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Konzert-Bericht
 
Schwitzen und Frieren

Alice Phoebe Lou
Olmo

Köln, Blue Shell
18.01.2017

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Alice Phoebe Lou
Gleich mehrfach entschuldigte sich Alice Phoebe Lou bei dem Publikum dafür, dass das Kölner Konzert im beschaulich intimen und schon längere Zeit restlos ausverkauften Blue Shell stattfand. Es schien, als habe die in Berlin lebende Südafrikanerin ihrem eigenen Erfolg nicht so recht getraut - denn bereits ihr Headliner-Debüt im wesentlich größeren Gebäude 9 vor einem halben Jahr war doch schon recht gut besucht. Und auf dem nun stattfindenden Tournee-Zweig waren so einige Konzerte ausverkauft - unter anderem auch London, Berlin und Paris. Das mag daran liegen, dass die gebürtige Straßenmusikerin es schafft, ein Publikum zu begeistern, das für andere Künstler ggf. schon verloren schien. So fand sich dann im Blue Shell ein bunter Mix von Individuen - alt und jung, groß und klein, schön und bunt in allen Schattierungen -, den man ansonsten in den doch stark nach Genres fragmentierten Club-Zirkeln in dieser Eintracht höchst selten versammelt sieht. Aber auch das ist erklärlich, denn Alice Phoebe Lou spricht nicht nur inhaltlich viele Interessen an, sondern bietet auch musikalisch immer wieder wieder bemerkenswert Vielfältiges. Auch bei dieser Show präsentierte sie sich wieder als lebende musikalische Wundertüte und überraschte zum Beispiel mit einem bemerkenswert jazzigen Setting.
Zur Einstimmung hatte sie dieses Mal ihren Freund und Kollegen Francesco Lo Giudice alias Olmo dabei, den sie zufällig beim Musizieren auf der Straße kennengelernt und sogleich adoptiert hatte. Francescos Kunst in Begrifflichkeiten fassen zu wollen, ist dabei ein fast schon aussichtsloses Unterfangen. Der Multiinstrumentalist hat ein doch recht eigenes Verständnis von musikalischen Ausdrucksformen und präsentierte ein ziemlich wirres, zumindest jedoch eigenartiges, avantgardistisch aufgebohrtes Set, in dem er jazzige Improvisationen, Geschichten über Schoko-Riegel und Sprite-Limo oder das Verbiegen der Zeit mit allerlei Gerätschaften, einem ziemlich konsequent eingesetzten Sampler, einem Pitch-Shifter und seiner Stimme zu einem in weiten Teilen unverständlichen, aber letztlich unterhaltsamen philosophischen Konstrukt zusammensetzte. Sehr schön auch seine Definition des Zu-Spät-Kommens: "Das ist der Versuch, die Gegenwart ohne Rücksicht auf die Zukunft auszudehnen". Und wie er das dann musikalisch umsetzte (mit einem ständig langsamer werdenden, endlos gestaffelten Vokal-Sample-Track nämlich), war dann schon sehr überraschend.
Dagegen wirkte das, was Alice im Folgenden mit ihrer insgesamt vierköpfigen Band (neben Francesco und ihrem alten Kumpel Matteo war noch ein Saxophonist und ein neuer Drummer mit an Bord) darbot, fast schon wieder konventionell. Jedenfalls in dem Sinne, in dem es Alice mittlerweile gelingt, die etwas esoterische Struktur ihrer Studioaufnahmen auf der Bühne in zunehmend kompaktere Songformate zu gießen. Das passiert dann nicht nur bei Stücken wie "Walking In The Garden" oder "Red", sondern eigentlich bei allen Tracks, bei denen sie sich nicht auf den Solo-Vortrag konzentriert. Für Abwechslung sorgten dabei nicht nur die Saxophon-Beiträge und Matteos Effekthascherei (sein Metier ist weniger das Spielen von Keyboard oder Bass, sondern das Tweaken von Sounds mittels diverser Effektgeräte), sondern auch Alices Ausflug zum Vibraphon bei dem Song "Ocean", der in einer Art Jam-Session endete, das mit Francesco dargebotene Duett "The Devil's Sweetheart", bei dem dieser eine antike, akustische Lap-Slide-Gitarre spielte sowie einige neue Tracks, die zuweilen so neu sind, dass sie einfach noch "New Tracks" heißen. Daneben gab es noch einige Nicht-LP-Tracks wie z.B. "Paper Castles" oder "Skincrawling" (dessen Entstehungsgeschichte und Motivation Alice gleich noch mitlieferte) - leider aber nicht der heimliche Alice-Hit "Berlin Blues". Dafür gab es dann aber zumindest noch eine - vergleichsweise druckvolle - Version von "The City Sleeps" - ihrer Hommage an das sommerliche Berlin. "Hier drin ist es ja ganz schön heiß", scherzte Alice zu diesem Song, "da macht es ja nichts, wenn wir alle gemütlich miteinander schwitzen - aber gleich sind wir fertig, dann könnt ihr wieder raus, frieren." Damit war folgendes gemeint: Alice verbringt ihre Winter normalerweise in Südafrika - und somit ist dieses der erste Winter, den sie in Deutschland verbringt. "Für euch ist das ja normal", erklärte sie, "aber für jemanden wie mich ist es schon was besonderes, wenn die Straßen zugefroren sind." Eine Zugabe gab es traditionellerweise dann nicht (denn so etwas gehört nicht zum politischen Weltbild der Alice Phoebe Lou) - dafür nahm sie sich dann aber nach dem Konzert jede Menge Zeit, mit den Fans zu chillen. "Jetzt weiß ich ja, dass mich in Köln eine Menge Leute sehen wollen", erklärte sie abschließend noch, "deswegen verspreche ich, dass wir das nächste Mal in einem größeren Club spielen werden."

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Surfempfehlung:
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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