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Come again

Chloe Charles

Köln, Die Wohngemeinschaft
16.02.2016

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Chloe Charles
Es kommt ja nicht so häufig vor, dass Künstler gleich mehrere Touren pro CD-Veröffentlichung absolvieren. Der Kanadierin Chloe Charles scheint aber die Club-Tour im vergangenen Herbst noch nicht ausgereicht zu haben, und so kehrte sie denn anlässlich der Veröffentlichung eines neuen Videos zu "Black & White", dem Kernstück ihrer aktuellen CD "With Blindfolds On", noch ein Mal auf unsere Bühnen zurück. Auch in Köln machte sie hierbei wieder Station - und dieses Mal fanden ein paar Interessierte mehr den Weg in die Kölner Wohngemeinschaft, nachdem der Abstecher in das Studio 672 beim letzten Besuch nahezu unbemerkt geblieben war.
Die Sache war dann die, dass Chloe wieder mit ihrer bewährten multinationalen Europa-Band unterwegs war und im Prinzip auch genau das gleiche Programm spielte, wie bei ihrer Herbst-Tour. Nun ist das aber so, dass sich Künstlerinnen vom Schlage einer Chloe Charles sich per se nie damit zufrieden geben, sich einfach zu wiederholen, sondern permanent mit ihrer Musik wachsen. Insofern lohnte es sich für die Zuschauer schon alleine deswegen, diesem doch sehr lebendigen Prozess auch beizuwohnen. Der Teufel lag hierbei naturgemäß eher im Detail: Zunächst mal war Chloe an diesem Tag betont locker drauf und parlierte munter und ungezwungen mit dem Publikum, nachdem sie und ihre Musiker bereits beim Soundcheck viel Spaß miteinander gehabt hatten. Und dann haben sich die Arrangements der Songs im Vergleich zur letzten Tour nochmals stark verändert. Das Setting in der Wohngemeinschaft eignet sich ja sowieso nicht für laute Töne und so wurden etwa die akustischen Elemente dieses Mal wieder stärker betont. Auch die Bass-Anteile schienen dieses Mal zurückgefahren worden zu sein (obwohl Chloe aber sowieso ohne properen Bassisten agiert). Dafür legte sich Multiinstrumentalist Neil Whitford (der wie Chloe aus Toronto stammt) mit seinem Sammelsurium von elektronischen und organischen Elementen mächtig ins Zeug und lieferte zum Teil ganz andere Backdrops als noch auf der letzten Tour. Es ist ja sowieso so, dass sich Chloe mehr oder minder dafür entschieden hat, nicht der klassischen Folkie-Ästhetik zu folgen - ohne übrigens dabei den Anspruch zu verfolgen, etwas grundsätzlich Neues kreieren zu wollen; insofern kann man sich nie ganz sicher sein, was bei einem Chloe Charles-Konzert genau passieren wird.
Hier nutzt sie wohl auch ganz bewusst das Eigenlebenpotential guter Musik. Mittlerweile färbt das auch immer stärker auf ihren langjährigen Geiger Davide Santi ab, der sich stetig von traditionellen Mustern löst und zunehmend freistiliger agiert. Ein gutes Beispiel war etwa die Nummer "Smiling", die auf diese Weise in einem ganz anderen Treatment daher kam, als bislang. Hinzu kommt, dass Chloe und ihre Musiker nunmehr die Songs des neuen Albums vollkommen verinnerlicht haben und somit selbst nach neuen Möglichkeiten suchen, dem Material neue Perspektiven abzuringen. Dazu gehört dann auch, dass der Leipziger Keyboarder Robert Herrmann auch mal spontan zum hauseigenen Piano greift oder seinem eigenen Keyboard dann doch mal mächtig subfrequente Basstöne entlockt. Wie gesagt bestand das Material des Sets aus dem bewährten Mix neuer und alter Tracks, sowie den bereits bekannten Cover-Versionen - Carole Kings "Far Far Away", das Chloe nach eigener Aussage anlässlich eines Workshops auseinandergenommen und nach eigenen Bedingungen wieder zusammensetzte und Chris Isaaks "Wicked Games", das Chloe zum "gemeinsamen Weinen" als Zugabe bereit hielt (nachdem zuvor das Publikum zuvor auch wieder zum gemeinsamen Lachen angeregt worden war). Dieses wurde auch wieder bei dem von Chloe und Davide zusammen verfassten und a cappella gegebenen Track "My Child" als Chor missbraucht. Und dann war da noch Chloes Vortrag selbst, der dieses Mal noch eine Spur intensiver und effektiver ausfiel als auf der letzten Tour. Da kann man mal sehen, was eine gute Tagesform ausmachen kann. Chloe meinte noch, dass sie es zuweilen geradezu brauche, dass ihr jemand sage, dass sie verrückt sei, damit sie sich besser fühle. In diesem Sinne war Chloe an diesem Abend in der Tat wohl ziemlich verrückt.



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Surfempfehlung:
www.chloecharles.com
www.facebook.com/chloe.charles.music
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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