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Konzert-Bericht
 
Tag der Einheit

Avec
Mani Orrason

Köln, Die Wohngemeinschaft
03.10.2016

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Avec
Zwei recht unterschiedliche Charaktere hatte man zum Nationalfeiertag in der Kölner Wohngemeinschaft zu einem gemeinsamen Konzertabend eingeladen: Da war zunächst mal der Isländer Mani Orrason - der zwar den größten Teil seines Lebens in Spanien verbracht hat, der aber musikalisch in Sachen melodischer, englischsprachigen Folkpop macht, aber auch mal gerne zur elektrischen Gitarre greift. Außerdem hat er "Happiness Is A Warm Gun" auf den Unterarm tätowiert - was hoffentlich eher bedeutet, dass er ein John Lennon-Fan als ein Waffennarr ist.
In der Tat machte Mani aber - wie das im allgemeinen ja auch Sitte bei seinen Landsleuten ist - einen eher friedfertigen Eindruck und hat die Kunst, die vielgerühmte skandinavische Melancholie, eine jugendliche Unbekümmertheit in Sachen Songwriting, eine Prise Americana-Sensibiliät (in dem Genre fast unabdingbar) und einen Sinn für folkig-poppige Settings und Melodien zu einem durchaus angenehm temperierten Ganzen zu verschmelzen. Dass der Mann dabei kein allzu großes musikalisches Ego besitzt und seine Songs aus prinzipiell bekannten Versatzstücken des Genres zusammensetzt, macht dabei gar nix, denn zum einen wählt er immer genau die richtigen Versatzstücke aus und zum anderen erlangen seine Songs somit eine gewisse zeitlose Klasse: Man glaubt, den Mann schon seit Jahren zu kennen, auch wenn man ihn zum ersten Mal hört. Was gewissermaßen gar nicht möglich ist, denn er steht mit seinen 19 Jahren ja erst am Anfang seiner Laufbahn. Sowas zeichnet aber den geborenen Troubadour aus. Bei all dem half es natürlich auch, dass das, was da in Bandbesetzung von der Bühne quoll, durchaus brillant klang. Nicht in dem Sinne, dass hier eine große Produktion aufgefahren wurde, sondern in jenem, dass die Musiker perfekt aufeinander eingespielt waren und die Balance der Instrumente untereinander zu den ausgeglichensten ihrer Zunft gehörten.
Ganz ähnlich war das auch bei dem folgenden Act, der kleinen großen österreichischen Songwriterin Avec aus dem weltberühmten Ort Vöcklabruck, die gerade eben erst ihr Debütalbum "What If We Never Forget" veröffentlicht hat. Auf diesem gibt es - was bei dem Titel nicht verwunderlich ist - nachdenkliche Indie-Pop-Songs zu hören, die sich erfreulich von Folk-Standard-Schemata fernhalten. Auch das was Avec mit ihren beiden Musikern den Zuhörern als akustisches Set präsentierte, hörte sich brillant an (wobei man sich zugegebenermaßen teilweise das Equipment teilte). Avec ist dabei kein Frau großer Gesten oder lauter Töne, sondern geht ihre Arbeit mit jener Art von performerischer Demut an, die nur solche Leute mitbringen, die noch Respekt vor der Magie des Kreativen haben. Irgendwie überträgt sich so etwas natürlich auch auf den Zuhörer und wenn dann - wie in diesem Fall - das Songmaterial eine solide Basis besitzt und die Arrangements - auch im reduzierten Setting - genügend Variationen bieten, um der möglichen Eintönigkeit eines akustischen Vortrages Paroli zu bieten, dann kommt am Ende auch ein angenehmer, unterhaltsamer Konzertabend dabei heraus. Und im Grunde genommen war es am Ende ja auch gar nicht sooo akustisch, denn Pianist Andi Häuserer griff auch mal zur E-Gitarre (oder dem E-Piano) und Drummer Lukas Clement (beide übrigens genauso jung wie Avec selbst) setzte zuweilen Akzente mit einem parallel gespielten E-Bass.

Was im Vergleich zu der - vielleicht noch eine Note nachdenklicheren - CD Avecs auffiel, war dann der Umstand, dass die Songs gerade in dem akustischen Setting (wo schließlich jede Nuance zählt) sogar noch abwechslungsreicher und poppiger rüberkommen. Was Avec übrigens so inspiriert, machte sie deutlich, als sie - jetzt aber wirklich akustisch - den Song "Something Like Olivia" des US-Barden John Mayer zum Besten gab. Interessant ist das deshalb, weil diese Querverbindung sich nicht offensichtlich aufgedrängt hätte und weil Mayer als ein besonders typischer US-Songwriter gilt, der sein Heil in seinen wortreichen Storyteller-Texten sieht. Wenn dieses also als Inspirationsquelle interpretiert werden darf, dann wird deutlich, wohin Avec als Songwriterin möchte - und dass sie zumindest schon mal einen guten Teil des Weges dorthin zurückgelegt hat. Dass Avec als Performerin ein wenig zurückhaltend und schüchtern ist, macht unter dem Strich nichts, denn - wie gesagt - ist sie ja keine Frau der großen Gesten und lauten Töne und wirkt auch so grundsympathisch; was ja im Vortrag auch nicht gerade schädlich ist. Das passte am Ende alles sehr gut zusammen und so bekam man also zum Tag der Deutschen Einheit tatsächlich auch ein musikalisches Äquivalent dazu geboten (...also was die Einheit betrifft).

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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