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Konzert-Bericht
 
Depressiver Geburtstag

Mitski
Trust Fund

Frankfurt, Brotfabrik
27.09.2016

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Mitski
In den USA ist Mitski spätestens mit ihrem ironisch betitelten vierten Album "Puberty 2" zur neuen Indie-Ikone aufgestiegen - was geführt hatte, dass die zugehörige Tour in Windeseile ausverkauft war und noch Zusatzkonzerte angesetzt werden mussten. Das wiederum bedingte, dass die nun stattfindende Zickzack-Tour durch Europa ziemlich zeitversetzt zur Veröffentlichung der neuen Scheibe stattfand. Im Rahmen dieser hatte die Band dann noch die Gelegenheit, auf dem Reeperbahn Festival einen gut besuchten Gig zu absolvieren und schlug nun, im Folgenden, in der Frankfurter Brotfabrik auf.
Unterstützt wurde Mitski hier von Trust Fund, der Band des hyperaktiven Frontmannes Ellis Jones aus Bristol, dessen exaltierter High Tenor-Fistelgesang nicht nur zum Markenzeichen der Band geworden ist, sondern sich auch ansteckend auf die anderen Bandmember ausgewirkt hat. Der Mix aus Post-Punk, Power-Pop, Noise- und Grungerock, den die Band zu ihrem Sound gemacht hat, passte im Prinzip recht gut zum Live-Ansatz, den auch Mitski & Co. vertreten (denn auf der Bühne verzichtet Mitski auf die elektronischen Pop-Elemente, die "Puberty 2" auszeichnen). Auch scheint man sich menschlich gut zu verstehen, denn beide Bands schauten sich die Shows der jeweils anderen an und Ellis selbst übernahm auch den Merch-Verkauf des Abends. Die gutgelaunte Briten-Band bot zudem einen stimmungsmäßig pflegeleichten Einstieg zur anschließenden Mitski-Show.
Frau Miawaki brauchte dann einen Moment, um von der vergleichsweise unauffälligen und verhuschten Privatperson auf die geradlinig-souveräne Bühnenpersona umzuschalten (hauptsächlich durch das Ablegen der charakterstarken Hornbrille). "So, jetzt bin ich bereit, euch gegenüberzutreten", erklärte sie schließlich - um dann auch klar zu machen, worum es im Folgenden gehen würde: "Ich bitte zu entschuldigen, dass ich heute besonders depressiv bin", erklärte sie - nicht ohne ironischen Zwischenton, "denn heute ist mein Geburtstag. Ich bin jetzt 26 und habe somit offiziell die zweite Hälfte meiner 20er erreicht. Jetzt gibt es keine Entschuldigung mehr und nun muss ich die Verantwortung für alles, was ich tue, übernehmen." Das hat sie natürlich schon längst getan. Nachdem sie bereits zwei Scheiben selbst herausgebracht hatte, gelang ihr der Durchbruch, nachdem sie 2014 nach New York gezogen war und dort das Album "Bury Me At Make Out Creek" veröffentlichte, auf dem sie ihre kathartischen Depri-Rock-Anwandlungen zu einer - nicht immer ganz selbstironischen - Kunstform erhob. Dass sie auf "Puberty 2" sich dann auch an E- und New Wave Pop-Elementen versuchte, zahlte sich als geschickter Schachzug aus, denn der zuweilen angenehm pflegeleichter Sound kam dem abenteuerlichen Harmonie- und Melodieverständnis Mitskis - das sie, bei aller zur Schau getragenen, abrasiven Rock-Attitüde - auch im Live-Kontext durchaus ins Zentrum stellt - zu Gute und sorgte auch für eine Akzeptanz jenseits der gruftigen Emo-Indie-Zirkel.

Das Konzert in Frankfurt war zwar nicht ausverkauft, aber diejenigen, die angereist hatten, um ihre Heldin zu sehen, präsentierten sich als gläubige Jünger(innen) des Gospels according to Mitski: Insbesondere die jungen Damen im Publikum konnten alle Songtexte fehlerfrei mitsingen. Als Performerin hält sich Mitski, die im Band-Kontext durchweg Bass spielt, eher zurück. Sie lässt sich dabei durch nichts aus der Ruhe bringen - auch nicht vom ständigen Surren der zahlreichen Effektegäte ihres Gitarristen, das alle Spielpausen zu einer nervigen Angelegenheit werden ließ. Nur gegen Ende griff Mitski selbst zur Gitarre und spielte als Zugabe sogar die Punk-Nummer "My Body Is Made Of Crushed Little Stars" (die auch wegen ihres griffigen Refrains als "Kill Me In Jerusalem" bekannt geworden ist) als Solo-Nummer. So richtig zum Lachen gab es eigentlich nichts bei der Show in der Brotfabrik (was angesichts von Songs, die sich vorwiegend mit den Zombie-Aspekten der Beziehungs- und Selbstfindungs-Thematik beschäftigen ja auch nicht verwunderlich ist). Dennoch gab es im Auditorium überwiegend glücklich lächelnde Gesichter zu begutachten. Dabei macht Mitski ja nun wirklich nichts Neues - denn die Elemente ihres Sounds kennt man von Bands wie den Pixies, Sonic Youth oder anderen Acts, die schon mal gerne das Wandeln am Abgrund in musikalische Ausdrucksformen gepackt haben. Aber: Das zur Schau getragene, ernsthafte Sendungsbewusstsein, mit dem sie ihre musikalische Botschaft vertritt, macht Mitski zu den glaubwürdigsten Vertreterinnen ihrer Zunft. Und solche Musikerinnen muss es schließlich in jeder Generation geben. Lächeln kann Mitski übrigens auch - nur nicht notwendigerweise auf der Bühne...

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Mitski:
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