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Konzert-Bericht
 
Für Herrn Meier

Enno Bunger
Sarah And Julian

Köln, Kulturkirche
05.12.2016

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Enno Bunger
Bei seinem letzten Auftritt in Köln im Gebäude 9 sei es ja ein wenig lauter zugegangen, erläuterte Enno Bunger das Thema des Abends bei dem Konzert in der ausverkauften Kölner Kulturkirche. Da sei dann gleich nach dem ersten Song ein Herr Meier beim Tontechniker vorstellig geworden, der sich darüber unpässlich gezeigt habe, dass der Bass-Sound unerträglich laut gewesen sei. Letztlich habe sich der Herr Meier dann als Fan geoutet, der der Enno Bunger Band sogar nachreise - insofern wolle man auf den Herrn Meier nun Rücksicht nehmen und habe beschlossen, die aktuelle Tour etwas leiser zu gestalten. Nun kam die Sache aber für die Fans gar nicht so unerwartet, da Enno mit der Veröffentlichung seiner aktuellen EP "Herzen auf links", auf der einige Favoriten wie "Neonlicht" oder "Regen" in reduzierten Akustikversionen aufbereitet worden waren, schon auf das Thema der anstehenden Tour aufmerksam gemacht hatte. Zugegeben: Etwas leiser als auf dieser letzten Tour ging es dann auch tatsächlich zu - zumal Enno im Mittelteil der Show auch einen Solo-Teil eingebaut hatte - aber ganz ohne Gepolter ging es dann doch nicht.
Aber der Reihe nach: Mit einer bemerkenswerten Ansage, mit der Enno seine Freunde Sarah & Julian Muldoon, die als Support-Act mit auf Tour waren, dem Publikum wärmstens ans Herz legte, begann der Abend zunächst mal auf Englisch. Was aber Sinn macht, denn Sarah & Julian haben schließlich deutsche und amerikanische Wurzeln. Als Sarah & Julian Anfang des Jahres ihre Debüt-CD "Birthmarks" veröffentlichen, stellte sich dieses als Folge einer glücklichen Fügung heraus, denn nachdem Sarah und Julian zunächst getrennt voneinander vor sich hingewerkelt hatten, stellten sie bei einem gemeinsamen Auftritt fest, dass es gemeinsam doch viel besser klänge. Das tut es bis heute. Denn obwohl Sarah und Julian logischerweise recht unterschiedliche Stimmen haben, klingen sie dann schlicht am besten, wenn sie gemeinsam singen. Die "Hits" ihres Debütalbums wie z.B. "Mayflies" und einige neue Songs (die sich freilich noch in einem Entwicklungsstadium befinden und noch nicht eingespielt wurden) bildeten das Rückgrat ihres Slots in der Kulturkirche. Nach der Überwindung von anfänglichen technischen Problemen mit dem elektronischen Drumpad, das Sarah zusätzlich zum Keyboard betätigte, gelang es Sarah & Julian mühelos, das Publikum Enno Bungers in ihren Bann zu ziehen - wohl auch deshalb, weil Bunger-Fans bereits auf Sarah & Julian aufmerksam geworden sind, weil die beiden schon länger mit dem Piano-Man zusammen arbeiten (und mittlerweile auch zusammen Songs fabrizieren). Außerdem sind die melancholisch-melodischen Songs des Duos emotional und musikalisch durchaus kompatibel zu dem, was Bunger so macht - melancholisch zwar, wenngleich dann doch weniger depressiv.
Nach dem kurzen Set ging es mit dem Set von Enno Bunger weiter, das sich durch einige bemerkenswerte Zutaten auszeichnete. Gespielt wurde im Trio Format mit Keyboard, Gitarre und Drums (der Bass kam irgendwoher) und einigen Besonderheiten. Hierzu zählte dann der bereits erwähnte Solo-Teil Ennos, der besonders durch die eingestreuten Erzählungen des Meisters geprägt wurde, die mittlerweile zu einem integralen Bestandteil seiner Shows gehören und in denen er auf humorvolle Art wahre Geschichten aus seinem Leben erzählt. Diese sind dann genauso wahr wie die Tatsache, dass das Wort "naiv" aus dem Duden entfernt worden sei. Dabei handelt es sich um Stories, die aus seinem Leben als Bar-Pianist und Kirchenorganist berichten, in denen es um Hochzeiten geht, die mit Beerdigungen verwechselt werden oder Setlisten, die von Einkaufskörben inspiriert wurden oder die seltsame Tatsache, dass er zunehmend für Hochzeitsfeiern gebucht werde. "Meine erste CD war ein Trennungsalbum", erläuterte er seine Verwunderung, "die können es wohl nicht abwarten - deswegen nehme ich solche Aufträge nur noch an, wenn ich auch auf den entsprechenden Scheidungen spielen darf". Auch über Ennos Herkunft erfährt man so einiges - zum Beispiel, dass seine Heimat Friesland so platt sei, dass man Freitags schon sehen könne, wer Sonntags zum Kaffee käme. Musik gab es auch in dem Solo-Teil - zum Beispiel das Element Of Crime-Cover "Bleib bei mir" und eine ganz besondere Überraschung: Enno nutzte die vorhandene Kirchenorgel, um eine eindrückliche Version eines seiner wenigen politischen Songs - das als Semi-Rap angelegte "Wo bleiben die Beschwerden?" - zu spielen. Das war schon recht beeindruckend, denn während zwar der Song auf dem Album "Flüssiges Glück" durchaus mit einem Orgel Sound beginnt, überraschte schon die Virtuosität, mit der Bunger das Kircheninstrument traktierte. Das darf er im übrigen auch, denn er besitzt einen Orgel-Schein (sobald man in Deutschland Instrumente mit Pedal spielt, müsse man einen Schein machen, erklärte er im Folgenden).

Weitere Highlights des Sets (neben zusätzliche für Herrn Meier ruhig gestellter Songs, die aber dennoch zuweilen mit epischen Instrumental-Passagen bereichert wurden, die Enno - dem Anlass entsprechend - gerne auch hymnisch und choral aufbereitete - wie z.B. den älteren Song "Regen") waren ein Gastauftritt von Sarah & Julian bei dem gemeinsam geschriebenen Kinderlied über ein wegen seines Aussehens gemobbten Stachelschweins vortrugen und vor allen Dingen die erste Zugabe, eine unplugged-Version des Songs "Heimlich", den die gesamte Belegschaft mit akustischen Instrumenten unverstärkt vor der Bühne präsentierte. Hier spielte Enno Akkordeon und Julian Muldoon steuerte ein (nicht ganz sauberes) Trompeten-Solo bei. Auch der autobiographische Song "Scheitern" durfte nicht fehlen - den Enno indes so deutete, dass sich durch das angesprochene Scheitern auch immer neue Möglichkeiten ergäben und deswegen anriet - gerade deshalb und ohne Angst vor dem Scheitern - doch stets das zu versuchen, was man gerne machen möchte. Am Ende blieb da eigentlich kaum noch ein Wunsch übrig, den man als Fan an den Meister gehabt haben könnte.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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