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The Church of Banks

Banks
Azekel

Köln, Gloria
05.03.2017

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Banks
Wenn es um die Titelgebung geht, geht Jilian Rose Banks mit religiösen und spirituellen Referenzen ja nicht gerade sparsam um: "Goddess" heißt das eine Album, "The Altar" das andere und in ihren Songs wimmelt es von Begriffen wie "Judas" oder "Mother Earth" und sogar Poltergeistern. In gewisser Weise passt zu all dem, dass sich Banks auf dieser Tour von dem jungen Londoner Nachwuchstalent Azekel (immerhin auch ein himmlischer Name) supporten lässt. In den Songs selbst geht es dann allerdings eher um irdische Dinge - meist Beziehungsdramen oder Selbstfindungsthemen -, die Banks in einem musikalischen Genre abhandelt (einer düsteren Form des R'n'B-inspirierten E-Pop), das auch eher irdischen Charakters ist. Trotz allem hatte die Show im total ausverkauften Kölner Gloria dann doch schon eine gewisse liturgische Stimmung - wie in einer Kirche. Weniger wegen der ständigen, an Weihrauch gemahnenden Kunstnebelschwaden, der elaborierten Bühnenshow oder dem dramatischen Beleuchtungskonzept, sondern eher in dem Sinne, dass die Fans ihrem Idol mit fast schon religiösem Eifer huldigten und die gesamte Predigt - Pardon - alle Texte - frenetisch mitskandierten. Dies wohl einfach wohl auch deswegen, weil Banks mit dem o.a. Mix den Nerv der Zeit - zumindest aber jenen ihrer Fans - getroffen hat.
Zunächst brauchte die Sache allerdings einen gewissen Anlauf, um stimmungsmäßig in Schwung zu kommen. Azekel, der Mann der auf seiner Facebook-Seite von sich sagt, "I sing and make beats", kam dieser Selbstbeschreibung auf der Bühne durchaus nach. Im Prinzip passte das Setting, das Azekel und seine zwei Mitstreiter (ein Drummer und ein Gitarrist) hier etablierten, auch durchaus zum Banks-Konzept, denn auch Azekel hat sich - wie Banks - einer düsteren Spielart des R'n'B-inspirierten E-Pop verschrieben. Allerdings vertritt er eine deutlich härtere und urbanere Spielart des Genres, die seine Londoner Herkunft durchaus durchklingen lässt. Auf herkömmliche Melodien und Pop-Elemente verzichtet Azekel weitestgehend. Dafür deutete er eine größere Affinität zur HipHop-Ästhetik an (empfing zum Beispiel das Publikum mit Rap-Moves) und legt einen gesteigerten Wert auf eine betont jazzige Harmonik - die insbesondere von dem Gitarristen auch instrumental auf die Spitze getrieben wurde. Zuweilen griff auch Azekel selbst zur Gitarre und sein Drummer war - neben der Beats - auch für die Samples zuständig. Azekel schien recht angetan von der aufmerksamen Stille des Publikums - schaffte es aber nicht wirklich die Stimmung wirklich anzuheizen. Das lag an zwei Umständen: Zum einen sind seine merkwürdig entzerrten, teilweise verstolperten und von vielen Breaks unterbrochenen Beats einfach denkbar ungeeignet, sich dazu zu bewegen - auch wenn er versuchte, das Publikum zum Tanzen zu animieren - und zum anderen war es dazu schlicht und ergreifend einfach zu voll, denn bereits zu diesem Zeitpunkt drängte sich das Publikum heringartig vor der Bühne zusammen.
Insofern hatte Banks - trotz einer unnötig langen Umbaupause - dann mit ihren Fans leichtes Spiel, als die Show dann endlich im Halbdunkel los ging. Angekündigt worden war die Tour für Banks mit Band. Dass zu dieser Band neben einem Keyboarder/Gitarristen und einem Drummer (die beide auch für das Abrufen von Samples und Loops zuständig waren) vor allen Dingen auch zwei Tänzerinnen gehörten, die Banks bei gut der Hälfte der Songs mit einer ausgefeilten Choreographie unterstützten, war dann freilich schon ein wenig überraschend. Zu Beginn der Show kamen die Damen - passend zum einleitenden Poltergeist-Thema - noch als körperlose Schattenwesen daher, wurden dann jedoch zunehmend sichtbar und ergänzten schließlich die von Banks selber bemühte Choreographie mit dramatischen, expressiven Gesten. Von Beginn an suchte Banks - trotz der durch und durch bis ins letzte professionell durchkalkulierte Show - den Kontakt zum Publikum und begab sich bereits beim zweiten Track, "Fuck With Myself", auf Tuchfühlung und zeigte sich dann im Folgenden, bevor mit "Trainwreck" ein weiterer Hit auf dem Programm stand, sichtlich gerührt von dem enthusiastischen Zuspruch, was sich dann durch eine betont entspannte Performance bemerkbar machte, die dann sogar spontane, improvisatorische Züge annahm. Es ist ja nicht ganz einfach, bei einem Musikstil, der im Wesentlichen aus programmierten Elementen besteht, funktionable Live-Performances zu extrahieren - das gelang Banks und ihren beiden Mitstreitern dann aber erstaunlich ungezwungen und spielfreudig.

Dabei überzeugte Banks trotz der schweißtreibenden körperlichen Betätigung als Dancing Queen, besonders mit der gesanglichen und performerischen Qualitäten, auf der ganzen Linie. Banks mag zwar keinen besonders großen Stimmumfang haben - es liegt da eigentlich immer alles ungefähr auf derselben Tonlage -, das macht sie indes mit dem Ausnutzen der dynamischen Möglichkeiten ihres Organs durchaus mehr als wett. So vermag sie es, ihre Stimme von einem sachten Säuseln bis zu einem stimmlichen Orkan aufzublähen - inklusive Opernkoloratur bei "This Is What It Feels Like", jeder Menge Sustain und dem, was man im englischen Sprachgebrauch als "belting" (also ungefähr herausbrüllen) bezeichnet. Hinzu kommt, dass sie eine interessante Art entwickelt hat, die Lyrics mit einer sehr originellen und eigenen "Scat-Technik" zu zerdehnen und dem Flow anzupassen. Das alles zusammen führte dann zu einem unerwarteten Höhepunkt: Das musikalisch eh schon mächtig dynamisch aufgebrezelte "Better" wurde so am Ende zu einer Art epischer Jam Session, bei der das Publikum spontan als Klatschvieh nicht ganz unbeteiligt war. Banks schien davon selbst überrascht und meinte, dass sie so etwas vorher noch nicht gemacht habe. Bei "Mother Earth" kam dann auch noch eine akustische Gitarre zum Einsatz und en passant erklärte Banks auch noch, wie ihre Stücke normalerweise entstehen - mit einer Harmoniefolge und einem spontan improvisierten Gesang, der eine Art meditativer Stimmung erzeuge - oder einer spirituellen halt, womit wir wieder beim Thema wären. Insgesamt präsentierte sich Banks, die "Band", mit dieser Produktion von einer unerwartet organischen Seite und zeigte, dass auch elektronische Musik im Live-Kontext für organische Überraschungen gut sein kann - wenn man die Sache nur mit einem interessanten Ansatz angeht und nicht auf bloße Reproduktion von Produktionswerten besteht.

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Surfempfehlung:
www.hernameisbanks.com
www.facebook.com/hernameisbanks
www.facebook.com/AzekelOfficial
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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