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Out Of Bornheim

Fee.

Köln, Die Wohngemeinschaft
16.09.2016

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Fee
Eigentlich ist Bornheim ja gar kein richtiger Ort. D.h.: Ein Ort ist es schon - nur eben keine Stadt. Weil es nämlich ein Ortsteil von Frankfurt ist. Und dort, an diesem Nicht-Ort lebt die gebürtige Marburgerin Fee Mietz und schlägt sich mit DHL-Boten herum, die ihr entweder die Pakete ihrer Nachbarn ausliefern oder aber ihre eigenen Pakete, in denen sich die legal bestellte heile Welt befinden soll, eben nicht. Und darüber und ähnliche Erfahrungen schreibt sie Songs. Und hat damit schon mal beweisen, dass sie verstanden hat, worum es beim Liedermachen geht. Nämlich nicht darum, ständig die eigene Betroffenheit zu bejammern - wie so viele ihrer Kolleg(inn)en, die sich (wie sie) in der deutschsprachigen Popmusik versuchen.
Dass die Gute schon einige Jahre Erfahrung als Frontfrau der Popband Neoh hatte, bevor sie sich vor zwei Jahren entschloss, es solo zu versuchen, zählt dabei nicht ein Mal - denn (wie sie in ihrem Song "Smarte Karowesten" erläutert) dort nahm man ihre Kreativität gar nicht so richtig wahr und ernst. Dennoch ist es schon erstaunlich, was Fee alles richtig macht. Zum Beispiel hat sie erkannt, dass man als Texterin nicht gleich mit dem erstbesten Schüttelreim zufrieden sein sollte. Und wenn doch, dass ein solcher dann mit Formulierungen konterkariert werden sollte, die eher etwas aussagen, als ins Versmaß passen. Oder mit Profanitäten. Sie weiß auch, dass man als Songwriterin auch nicht unbedingt aufhören muss, wenn man Strophe, Strophe, Refrain und Strophe beisammen hat, dass es sich lohnen kann, eine Bridge auch mal zu was anderem als der Variation des Grundthemas zu nutzen, dass es auch Halbtöne zwischen den Akkorden geben darf - auch wenn man nicht weiß, wie diese heißen; dass man das Tempo variieren darf, sich nicht zwischen Fingerpicking und Akkorden zu entscheiden braucht und dass mehr manchmal eben doch mehr sein kann. Und so kam es, dass das Publikum dieser Veranstaltung der renomierten Reihe Lagerfeuer Deluxe (in der es ja um das akustische Ausleben musikalischer Tugenden geht) in der Kölner Wohngemeinschaft ein Akustik-Konzert mit sage und schreibe 23 Titeln plus Zugabe zu hören bekam, in der nicht ein Song dem anderen glich und jeder einzelne nette musikalische Details zu bieten hatte.
Nicht, dass das Ganze etwa ins Beliebige abdriftete - denn Fee hat schon ihre eigene Note -, aber abwechslungsreicher und unterhaltsamer hätte man eine solche Show schlicht nicht aufziehen können. Einen großen Anteil am Erfolg dieses Unterfangens hatte - neben der traumhaft souveränen Präsentation Fees, die nicht ein mal dann so richtig unsympathisch rüberkommt, wenn sie behauptet, das brav mitsingende Publikum klänge wie eine Hühnerschar - auch ihr Gast, der Kölner Lokalmatador Dan O’Clock. Denn dieser stand nicht nur mit Fee in einem höchst amüsanten und humorvollem Rapport-Verhältnis, sondern sorgte selbst mit unaufgefordert eingestreuten Anekdoten und zuweilen haarsträubend relevanter Ansagen für eine gute Stimmung. Diese kippte auch dann nicht ins Lächerliche oder Peinliche, wenn etwa sentimentale Songs mit Schoten angesagt wurden, denn auch Dan O’Clock hat ziemlich genau verstanden, worum es beim Musizieren geht. "Das ist aber ein schöner Abend", lobte er schließlich alles, "kennt ihr dieses Gefühl, wenn man abends nach Hause geht und eine halbe Stunde lang nicht einschlafen kann, weil man gar nicht weiß, wohin mit seiner Glückseligkeit?" Dass ihm das niemand übel nahm, lag dann wohl auch daran, dass er es ernst zu meinen schien. Damit wären wir dann beim Thema Glaubwürdigkeit - und auch hier kann Fee punkten, denn sie schafft es mühelos zu bewirken, dass man sich als Zuhörer für ihre skurrilen kleinen Alltagsgeschichten ebenso interessiert, wie z.B. für die nachdenklichen Liebeslieder - auch deswegen, weil das Dinge sind, die so oder ähnlich jedermann passieren könnten und sich das "ich" in den Songtexten somit universell relativiert. Ein gutes Beispiel dafür ist ihr Semi-Hit "Lieber liegen" - denn wer täte das nicht auch selbst gerne öfter mal? Das ist dann alles so rund und schlüssig, dass man als Rezensent gar nicht mehr so richtig weiß, worüber man meckern soll. Der Umstand, dass Fee das Ganze als öffentliche Probe bezeichnete und sie und Dan Stücke zusammen spielten, die sie noch nie zusammen vorher angefasst hatten (und dabei Dimensionen ausloteten, die noch nie eines Menschen Ohr vernommen hatte), war es jedenfalls nicht, denn selbst das war unterhaltsam. Jetzt wird es aber mal interessant sein zu sehen, wie Fee das dann auf ihrem für Anfang nächsten Jahres angedachten Solo-Debüt umsetzen wird.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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