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Konzert-Bericht
 
Lieder wie Butterbrote

Brian Lopez & Gabriel Sullivan

Köln, Blue Shell
21.12.2015

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Brian Lopez & Gabriel Sullivan
"Hello Cologne", begrüßte Brian Lopez die wenigen Getreuen, die zu dem vorweihnachtlichen Konzert der beiden Arizoner den Weg ins Kölner Blue Shell gefunden hatten. "Das ist ja, als wären wir nie weg gewesen", führte er dann aus, denn nicht zum ersten Mal spielten er und sein Kollege Gabriel Sullivan in der Domstadt. Erst vor einem Monat waren sie z.B. als Support für und Teil von Giant Sand hier zu Gast gewesen. "Wir mögen Köln", erklärte er dann noch, "denn es ist wie das Tucson von Deutschland - nicht zu groß und nicht zu klein." Das wars dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn was folgte, war klassisches Arizona-Songwriting mit einer Prise Wüstenstaub, ein wenig Tex-Mex-Feeling, jeder Menge Twang und vor allen Dingen äußerster Präzision.
Denn während sich der gemeinsame Chef Howe Gelb gerne darauf versteift, alles locker aus der Hand zu schütteln und dabei auch mal schiefe Töne in Kauf zu nehmen, sitzt bei den virtuos aufspielenden Herren Lopez und Sullivan alles an seinem Platz. Dort gibt es nicht einen Ton zu viel oder zu wenig - wobei sich die Herren sogar eher noch beim sägezahnartig ineinandergreifenden, ornamentalen Gitarrenspiel als beim Gesang ergänzen und jedes noch so abgefahrene Solo mit viel Liebe zum Detail inspiriert auf Hochglanz poliert daher kommt. Wie auch bei den Support-Shows für Giant Sand spielten Lopez und Sullivan dabei Songs aus ihren jeweiligen Solo-Alben. Das Material des gemeinsamen Band-Projektes Xixa, dessen Veröffentlichung für Januar angekündigt ist, hatte man sich dann wohlweislich für die nächste Tour aufgespart. (Denn Lopez und Sullivan machten mehrmals deutlich, dass sie nicht aufhören würden, unsere Bühnen heimzusuchen.)
Aufgrund des reduzierten Settings, bei dem die Herren zwischen ihren akustischen und elektrischen Gitarren hin und her wechselten, war das Material im großen und ganzen natürlich eher balladesk angelegt. Nur selten ein Mal, wie zum Beispiel bei Lopez "Modern Man", ging es "rockig" zur Sache. Den Track spielten die beiden etwa nur auf den akustischen Gitarren, taten das aber betont "tight" und zogen ordentlich vom Leder. Eine Band vermisste man da zum Beispiel kaum. Die beidseitig vorhandenen Effektpedale wurden bei all dem äußerst effektiv und clever eingesetzt - meistens dann, um bestimmte Passagen ein wenig psychedelisch aufzubohren oder gewisse Partien mit Twang zu bereichern. Gabriel Sullivan spielte nicht nur Songs seiner Solo-Scheibe "Jvpiter", sondern auch wieder Tracks von seinem Wahnsinns-Projekt, bei dem er ein Jahr lang jeden Tag einen Song ins Web gestellt hatte. Dabei kam er dann zu dem Schluss, dass das Song-Schreiben auch nichts anderes sei als Sandwiches zu machen: Man müsse sich nur eben hinsetzen und es tun. Wenn das freilich so einfach wäre, dann gäbe es wohl mehr überzeugende Vertreter seiner Zunft. Denn so geradlinig und effektiv Sullivans Songs zuweilen auch erscheinen mögen: Unter der Oberfläche tut sich da so einiges und simpel sind sie dann am Ende eben doch nicht. Tatsächlich erinnerte das Ganze - vielleicht auch aufgrund Lopez High Lonesome Tenors - an die guten alten Zeiten von Hank Williams und Genossen - nicht, weil hier in Sachen Country gemacht wurde, sondern in der Art, in der großartiges Songwriting auf geradlinige Art komplex angerichtet und dargeboten wurde.

Wessen Geistes Kind die Herren sind, demonstrierte etwa Brian Lopez (als er und Gabriel gegen Ende der Show jeweils einige Titel solo spielten) mit einer hinreißenden Cover-Version von Elliott Smiths "Between The Bars", denn - so erklärte er - auch Elliott Smith war ein Meister darin, offensichtlich simple Songs auf vertrackte Art komplex anzulegen - was übrigens dessen Faszination als Songwriter letztlich ausmachte. Doch was die Inspirationsquellen ausmachte, setzte Lopez noch eins drauf. "Hat hier eigentlich jemand griechische Mythologie studiert?", fragte er ins Rund - um dann zu erklären, dass er den Song "Persephone" von seinem Album "Static Noise" für die gleichnamige griechische Göttin geschrieben habe, weil diese halt nun mal ein "Babe" sei. Der trockene Humor der Herren, die sich etwa köstlich darüber ergötzten, dass das deutsche Radio sich bemüßigt sähe, ihre Fahrt von einem Auftrittsort zum anderen mit der Dauerbeschallung von nervigen Weihnachtsliedern zu einem Höllentrip zu gestalten, tat ein Übriges, das Konzert zu einer kurzweiligen Angelegenheit werden zu lassen. Fazit: Obwohl Lopez und Sullivan da nun nicht gerade neue Räder erfanden, überzeugten die Herren als immens souveräne Songschmiede und Instrumentalisten auf der ganzen Linie mit einem abwechslungsreichen, höchst variablen Programm - und machten mehr als neugierig auf das gemeinsame Bandprojekt Xixa, das im nächsten Jahr ansteht.

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Surfempfehlung:
brianlopezmusic.com
www.facebook.com/brianlopezmusic1
www.facebook.com/GabrielSullivanMusic
gabrielsullivan.bandcamp.com
www.facebook.com/xixamusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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