of War", sondern "Tumble And Tear", das allerdings - wenn das überhaupt möglich ist - noch härter und druckvoller hingerotzt wurde. Das war dann alles auch überhaupt nicht verwunderlich, denn wenn eine Band mit drei gleichberechtigt agierenden E-Gitarristen aufspielt, dann kommt eben so etwas dabei heraus. Insgesamt hatte also diese Show durchaus ihre Berechtigung, denn es gab hier keineswegs einen Aufguss altbekannter Schemata ... wenn auch im direkten Vergleich zur letzten Tour im Mai ein wenig die Finesse und vor allen Dingen das weibliche Ausgleichselement gefehlt haben mochte.

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www.facebook.com/giantgiantsand
giantsand.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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