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Konzert-Bericht
 
Songs für die Midlife-Crisis

Scout Niblett

Köln, King Georg
07.04.2016

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Scout Niblett
Ein wenig ungewöhnlich war das schon: Da spielte also Scout Niblett im Kölner King Georg - ohne ein neues Produkt bewerben zu können - und dennoch platzte der kleine Club förmlich aus allen Nähten - sie kann offensichtlich auf eine solide, eingefleischte Fangemeinde zählen. Scout lief auch bereits geschäftig in dem Club herum, als die Gäste hineinqollen, sodass ratzfatz auch die ihr eigentlich zugedachte Eckloge besetzt war. Nicht, dass sie sich von so etwas irritieren ließ: Sie kannte die Besonderheiten des Clubs (zu denen auch gehört, dass diejenigen, die während des Konzertes zur Toilette wollen, über das Instrumentarium des auftretenden Acts klettern müssen) schließlich schon von vorangegangenen Gastspielen.
In eine eigenartiges, aber irgendwie auch typisch englisches Ensemble aus Nachthemd, Stützstrümpfen und Birkenstock-Schlappen gekleidet begab sie sich schließlich ans Mikrofon. Zunächst stand sie etwas verloren da - eingekreist von den Fans und hochkonzentriert auf ihrer Gitarre kunstvolle Intros kreierend und dabei ihre Geheimwaffe, die indiemäßig aufgebohrte Blue Note, weidlich ausnutzend. Die ersten Tracks - angefangen beim eher lyrischen "Disneyland" oder dem ruppigen "Just Do It", dem noch ruppigeren "Calcination" und dem in der Art eines modernen Madrigals aufgebohrten "Beloved" sang Scout ganz in sich gekehrt vor sich hin und freute sich dann jeweils nur kurz über den Applaus der Gäste. Bis es dann beim Stimmen aus ihr herausbrach. "Questions?", fragte sie ins Rund und bemühte sich so, das Publikum einzubinden. Dann jedoch wurde sie für ihre Verhältnisse geradezu redselig - erklärte etwa, dass es in "Your Last Chariot" nicht darum gehe, dass sie jemanden mit einer Knarre umlegen wolle (sondern um den Tod, der einem auf den Fersen ist), dass es aber in "Gun" (vom letzten Album "It’s Up To Emma") dann doch darum gehe, dass sie jemanden mit einer Knarre umlegen wolle. "Roller Coaster" widmete sie dann allen, die sich gerade in einer Midlife-Crisis befände, und als sie bei der nächsten Fragerunde dann jemand bat, etwas lauter zu singen, antwortete sie, dass das leider nicht möglich sei, dass sie aber zumindest einen neuen Track namens "Lonesome Drifter" spielen könne, in dem zumindest das Wort "lauter" vorkomme. Ach ja - "Sweet Solitude" habe sie im Sitzen geschrieben, und deswegen könne sie - zumindest das Intro - nicht im Stehen spielen und müsse sich hierzu auf den Verstärker setzen. Das machte dann auch nichts mehr, denn sehen konnten die kleine Dame sowieso nur die Leute, die ihr Nase an Nase gegenüberstanden.
Musikalisch bot dieses Konzert Feinheiten, die in größerem Rahmen eher unterzugehen drohen: Die ruhigen Stücke waren noch ruhiger als sonst und die lauten Passagen presste sie mit einer geradezu beängstigenden Intensität aus sich heraus und schüttelte den ganzen Körper dabei durch. Gerade dieser Wechsel von musikalischen Streicheleinheiten und Wutausbrüchen machte die Sache in diesem intimen Rahmen besonders reizvoll. Zu den Highlights gehörte dabei auch dieses Mal wieder ihr schlicht bester Song "Kiss", den man so formvollendet wie bei diesem Konzert auch nicht so oft zu Ohren bekommt. Auch wenn das mit dem neuen Material dann eher spärlich gesät war, freuten sich die Fans am Ende über eine gutgelaunte, aufgeräumte Scout Niblett zum Anfassen ("Meet & Greet" stand als fester Punkt schon mit auf der Setlist). Fehlt jetzt eigentlich nur noch das nächste Album...

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Surfempfehlung:
www.scoutniblett.com
www.facebook.com/scout-niblett-138784299470924/
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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