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Konzert-Bericht
 
Schwarze Vögel am Ende der wilden Ozeane der Leere

Andrea Schroeder

Bonn, Harmonie
06.12.2016

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Andrea Schroeder
Der weihnachtlich verpackte Schoko-Nikolaus, den Harmonie-Leiter Kolli eigenhändig an die Gäste verteilte, die das Konzert von Andrea Schroeder und ihrer Band bei ihrem Debüt in der gewesenen Bundeshauptstadt besuchten, war so ziemlich das Bunteste, das es modetechnisch an diesem Abend zu begutachten gab. Freilich hätte es auch stark verwundert, wenn Andrea Schroeder und ihre Mannen etwas anderes als schwarze Kleidung getragen hätten, denn die Sache mit den Dunkelheit nimmt die Königin der Nacht schon sehr ernst. Deswegen erstaunte es fast, dass ausgerechnet dieses Konzert - selbst für die liberalen Verhältnisse in der Harmonie - zwar effektiv dramatisch, aber vernünftig hell ausgeleuchtet war. Tatsächlich konnte man Andrea und die Band jederzeit deutlich sehen. Und das soll weder Kritik noch Häme ausdrücken - sondern einfach mal ein Lob an die Vernunft darstellen.
Das, was Andreas letzte Veröffentlichung - das aktuelle Album "Void" - musikalisch auszeichnet, ist der Umstand, dass hier - anders als auf den vorangegangenen Veröffentlichungen "Blackbird" und "Where The Wild Oceans End" - auch mal laut rumgepoltert werden durfte und tatsächlich losgerockt wurde. Die Aufgabe des losrockens kam im Live-Kontext dabei vor allen Dingen Andreas Partner in Crime, Jesper Lehmkuhl zu, der - in Zusammenarbeit mit Bassist Dave Allen - die Tatsache zu kaschieren hatte, dass ein zweiter Gitarrist, der eigentlich mit an Bord hätte sein sollen, aufgrund einer Fluganullierung nicht hatte erscheinen können. Lehmkuhl löste diese Aufgabe indes sehr gut - nicht nur, indem er verstärkt zur elektrischen Gitarre griff, sondern auch, indem er seine akustische Gitarre zuweilen durch den Verzerrer jagte. Die anderen Beteiligten - Pianist Mike Strauss und Drummer Maurizio Vitale (ganz zu schweigen von Andrea selbst) - hatten es mit dem rocken nicht ganz so, verstanden sich dahingegen allerdings als wahre Meister der Balance. Das lag auch daran, dass die Setlist einem gewissen Spannungsbogen folgte. Nachdem mit "Dead Mans Eyes" und "Ghosts Of Berlin" erst ein Mal die Thematik abgesteckt worden war, schmirgelte es erstmalig bei "Where The Wild Oceans End" ein wenig, während der erste "Rocker" - nämlich "Kingdom" vom aktuellen Werk - noch ein wenig auf sich warten ließ und erst am Ende der Show "Burden", "Black Sky" und besonders der schön ausformulierte Titeltrack "Void" für ein wenig Grunge-Stimmung sorgten.
So weit, so gut: Merkwürdigerweise zählten aber bei dieser Show dann gerade doch die eher zurückhaltend inszenierten Tracks zu den Highlights des Programmes - und hier kommt dann wieder die Balance ins Spiel. Denn es schien so, als legten die Musiker besonders viel Wert darauf, mit der Dynamik zu spielen und so den knackigen Gitarrenriffs der "lauten Stücke" besonders zärtlich dahingestreichelte Passagen bei den balladesken Nummern gegenüber zu stellen. "Was Poe Afraid" etwa - der Song mit dem Text des Beat-Poeten Charles Plymell - entpuppte sich in der schön zerdehnten Fassung ebenso als brillantes Highlight wie die einfühlsame und ähnlich dynamisch zerdehnte Bowie-Hommage "Helden". In solchen Settings kamen übrigens auch Andreas auf Pump gespielte Instrumente (das Harmonium und die Shruti-Box) besser zur Geltung, als das bei ihren bisherigen Konzerten der Fall war. Vielleicht lag das auch daran, dass Andrea und Mike Strauss den Umstand ausgleichen mussten, dass die eigentlich für die Tour vorgesehene Geigerin Catherine Graindorge dann doch unabkömmlich gewesen war. Als Andrea das Konzert dann mit einem - dramatisch auch sehr schön konzipierten - Zugabenblock, der außer "Helden" mit "Kälte" noch ein zweites Stück auf Deutsch und mit "Don't Wake Me" ein abschließendes "Gute-Nacht-Lied" enthielt, beendete, waren sich insbesondere die Andrea-Kenner im Publikum einig, das bisher gelungenste und rundeste Schroeder-Konzert erlebt zu haben. Der Umstand, dass zudem eine große Anzahl neuer Fans den Weg in die Harmonie gefunden hatten, deutete zudem darauf hin, dass Andrea Schroeder mit ihrer eigentlich unpolitischen, aber poetischen und stimmungsmäßig offenbar zum Zeitgeist passenden musikalischen Gegenwartsbewältigung den richtigen Ton getroffen zu haben scheint.

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Surfempfehlung:
www.andreaschroeder.com
www.facebook.com/andreaschroedermusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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