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Konzert-Bericht
 
Je kleiner, desto größer

Naima Husseini
Benjamin Garcia

Köln, Die Wohngemeinschaft
28.10.2016

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Naima Husseini
Schön, wenn die Künstler auch gleich das Motto für ihre eigenen Live-Reviews präsentieren. Auch, wenn das in diesem Fall eher im übertragenen Sinne gemeint war (denn die Ansage Naima Husseinis bezog sich darauf, dass sie mit ihrer Band auch schon auf kleineren Bühnen als jener der Wohngemeinschaft gespielt habe und das ergo die Größe der Bühne nichts über jene der Show, die darauf stattfindet, aussagt): Dass Naima mit ihrer kleinen "Band der Träume", wie sie die Besetzung aus Drummer Fabian Stevens und Keyboarderin Irma Samuelis nannte, hier performance-technisch Großes leistete, stand dann am Ende der Show gewiss außer Frage.
Selbige eröffnen durfte dann ein junger Mann aus Köln namens Benjamin Garcia. Das ist (so steht es auf seiner Facebook-Seite) ein Jazz-Kontrabassist mit Lehrauftrag an der Folkwang Universität der Künste, der in seiner Freizeit Songs schreibt. Diese hören sich in etwa so an, wie ein junger Tom Liwa auf Speed klänge (wenn Garcia sich auf die akustische Gitarre beschränkt) bzw. wie ein Eleve der Neuen Deutschen Welle geklungen hätte, der weiland schon fingernagelgroße MP3-Player zur Verfügung gehabt hätte, auf denen er eine E-Pop-Band als Download zur Verfügung gehabt hätte. (Die Band (El Mono) konnte wohl nicht zu dem Konzert mitkommen - deswegen diese Notlösung.) Garcias deutschsprachiger Vortrag, in dem er zu diesem und jenem Stellung bezieht (so der Inhalt eines seiner Songs), ist dabei von einem solch trockenen Humor durchzogen, dass es fast schon staubt - nicht musikalisch, sondern wegen der mit unscheinbar unschuldiger Mimik vorgetragenen Wortspiele. Zum Glück versteht er sich aber nicht ausschließlich als Komiker, sondern fächert seinen musikalischen Stil angenehm in alle möglichen Richtungen auf - und rundete den Vortrag mit einem Song auf Spanisch ab, in dem es wohl ums Tanzen und Singen geht.
Ums Tanzen und Singen im weitesten Sinne geht es auch bei Naima Husseini. Auf der Tour der in Berlin lebenden Liedermacherin ging es natürlich um die Präsentation des zweiten Albums "Immer alles". Wer aber nun gedacht haben mochte, auf der Bühne eine Reproduktion der zuweilen überwältigend einfallsreichen Studioproduktionen vorgesetzt zu bekommen, der sah sich dann auf überraschende Weise eines Besseren belehrt. Denn im Live-Kontext hatten Naima und ihre Musiker die Arrangements der Stücke teilweise radikal, auf jeden Fall aber phantasievoll und organisch verändert. Das fing schon damit an, dass das Konzert mit einem verspielt jazzigem Dub-Pop-Intro begann, bevor sich Naima dann mit dem Titelsong von "Immer alles" ins Geschehen stürzte. Im Folgenden konkretisierte sich der Dub-Pop-Faktor dann als Leitmotiv, wobei Naima selbst dann gerne zur Rhythmus-Gitarre griff. Diese durfte dann auch mal etwas punkig klingen - oder, wie bei dem akustisch dargebotenen Solo-Stück "Mir fehlt nichts" auch ein mal gestreichelt werden. Damit es dann nicht zu eintönig wurde, arbeitete Naima zusätzlich mit Perkussion-Instrumenten, Drummer Fabian mit einem Drum-Pad und Keyboarderin Irma (die sich größtenteils auf ihr E-Piano konzentrierte und nur gelegentlich ein paar Basslinien beisteuerte) mit handgesteuerten Effekt-Pedalen, mit dem sie z.T. psychedelische Klangwolken erzeugte. Naima füllte die klare Sprache, die ihre Lyrics auf der einen Seite auszeichnen und die assoziativen, für Außenstehende zuweilen rätselhaften Formulierungen auf der anderen Seite mit sporadischen Zwischenansagen auf, in denen sie zuweilen Kommentare zu den Songs abgab oder erklärte, wie diese entstanden waren bzw. welche Bedeutung sie diesen zumesse.

Der große Vorteil ihres Ansatzes ist der, dass sie sich nicht alleine auf sich selbst konzentriert, sondern in der Lage ist, empathisch auf den Zuhörer zuzugehen, und diesen ergo einzubeziehen. Was nicht so gut klappte, war den Party-Faktor, den ihre Songs - zumindest auf der poppigen Produktion ihrer CDs - zweifelsohne auch haben, ins Live-Setting zu übertragen. Das lag zum einen daran, dass es sich hier um eine bestuhlte Veranstaltung handelte und deswegen kein Tanz-Happening möglich war - und zum anderen einfach daran, dass die Live-Arrangements an sich schon interessant genug waren und das Zuhören auch ohne Abhotten Spaß machte. Tatsächlich sind Naimas Songs ja auch deutlich mehr als einfach nur Club-Tracks. Als das Konzert mit dem Song "Modus X" zu Ende ging, hatte sich Naima ganz Rockstar-mäßig in Rage gespielt (dass der Tontechniker während des Konzertes Handtücher zum Abtrocknen besorgen musste, war sicherlich ein Novum in der Wohngemeinschaft) und gezeigt, dass man auch als deutschsprachige Pop-Künstlerin wohl das Recht hat, solide, druckvolle und ideenreiche organische Live-Musik in Szene zu setzen.

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Surfempfehlung:
www.naimahusseini.de
www.facebook.com/NaimaHusseini
www.benjamin-garcia.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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