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Mord auf dem Kreuzfahrt-Schiff

Twin Bandit
David Vertesi

Köln, Die Wohngemeinschaft
29.01.2016

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Twin Bandit
In seiner Heimat Vancouver ist der Kanadier David Vertesi ein vielbeschäftigter Mann. So gründete er zusammen mit Ashleigh Ball und David Beckingham 2005 das Trio Hey Ocean!, veröffentlichte seither mehrere Solo-Alben und half nicht zuletzt als Bassist bei befreundeten Kolleg(inn)en aus. In dieser Eigenschaft begleitete Vertesi nun auch Hannah Walker und Jamie Elliott bei ihrem Europa-Debüt als Twin Bandit. Natürlich ließ er es sich dann auch nicht nehmen, den Support zu machen.
Obwohl David Vertesi also ein alter Hase im Musik- und Songwriter-Business ist, ist es nicht so ganz einfach, seinen Stil in Worte zu fassen. Auch für ihn selbst nicht, wie er einräumte: "Neulich hat mir ein Freund erzählt, welche Art von Musik ich mache", erklärte er freimütig, "er kam zu dem Schluss, dass ich Musik für traurige Kreuzfahrten machte (der Fachbegriff lautet genau: 'Blue Eyed Cruise-Liner Music'). Da war ich ziemlich erleichtert, dass mir das mal jemand erklärt hat." Nun - Easy Listening ist dann doch nicht ganz genau das Ding von David Vertesi. Mit seiner antiken Danelectro-Spargitarre arbeitet er sich stattdessen durch ein Set leicht spröder Gitarrenpop-Songs mit leichtem New Wave-Touch und einer starken rhythmischen Ausprägung - gelegentliche Mitsing-Refrains (an denen sich die inzwischen eingetroffenen Twin Bandit-Damen beteiligten) inklusive. Eine gute Prise trockenen Humors gehört des weiteren zu David Vertesis Programm: "Heute morgen wurde mir ein Zahn gezogen", erklärte er zum Beispiel, "der nächste Song handelt nicht von meinem Zahn." Davids Songs beschäftigen sich dankenswerterweise auch nicht sehr stark mit Americana-Klischees. Stattdessen ist es ihm tatsächlich gelungen, eine eigene musikalische Gangart zu finden - eine für traurige Kreuzfahrten eben.
Die Zwillingsbanditen machten dann erst mal deutlich, woher die Inspirationen für ihren Americana-Dreampop kommen: Das Set begannen sie mit einigen jener akustischen Folksongs - u.a. John Prines "Angel Of Montgomery" - derentwegen sie letztlich überhaupt zueinander gefunden hatten, als sie sich in der von Hannahs Mutter gegründeten St. James Music Academy zufällig über den Weg liefen. Überhaupt sind sich die Mädels niemals zu schade, ihre Inspirationsquellen zu honorieren. So fand zum Beispiel noch ein weiterer John Prine-Song ("Long Monday") den Weg auf die Setlist - ebenso wie eine akustische Version des Cajun-Folk-Klassikers "Lakes Of Pontchartrain", der sich ja unter Songwritern aller Couleur allgemeiner Beliebtheit erfreut. Davon abgesehen spielten Twin Bandit natürlich auch die beiden auf ihrer Debüt-CD "For You" vorhandenen Cover-Versionen: Daniel Lanois' "Shine" und "Crown" des bei uns eher unbekannten Songwriters Mason Jennings aus Minnesota.

Damit sollte es aber genug gewesen sein mit den Referenzen. Denn zum einen mischten Twin Bandit die Tracks, die sie mit der kompletten Band spielten, stilistisch gegenüber den Originalen ganz schön auf (was sie mit ihrem eigenen Material übrigens auch taten) und zum anderen sind Hannah und Jamie ja selbst auch keine schlechten Songwriterinnen und verstehen es, in der Americana-Nische auch ihre eigene Kerbe einzuschlagen. Das Erfolgsgeheimnis von Twin Bandit ist dabei der traumhafte Harmoniegesang, der sich aber hier nicht dadurch ergibt, dass sich zwei gleichartige Charaktere zusammen getan haben, sondern dass sich hier zwei sehr unterschiedliche Individuen perfekt ergänzen. Hannah erklärt das so, dass sie und Jamie sehr unterschiedlich sängen, aber bei den Harmoniegesängen zu einer Einheit verschmelzten. Auch ansonsten sind Hannah und Jamie vom Typ her sehr unterschiedlich: Hannah ist eher extrovertiert und energisch veranlagt, während Jamie einen eher schüchternen, zurückhaltenden Eindruck hinterlässt. Beides spiegelt sich dann auch in den Songs wider, die die beiden Damen jeweils für sich geschrieben haben. Nur mal als Beispiel: Jamies "Tides" ist eine nachdenkliche, atmosphärisch düstere Ballade, während Hannahs "Rosalyn" - bei einer ähnlich ernsten inhaltlichen Gemengelage - musikalisch vergleichsweise verspielt und traditionell daher kommt. Und dann sind da noch die Songs, die beide zusammen schreiben und die dann - wie "Mary May" - auch schon mal in einer Art Mörderballade ausarten können. "Jede Show, in der Country-Musik gespielt wird, braucht schließlich auch wenigstens eine Mörderballade", erklärte Hannah das dann.

Insgesamt kommen die Tracks live wesentlich druckvoller und lebhafter rüber als auf der CD - was nicht zuletzt an der motivierten Begleitband lag, bei der sich insbesondere der Keyboarder Lewis mächtig ins Zeug legte und etwa die gesamten Steel-Gitarrenparts von der CD mit seiner Orgel ersetzte. Seine Idee war es auch gewesen, das hauseigene Piano zu bemühen und damit schaffte er dann auch eine ordentliche Portion Honky Tonk ins Spiel zu bringen. Überhaupt legten Twin Bandit viel Wert darauf, die Live-Versionen möglichst unterschiedlich zu den Studio-Tracks zu halten. Das gehört ebenso zur Band-Philosophie wie der Umstand, dass die Debüt-CD mit neun Tracks nicht eben üppig ausgefallen ist. Hier geht dann eben Qualität vor Quantität. Das bedeutete aber auch, dass das Live-Set noch irgendwie aufgefüllt werden musste - und dazu dienten dann die beiden neuen Tracks "Hard To Know" und "Berkin" (mit dem die Damen ihre kanadische Herkunft betonen möchten). Insgesamt positionierten sich Twin Bandit mit diesem Auftritt durchaus in der ersten Liga der momentan angesagten Mehrstimmen-Projekte. Auch wenn Hannah und Jamie keine echten Schwestern sind: Im Geiste sind sie es allemal.



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Surfempfehlung:
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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