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Konzert-Bericht
 
Tränenpower

Walkabouts
Mary Gauthier

Köln, Kantine
18.01.2002
Walkabouts
Noch anläßlich der vorletzten "richtigen" Walkabouts-Scheibe, "Trail Of Stars", meinte Chris Eckman, daß er kein Interesse mehr habe, Rock-Songs zu schreiben und daß die Entwicklung eher in Richtung Ambience gehen würde. Aber zum Glück hat er es sich wieder anders überlegt, und auf der aktuellen Scheibe, "Ended Up A Stranger", einen Zahn zugelegt. Das machte sich dann auch gleich in Zuschauerzahlen bemerkbar: Die aktuelle Tour war wesentlich besser besucht als die letzte.
Mary Gauthier
Im Vorprogramm in Köln spielte Mary Gauthier aus New Orleans. Mary hat eine recht ungewöhnliche Karriere hinter sich: Im Alter von 34 Jahren gab sie eine Karriere als Restaurant-Leiterin auf und beschloß, Musik zu machen. Ganz im Stile von Townes Van Zandt präsentiert sie ihre Songs akustisch solo und verpackt in spannende und unterhaltsame Geschichten. Das war auch der Grund, warum sie in der Kantine vergleichsweise nervös war: Am Abend vorher spielte sie in Dresden, und dort konnte niemand ihre Texte verstehen. Und damit steht und fällt die Wirkung von Mary's Vortrag, denn, so sagt sie: "Ich bin keine Entertainerin, ich kann nicht tanzen, und ich kann keine Showeinlagen präsentieren. Ich bin eine Geschichtenerzählerin." Es sind die bitter-süßen Dramen, von nicht immer sympathischen, aber auf jeden Fall menschlichen Außenseitern, die allzuoft auf realen Charakteren (darunter sie selbst) basieren, die den Reiz des Gautherischen Universums ausmachen - vorausgesetzt, man ist selbst ein wenig diesbezüglich eingestellt. Denn außer wenigen Momenten, wie zum Beispiel im hymnischen "Mama Louisiana", hat Mary keine mitreißenden Tracks im Programm.
Walkabouts
Mit "Lazarus Heart" vom neuen Album eröffneten dann die sichtlich gutgelaunten Walkabouts ihr Programm. Gleich mit diesem Track ging es ordentlich zur Sache. Man konnte regelrecht sehen, wie den Rock-Fans in der Band (Carla, Glen und sichtlich auch Bassist Joe Skyward, ehemals von den Posies) ein Stein vom Herzen fiel. So unbeschwert hatte man die Walkabouts schon lange nicht mehr aufspielen gesehen. Mit dabei war auch wieder Terri Moeller (obwohl sie die Band offiziell verlassen hat) und eine Geigerin, die allerdings gegen Glen Slater's gesammeltes Sample-Sammelsurium nicht so recht anstinken konnte und insofern verzichtbar erschien. Thematisch beschränkten sich die Walkabouts diesmal auf die letzten beiden CDs mit ein paar Ausflügen in die Vergangenheit ("The Light Will Stay On", "Grand Theft Auto") für die "Historiker" wie Chris Eckman meinte. Obwohl doch ein paar typische Walkabouts-Balladen den Weg auf die Setlist fanden, wurde die pastoral-orchestrale Phase doch weiträumig umschifft. Von "Ended Up A Stranger" gab es noch eine sehr schöne und ausufernde Version von "Man From Reno" und als Zugabe - vor der Disco - ausnahmsweise mal keine Rock-Nummer, sondern eine Chris & Carla-Akustik-Zugabe. Des weiteren zu vermelden wäre noch, daß Carla eine neue Frisur hatte (doch, doch, wirklich!) und daß Terri Moeller ungewohnt resolut zur Sache ging. Mit diesem Konzert haben die Walkabouts endgültig ihr in den letzten Jahren konserviertes Tränenträger-Image abgeschüttelt und bewiesen, daß man auch mit düsteren Songs ziemlich Dampf machen (und Spaß haben) kann. Es fragt sich lediglich, warum ausgerechnet "Cul De Sac" vom neuen Album NICHT gespielt wurde.
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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