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Kind Of Blue

My Bubba

Köln, King Georg
09.05.2016

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My Bubba
"Du bist ja ganz schön blau", meinte Guðbjörg Tómasdóttir (alias Bubba) zu ihrer Partnerin My Larsdotter, als diese gerade ihre norwegische Cittra-Harfe auspackte. Das war dann aber nur im übertragenen Sinne lustig, denn man hatte sich entschlossen, die eh nicht besonders lumenstarke Beleuchtung des King Georg auf die blauen Lichtanteile zu beschränken, was den beiden Damen bei ihrem Auftritt im folgenden ein eher kränkliches Aussehen verpasste. My Bubba - das isländisch/schwedische Damen-Duo - war mit der neuen CD "Big Bad Good" unterwegs, um diese auch in der Domstadt live zu präsentieren und dabei in der ehemaligen Table-Dance Bar King Georg gelandet - was im Folgenden noch zu eigenartigen Verwirrungen führen sollte.
Zunächst ging es aber darum, das aktuelle Material im reduzierten Pur-Folk-Setting mit Gitarre, Harfe und natürlich den Stimmen der beiden Protagonistinnen vorzustellen. Wer sich vielleicht gefragt hatte, warum die neuen Songs - zumindest auf der CD - strukturell ungewohnt offen und skizzenhaft, dargeboten werden, der durfte bei dem Konzert nun erleichtert aufatmen (denn dort wurde das Material - auf das Wesentliche reduziert, aber eben auch konzentriert - tatsächlich konkreter dargeboten als auf Konserve). Außerdem erklärten die Damen, woran das lag: My und Bubba waren nämlich von dem renommierten Indie-Produzenten Shahzad Ismaily, der u.a. auch Will Oldham und Jolie Holland betreut hatte, eingeladen worden, in New York eine Scheibe einzuspielen. "Wir hatten aber gar keine neuen Songs geschrieben", erklärte Bubba, "er meinte aber, wir sollen trotzdem kommen und haben dann die Songs im Studio geschrieben." Des Weiteren - so ergänzte My - habe man sich bemüht, den Charakter eines neuen Songs zu erfassen und deswegen erste, zweite oder dritte Takes für die live eingespielten Aufnahmen verwendet. Auf der Scheibe hatte das dann dazu geführt, dass nur wenige Stücke - etwa das großartige "Carolina" oder der Titeltrack - eine ausformulierte Struktur aufzuweisen hatten, während ansonsten Vieles in musikalischer Klangmalerei und Tontaubenschießen ausgeartet war.
Bei dem Live-Konzert stellte sich das nun anders dar - wahrscheinlich auch, weil es hier keine zusätzlichen elektronischen oder organischen Klangeffekte mehr gab. Der Vortrag geriet dabei dann allerdings dergestalt intim, dass die sachte angetupften Harfen-Glissandi und insbesondere die Vocals Mys zuweilen kaum zu hören waren. Speed-Metal hatte wahrscheinlich auch niemand erwartet - dennoch hätte ein wenig mehr Intensität dem ansonsten durchaus ansprechenden Vortrag sicherlich nicht geschadet. Zunächst machten die Damen einen eher introvertierten, zurückhaltenden Eindruck - dann jedoch bemühten sie sich auch, mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Etwa indem Bubba den poetischen, isländischen Teil des Songs "Carolina" für die Anwesenden auf Englisch übersetzte oder indem My die Marketingkampagne für den Merch-Verkauf anregen wollte indem sie fragte, wann denn in Deutschland Muttertag sei, nachdem Bubba schon angekündigt hatte, dass Weihnachten ja praktisch vor der Tür stehe. Daraufhin entwickelte sich allerdings ein absurder Dialog über verzögerte Vinylscheiben, Tabledance, deutsche Mütter und deren Tanzgewohnheiten und langweilige Konzertbesucher, den man in dieser Lebhaftigkeit und Intensität nicht hatte vorausahnen können.

Zum Ende des Konzertes deuteten My Bubba dann noch an, wo sie - neben skandinavischen Klangtraditionen und US-amerikanischen Americana-Einflüssen - ihre Inspirationen hernehmen und spielten eine wunderhübsche Version von Bob Dylans "You're Gonna Make Me Lonesome When You Go". Merkwürdigerweise funktionierte der Männerschmerz-Track von Blood On The Tracks nämlich auch aus der umgekehrten geschlechtlichen Perspektive und passte mit seinem melancholischen Weltbild ja auch in die allgemeine My Bubba-Gemengelage. Insgesamt war dieses kein schlechtes Konzert, das allerdings durch verbesserte Rahmenbedingungen noch an Intensität hätte gewinnen können.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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