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Alles auf anders

Margaret Glaspy
Bannerman

Köln, Yuca Club
14.11.2016

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Margaret Glaspy
Wer da im Kölner Yuca Club auf der Bühne stand, um das Support-Programm für Margaret Glaspy zu bestreiten, war zunächst nur zu erahnen. "Hallo, mein Name ist Ritchie, ich komme aus Neuseeland und spiele bei einer Band namens Bannermann", meldete sich ein junger Mann aus den Schatten von der Bühne. Wie im Yuca Club üblich, wurde auch hier wieder das Publikum gut ausgeleuchtet und geblendet, während die Protagonisten auf der Bühne nur gelegentlich von den wirr im Raum schwenkenden Psychedelik-Spots erfasst wurden und demzufolge auch nur gelegentlich zu sehen waren. Das war bei dieser Show besonders schade, denn insbesondere der höchst unterhaltsame, energische und humorvolle Vortrag von Margaret Glaspy und ihrer Band wäre nicht nur hörens, sondern durchaus auch in Gänze sehenswert gewesen.
Zunächst mal stellte Ritchie Setford - der Mann aus dem Schatten - Songs seines Bannermann-Projektes in einem dann doch sehr spröden, geradlinigen Solo-Setting vor. Fernab vom Folk-Ansatz verwendete er eine antike Telecaster-Gitarre und einen offensichtlich antiken und/oder selbstgebauten Verstärker, um sein Material in einem klangtechnischen No-Nonsense-Setting umzusetzen. Das Ganze präsentierte sich als eigenwillige, hypnotisch angelegte Upside-Down-Blues-Gospel-Variante mit düsterer Note, bei der es offensichtlich nicht um Melodien, sondern um düster/desolate Harmoniefolgen und merkwürdig surreale Texte um Grillen-Klänge und Bordellbesuche geht, die Setford fast als Sprechgesang präsentierte. Das Ganze war nicht unbedingt uninteressant - litt dann aber doch unter dem desolaten Vibes, die Setford - so ganz ohne die versöhnlichen Arrangements seiner Studio-Versionen - ausstrahlte, obwohl er menschlich und performerisch durchaus sympathisch rüberkam.
Bei Margaret Glaspy und ihrem Trio (mit neuem Bassisten) sah die ganze Sache dann schon fast umgekehrt aus: Sie stürzte sich zwar nominell in atemberaubende Live-Versionen von Tracks ihres treffend betitelten Debüt-Albums "Emotions And Math" - aber schnell wurde klar, dass es nicht einfach dabei bleiben würde. Denn Margaret umgarnte die Ideen, die ihren Songs zugrundeliegen, mit einer geradezu spielerischen Neugier, so dass am Ende etwas ganz Neues dabei heraus kam. Fast - so schien es - hatte sie zuvor die Stücke auseinandergenommen, die einzelnen Teile überarbeitet und setzte diese nun - bei dem Konzert - auf eine improvisatorische Art und Weise wieder neu zusammen. Da blieb dann - sozusagen - kaum ein Stein auf dem anderen. Nicht nur, dass man als Zuhörer Mühe hatte, die grundlegenden Riffs und Strukturen den Songs zuzuordnen: Vor allen Dingen waren es Margarets aufregend aufgeregtes Gitarrenspiel und die Weise, mit der sie mittels ihrer Stimme immer wieder neue Aspekte aus dem Vorgetragenen hervorkitzelte (und dabei sogar so weit ging, mittels des Gesangs Effekte zu simulieren), der begeisterten. Es dürfte schon lange niemanden mehr gegeben haben, der den Begriff "Live-Version" so liberal auslebt wie Margaret Glaspy. Ganz zur Freude übrigens des Publikums, das dem Treiben ebenso erstaunt wie fasziniert folgte.

Als Gitarristin sträubte sich Margaret dabei zudem gegen alle Konventionen, bemühte sich, die eigentlichen Riffs, Akkorde und Hooklines vielfingrig, aber eher emotional als virtuos zu umspielen - und wenn das nicht genügte, wurde die Gitarre gestreichelt, gehauen, gewürgt oder sonstwie getrietzt, dass es eine reine Freude war. Dass dadurch nicht alles auseinander fiel, lag an der ausgezeichneten Band, die das Ganze dadurch zusammen hielt, dass die Musiker - mehr als ihre Chefin - sich an der Grundstruktur der Songs orientierten. Damit war es aber noch lange nicht getan. Die Setlist Margarets enthielt solche Notes wie "3 solo songs", "New Song" und Namen wie "Lucinda" oder "Björk". Diese standen dann für Coverversionen und nicht LP-Titel - darunter mindestens zwei noch namenlose, neue Songs - die locker in das Programm eingestreut wurden und immer wieder für Überraschungen sorgten. So bearbeitete sie zum Beispiel Lucinda Williams "Fruits Of My Labor", Lauryn Hills "X-Factor", Björks "Who Is It" und ganz zum Schluss - als letzte Zugabe Neil Youngs "Harvest Moon" auf eine genauso eklektische, unberechenbare Art, wie ihr eigenes Material. Das galt sowohl für die Tracks, die im Band-Ambiente, wie auch jene, die Solo dargeboten wurden. Bei all dem erwies sich Margaret als humorvolle Performerin, die sich durchaus für das eigene Tun begeistern konnte und sich manchmal geradezu in den Moment hineinsteigerte. Dabei erfuhr man dann auch ein wenig über die Person Margaret Glaspy - zum Beispiel als sie erzählte, dass sie im Alter von neun Jahren durch ihre ältere Schwester auf Lauryn Hill aufmerksam geworden war - als diese nämlich Lauyrns "Miseducation"-CD vier Jahre lang jeden Tag in Gänze gespielt habe. Genretechnisch ließ sich das kaum mehr fassen: War das nun Rock? Oder Soul? Oder Blues? Oder Avantgarde? Ja, könnte man sagen, denn von all dem steckte da irgendwie etwas drin - sowohl, was das Gitarrenspiel, wie auch den exaltierten, aber immens unterhaltsamen Gesangsvortrag - inklusive, Kieksen, Schnurren, Grummeln und Röhren - betraf. Am Ende wird das auf der Bühne genauso sein, wie im Studio: Dass nämlich die Beteiligen nicht immer genau wissen, was sie eigentlich gerade tun (wie Margaret im Interview für Gaesteliste.de erzählte) - und gerade deswegen immer wieder zu überraschenden Ergebnissen kommen. Kurzum: Einen solch wagemutige, unkonventionelle und am Ende auch spannende und unterhaltende Performance hatte es schon lange nicht mehr zu bewundern gegeben.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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